10.11.2014

Krankensalbung für Wiederverheiratete?

Darf einem wiederverheiratet Geschiedenen das Sakrament der Krankensalbung gespendet werden – und kann er es gültig empfangen? P. N., Jülich

Das Kirchenrecht sagt in Canon 1007, dass das Sakrament der Krankensalbung „jenen nicht gespendet werden (darf), die in einer offenkundigen schweren Sünde hartnäckig verharren“. Wer sich bewusst und dauerhaft über die bestehenden Regeln hinwegsetzt, etwa mit einer Wiederheirat, der schließt sich aus dieser Gemeinschaft aus. Und: Wer nicht zur Gemeinschaft mit ihren Regeln gehören will, wird vielleicht auch kein wirkliches Interesse haben an einem Sakrament dieser Gemeinschaft. 

Die Praxis zeigt, dass die Bitte um die Sakramente – auch beim Bußsakrament oder der sonntäglichen Eucharistie – stark zurückgeht. Ein guter Seelsorger wird ermessen können, wie ernsthaft der Wunsch des Gläubigen nach einem Sakrament in katholischem Verständnis ist. In einem Krankenhaus wird daher wohl kaum zunächst ein „Personenstandszeugnis“ verlangt, wenn jemand um das Sakrament der Krankensalbung bittet und der Seelsorger den Patienten entsprechend begleitet hat. Die kirchenrechtliche Regelung wird hier oft als theoretisch empfunden, während die pastorale Praxis ganz eigene Herausforderungen stellt. 

Auch wenn Papst Franziskus nicht amtlich eine andere Lehrmeinung verkündet hat oder das Kirchenrecht außer Kraft gesetzt hätte, so hat er im Schreiben „Evangelii gaudium“ über „die Freude des Evangeliums“ eine grundsätzliche Richtung angedeutet, wenn er schreibt: „Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“ (Nr. 47) Das öffnet nicht die Tür zur Beliebigkeit, sondern fordert im Gegenteil eine ernsthafte Beschäftigung mit dem eigentlichen Sinn der Sakramente als sichtbares Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit, nämlich der stärkenden Gegenwart Gottes aus Liebe zum Menschen.

Michael Kinnen