02.04.2014

Diskussionsrunde: Ukraine - Was wird aus meinem Land?

"Konflikt künstlich provoziert"

Wegen der Krim-Krise erweiterte das Maximilian-Kolbe-Werk seine Veranstaltung „Nahaufnahme 2014“ um eine Diskussionsrunde mit jungen Journalisten aus der Ukraine. Am vergangenen Mittwoch erzählten sie im Deutschen Bundestag davon, wie sie die Situation erleben.

Den Flammen zum Trotz wird die ukrainische Flagge geschwenkt 
Foto: Anastasiia Magazova


Berlin. Bei der Internationalen Begegnung „Nahaufnahme 2014“ war ursprünglich nur geplant, dass sich 20 junge Journalisten aus Deutschland, Polen, Österreich, Frankreich, der Ukraine, Russland und Georgien mit Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos in der Gedenkstätte Sachsenhausen treffen.

Die Perspektive junger ukrainischer Journalisten
Dieses Treffen fand auch statt, doch wegen der aktuellen Ereignisse in der Ukraine beschlossen die Veranstalter, dass die ukrainischen Journalisten den anderen Kollegen ihre Perspektive mitteilen sollten. Das Gespräch mit Zeitzeugen und jungen Journalisten aus der Ukraine führte der Präsident des Maximilian-Kolbe-Werks, Peter Weiß, der als Mitglied des Bundestags ermöglichte, dass sich die Diskussionsrunde im Paul-Löbe-Haus des Bundestags zusammenfinden konnte.
„Früher reichte es, wenn ich sagte, dass ich aus der Ukraine komme“, erzählt Liliya Dorosh­chuk. Die Mitarbeiterin des Projektteams der Internationalen Begegnung lebt in Freiburg, „Jetzt werde ich gefragt, ob ich aus dem Westen oder dem Osten des Landes komme. Und wenn ich erzähle, dass ich aus Hrytsiw im Westen der Ukraine stamme, ist allen klar, dass ich pro-europäisch eingestellt bin.“ So einfach sei es aber nicht. Ihr Vater trauere noch den Sowjetzeiten hinterher und sie selbst stehe der EU in einigen Punkten auch kritisch gegenüber.
Und Anastasiia Magazova aus Simferopol, also von der – mittlerweile russischen – Halbinsel Krim, gab sich europäisch-orientiert. Über einen Beamer zeigte sie Fotos von den Demon­strationen auf dem Maidan-Platz und fasste die Ereignisse zusammen: „Der schlimmste Tag war, als Mitte Feb­ruar 100 Menschen starben. In der Ukraine heißen sie jetzt die ‚Heiligen 100‘.“
Und so fragte später eine blonde Frau aus dem Plenum, welche persönlichen Konsequenzen Magazova nun daraus zieht, als Krim-Bewohnerin nun Russin werden zu müssen: „Ich bin gezwungen, die Krim zu verlassen, wenn ich meinen Pass behalten will“, antwortete Magazova. „Noch vor wenigen Jahren haben Russen, Ukrainer und Krim-Tataren friedlich zusammengelebt“, sagt die 23-Jährige. „Mit der Medienpropaganda hat sich die Bevölkerung an alte Wunden erinnert. Das trennt Familien und Freunde.“

In der West-Ukraine kein russisch sprechen
Auch für Maksym Volosevych ist der „Konflikt künstlich provoziert“. Seit der Unabhängigkeit habe es keine Konflikte gegeben: „In meiner Familie wird russisch gesprochen und ich wurde nie unterdrückt, obwohl wir im Westen der Ukraine leben“, sagt der 27-Jährige. Ein grauhaariger Zuhörer widerspricht: „Was Sie sagen ist unverantwortlich. Die Regierung wollte die russische Sprache verbieten. Deswegen wurde ich sogar gewarnt, im Westen der Ukraine russisch zu sprechen.“
Volosevych sagt dazu lediglich, dass er diese „eigene Sicht“ unkommentiert lassen wolle.

Alexandra Wolff