04.05.2017

Äbtissin von St. Marienstern tritt aus dem Kloster aus

Gründe für den Kloster-Austritt

Nach ihrem Rücktritt vom Amt der Äbtissin von St. Marienstern hat Philippa Kraft (41) auch den Austritt aus dem Zisterzienserinnenkloster öffentlich gemacht. Der Zeitschrift der katholischen Sorben, Katolski Posol, erklärte sie anschließend ihre Gründe: Das Fundament ihres spirituellen Lebens sei nicht mehr ausreichend tragfähig gewesen.


Philippa Kraft am 18. September 2011, dem Tag ihrer Äbtissinnen-Weihe. | Foto: Dorothee Wanzek

Sie fühle sich „nicht mehr so wie noch vor Jahren in das Ordensleben berufen“, sagte Philippa Kraft der Kirchenzeitung. „Ich gebe zu, dass ich sogar Glaubenszweifel hatte, diese habe ich aber überwunden.“ Sie bleibe der katholischen Kirche aber „auf jeden Fall“ treu. Auch seien die Klostergemeinschaft oder ein Partner kein Anlass für ihren Austritt.
Philippa Kraft hatte am 24. April im Beisein des Zisterzienser-Generalabtes Mauro-Giuseppe Lepori ihren Rücktritt als Äbtissin und Austritt aus dem Orden mitgeteilt. Dies hatte über das 1248 gegründete Kloster hinaus für großes Aufsehen gesorgt. Philippa Kraft, die mit bürgerlichem Namen Manuela heißt, stand gut fünf Jahre an der Spitze des Konvents, dem derzeit zwölf Nonnen angehören.
Nach einer Lehre als Buchbinderin war sie dort vor 23 Jahren eingetreten. Als vorläufige Administratorin setzte der Generalabt die Priorin Gabriela Hesse (56) ein, bis der Konvent eine Nachfolgerin wählt.

„Spirituelles Fundament nicht mehr tragfähig“
Die bisherige Äbtissin sagte dem Katolski Posol: „Ungefähr ein Jahr habe ich innerlich gekämpft, ja, man kann sogar sagen, dass ich mich gequält habe. Ich wollte diese Gedanken überhaupt nicht zulassen, weil ich wusste, was daran hängt. Aber meine Zweifel wurden immer größer.“
Das Fundament ihres spirituellen Lebens sei nicht mehr tragfähig gewesen. „Daher fühlte ich mich in meinem Amt überfordert.“
Sie habe von Januar bis April eine Auszeit genommen und in einem anderen Kloster gelebt. „Meine Entscheidung, aus dem Kloster auszutreten, ist immer mehr gereift. Inzwischen fühle ich mich innerlich befreit“, betonte die scheidende Äbtissin. Nun gehe sie „im völligen Frieden aus dem Kloster“, auch wenn es ihr leid tue, dass sie mit ihrer Entscheidung die Mitschwestern und Mitarbeitern „uns sicherlich viele viele Gläubige“ mit ihrer Entscheidung enttäusche. Gern würde sie mit dem Kloster   „freundschaftlich verbunden bleiben“. Bei den Zisterzienserinnen sind nach der Bekanntgabe ihrer Entscheidung viele Tränen geflossen, bestätigt die Administratorin Gabriela Hesse. „Wir bedauern den Rück- und Austritt sehr. Sie war in unserem Kloster mit all ihren Gaben und Fähigkeiten ein sehr kostbarer Mensch“. 
Die bisherige Äbtissin will nun nach eigenen Bekunden künftig in der Nähe von Dresden wohnen und in ihrem erlernten Beruf als Buchbinderin arbeiten. In der vergangenen Woche hat sie sich auf den Jakobsweg nach Spanien begeben, auf dem sie schon in der Vergangenheit mehrere Etappen gelaufen ist.
 In einer Erklärung äußerte sich der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers überrascht und dankte Kraft für ihr Engagement. „Ich respektiere diesen sehr persönlichen Entschluss, den sie sich offenkundig nicht leicht gemacht hat.“ Er dankte ihr für alles, was sie in ihrer Zeit in der Abtei St. Marienstern für die Ordensgemeinschaft der Zisterzienserinnen und die katholische Kirche im Bistum  gewirkt hat und wünschte ihr für die Zukunft „viel Zuversicht und die spürbare Nähe Gottes“.

Bischof bittet um Gebet für die Schwestern
Zugleich zeigte sich der Bischof zuversichtlich, dass bei Schwester Gabriela Hesse als erfahrener Priorin und jetziger Administratorin die Abtei in guten Händen ist. Er äußerte seine Hoffnung, dass die Schwestern Kraft im Glauben finden, sich auf die neue Situation einzustellen und das Kloster St. Marienstern in eine gute Zukunft zu führen. „Dafür werde ich beten und bitte auch die Gläubigen unseres Bistums, für die Schwestern zu beten“, betonte er.

Auch Schwester Johanna Barner ist ausgetreten
In den vergangenen Tagen hat ebenfalls die 45-jährige Schwester Johanna Barner das Kloster und den Orden verlassen, die Bitte darum aber bereits vor dem Rücktritt der Äbtissin ausgedrückt. Sie ist im Jahr 2000 ins Kloster eingetreten und hat im Klostergarten sowie im Klosterladen gearbeitet. In den vergangenen Jahren hat sie auch Liköre hergestellt. Sie kehrt an ihren ehemaligen Arbeitsplatz als Altenpflegerin in Sachsen-Anhalt zurück.

kna