10.05.2013

50 Jahre Kapelle Herz-Jesu in Gerstungen

Kirche, das sind die Menschen

 Von 1961 bis 1989 lag Gerstungen im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze. In dieser Situation gelang es, eine Kapelle zu errichten, die für die katholische Gemeinde seit 50 Jahren Heimat ist. Am 28. April wurde dieses Jubiläum begangen.

Die Herz-Jesu Kapelle in Gerstungen

Gerstungen. Eigentlich war es nicht möglich, in der DDR der 60er Jahre eine Kirche zu errichten, erst recht nicht im Sperrgebiet zur Bundesrepublik. Reparaturarbeiten und Sanierungen aber, die gingen, erinnert sich Weihbischof emeritus Hans-Reinhard Koch, der mit der Gemeinde und zahlreichen Priestern das Jubiläum 50 Jahre Kapelle Herz-Jesu in Gerstungen feierte. Und so stellte – nach dem Beschluss des Kirchenvorstandes für den Umbau der Notkapelle –  der damalige Pfarrer 1961 den Antrag auf Sanierung in Höhe von 5000 Mark. Dann, so der Weihbischof, wurde plötzlich eine Mauer zwei Meter weiter nach links, zwei Meter weiter nach rechts und ebenso – mit weitem Abstand zur bestehenden Kapelle – vorne und hinten hochgezogen und über allem schließlich ein Dach gedeckt. „Zum Schluss machten sie sich daran, die alte, kleine Notkapelle im Innenraum der neuen abzutragen“, berichtete Hans-Reinhard Koch. Der erste Gottesdienst fand Weihnachten 1962 statt, die Kirchweihe vollzog dann Weihbischof Hugo Aufderbeck am 28. April 1963. Heute ist Gerstungen neben St. Konrad in Ruhla Filialgemeinde der Pfarrei St.Elisabeth in Eisenach.

„Wir können nicht alleine glauben“
In seiner Predigt gratulierte Weihbischof Hans-Reinhard Koch den katholischen Christen in Gerstungen dazu, eine eigene Kapelle zu haben, und er gab seinem Dank Ausdruck, dass die innerdeutsche Grenze, von der Gerstungen als Ort im Sperrgebiet besonders betroffen war, längst Geschichte ist. Koch verwies darauf, dass nicht ein Bau Kirche bilde, sondern die Frauen und Männer, die Jugendlichen und Kinder, die Gemeinde sind. „Wir können nicht alleine Christen sein. Wir glauben, wir beten und singen gemeinsam und wir wissen, Christus der Herr ist unter uns“, betonte der Erfurter Weihbischof. Kirchweihjubiläen seien immer eine gute Gelegenheit, diese Gemeinschaft zu erfahren. Und so kamen auch Christen aus der Filialgemeinde Ruhla und aus der Pfarrei Eisenach zum Pontifikalamt nach Gerstungen. Zum Geschenk hatten sie ein Weihwassergefäß mitgebracht, dieses ist zwar gebraucht, doch tut es seinen Dienst. Pfarrer Monsignore Heinz Gunkel: „Die Gerstungener haben es sich gewünscht, da ihr altes undicht geworden war.“ Pfarrer Gunkel dankte zum Schluss allen, die mitgeholfen haben, den Gottesdienst und die anschließende Begegnung zu gestalten. Ein besonderes Dankeschön ging an den evangelischen Kirchenchor, der immer wieder in der Herz-Jesu Kapelle die großen Gottesdienste mit prägt.
Mit den Worten „ich wünsche mir, dass das ewige Licht auch in 50 Jahren in Gerstungen brennt“, ging der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, auf die Bedeutung der katholischen Gemeinden der Region ein. Er sagte weiter: „Vor 50  Jahren kam es darauf an, den Menschen hier ein Zuhause zu geben. Viele Vertriebende hatten die Sehnsucht, ihre Werte und ihren Glauben zu leben.“

Kapelle weiter ein Ort der Begegnung mit Gott
Landrat Krebs ermutigte die katholischen Christen zudem, sich weiter in der Gesellschaft – beispielsweise im nahen Asylbewerberheim – zu engagieren. „Sie werden gebraucht!“ Weihbischof Hans-Reinhard Koch stärkte die Gemeinde zudem mit seinem Optimismus indem er sagte: „Kirchweih feiern wir auch für unsere Kinder und Kindeskinder in der Hoffnung, dass hier in dieser Kapelle immer wieder Menschen zusammenkommen. Das ist mein Wunsch für die Zukunft.“ Holger Jakobi