12.03.2015

Auch ohne Schein gut beraten

Katholische Schwangerschaftsberatung ist nach wie vor gefragt

Dresden. Kritiker haben den katholischen Schwangerschaftsberatungen eine düstere Zukunft vorausgesagt, als diese im Jahr 2000 aus dem staatlichen Beratungssystem ausgestiegen sind. Sie haben nicht Recht behalten.

Knapp 15 Jahre ist es her, dass die deutschen Bischöfe sich für den „Ausstieg“ aus der staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatung entschieden haben. Dies führte in den Schwangerschaftsberatungsstellen von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) zu großen Veränderungen. „Sowohl die Identität als auch das Aufgabenprofil mussten neu bestimmt werden. Hinzu kamen Probleme bei der finanziellen Ausstattung der Beratungsstellen“, sagt Johanna Rautenberg, Referentin für die Schwangerschaftsberatung im Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen. In den meisten Diözesen sei der Wegfall der staatlichen Förderung durch kirchliche Mittel aufgefangen worden. „Die deutschen Bischöfe hatten sich in Übereinstimmung mit dem Papst dafür entschieden, dass die Beratungsarbeit nicht nur fortzuführen sei, sondern sogar verstärkt werden soll.“

Psychologische Beratung und konkrete Hilfen
Geschadet hat das den katholischen Beratungsstellen nicht – im Gegenteil. Individuelle Beratung, Unterstützung für die Zeit vor und nach der Geburt sowie Angebote zur Befähigung der Elternschaft sind nur einige neue Ansätze, mit der die Caritas und der SkF gepunktet haben. „Das besondere Kennzeichen der katholischen Schwangerschaftsberatung ist die enge Verknüpfung von psychosozialer Beratung und die Vermittlung konkreter Hilfen“, sagt Johanna Rautenberg. Damit werde den Rat suchenden Familien Unterstützung während der Schwangerschaft und danach angeboten. Hilfen bei der Verarbeitung eines Schwangerschaftskonflikts oder bei Partnerproblemen, sexualpädagogische Veranstaltungen, Beratungen zur Familienplanung und sogar eigene Väterberatung wie im Caritasverband Dresden sind Angebote, die den Eltern die Entscheidung für das Kind erleichtern sollen.
Dabei steht der Mensch immer im Mittelpunkt, ganz gleich, welchen Lebenshintergrund er hat. „Die Schwangerschaftsberatung der Caritas versteht sich als Teil des diakonischen Dienstes der Kirche“, so Johanna Rautenberg. Mit dem Schutz des Lebens in all seinen Phasen, insbesondere dem Schutz des ungeborenen Lebens, leiste die katholische Schwangerschaftsberatung einen wichtigen Beitrag zum Lebensschutz innerhalb eines breiten Beratungsangebots in der Gesellschaft. Zudem nehme sie damit ihre anwaltschaftliche Funktion für Menschen in Not wahr.

Lebensschutz ist mehr als Entscheidung für das Kind
Dass die betroffenen Menschen auch ohne „Schein“ gut beraten sind, zeigen die Zahlen allein in den fünf Caritas-Beratungsstellen des Bistums Dresden-Meißen (Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Zwickau). Im Jahr 2014 haben 2533 Ratsuchende an die Türen der Caritas geklopft. Zwölf  Schwangerschaftsberaterinnen führten insgesamt 6655 Gespräche. Bundesweit haben insgesamt 100 000 Menschen Hilfe bei den katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen gesucht.
Auch wenn die Zahl der Beratungen im Konfliktfall zurückgegangen sei, resümiert Johanna Rautenberg, die Nachfrage nach der katholischen Schwangerschaftsberatung ist nach wie vor groß. Wichtig sei es vor allem, dass die werdenden Eltern Verantwortung übernehmen. Das Lebensschutzkonzept der katholischen Beratungsstellen ist weit gefasst: Es dient Mutter und Kind. Johanna Rautenberg: „Lebensschutz endet nicht mit der Entscheidung für ein Kind, sondern er fängt oft danach erst an.“

Von Andreas Schuppert