24.05.2017

Jutta-Tag in Sangerhausen

Lob aus Belgien für Pfadfinder

Mit Gottesdiensten, Aktionen, der Jutta-Tafel und Konzerten ist in Sangerhausen wieder an die Heilige und große Tochter der Rosen- und Bergstadt Jutta von Sangerhausen erinnert worden.


Konzert des Gospelchores „Deep in my Soul“ zur Nacht der offenen Kirchen. | Foto: Steffi Roland


„Sehnsuchtsort Himmel“ stand über dem Konzert des Gospelchores „Deep in my Soul“ am 13. Mai in Sangerhausen. Die Pfarrei St. Jutta beteiligte sich damit an der 15. Nacht der offenen Kirchen, die gewissermaßen den Abschluss der Jutta-Tage bildete. Die Sängerinnen und Sänger des Chores unter Kantor Andreas Wesner sowie Schauspieler Rainer Luhn hatten mit ihrem Angebot ein großes Publikum in die Herz-Jesu-Kirche gelockt. Mit einem fröhlichen Halleluja empfing der Berliner Schauspieler die Besucher. Während das Publikum hier schmunzelte, hielt es wenige Augenblicke später den Atem an, als er die „Braut vom Libanon“ aus dem Hohenlied (Hld 4) des Alten Testaments lebendig werden ließ. Der bildhafte Text und seine gekonnte Darbietung zogen die Besucher in ihren Bann.
Luhn zitierte aus einer Lutherbibel von 1697, die in der Gangolfkirche in Hettstedt aufbewahrt wird. Sie enthält über die Bibeltexte des Alten und Neuen Testamentes hinaus auch eine Gebrauchsanweisung für den „Nutz“ der Pfarrer. So zählte Luhn für eine Bibelstelle gleich sechs Hilfen zum Verständnis auf, die Reformator Martin Luther dem Leser mit auf den Weg gab.
Mitreißend war bei der abendlichen Veranstaltung aber nicht zuletzt der Gesang des Gospelchores, zu dem mitgeklatscht und gesungen wurde.

Gospelchor zog viele Zuhörer an
Die Pfadfinder des Stammes St. Jutta hatten während der Jutta-von-Sangerhausen-Tage, die diesmal vom 3. bis 12. Mai in der Berg- und Rosenstadt stattfanden, einige Luftballons auf die Reise geschickt. Auf den angehefteten Karten, die während der jährlichen Erinnerungsveranstaltung auf dem Sangerhäuser Friedhof in den Himmel stiegen, standen Namen von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen und deren Kindern, die während der Nazi-Herrschaft im Zweiten Weltkrieg in Sangerhausen umkamen. Außerdem wurden die Finder der Karten aufgefordert: „Bitte helfen auch Sie mit, dass in unserem Land so etwas nie wieder geschieht.“
Nach knapp einer Woche erhielten die Pfadfinder eine Antwort auf ihre Luftpost, berichtet Gemeindereferentin Angela Degenhardt. Der Bürgermeister von Temse, Luc De Ryck, hatte einen Ballon vor seiner Tür gefunden. Temse ist eine Stadt im belgischen  Flandern mit 30 000 Einwohnern. Der Bürgermeister gratuliert in seinem Brief zu dieser Initiative und findet sie „sehr lobenswürdig“.

Wie zu Juttas Zeiten viele Bedürftige zu versorgen
Im ökumenischen Abendgottesdienst in der romanischen Ulrichkirche am 5. Mai schlug Referentin Maria Faber vom Bistum Magdeburg eine Brücke von Juttas Zeitgenossinnen Mechthild von Magdeburg und Elisabeth von Thüringen in die heutige Zeit. Bei der jährlichen Jutta-Tafel am Mittag desselben Tages am Fuße des „Schiefen Jacob“ erinnerten Schulkinder der Freien Grundschule Riestedt wieder in Spielszenen an das Leben der Heiligen. Hier stellten sich auch Vereine und Institutionen wie die Hospiz- Initiative und die Diakonie vor, die sich heute ganz in der Tradition von Jutta von Sangerhausen um hilfsbedürftige Mitmenschen kümmern. Martina Tietze von der Arbeits- und Bildungsinitiative (ABI) berichtete, dass derzeit bei der „Sangerhäuser Tafel“ 1000 Bedarfsgemeinschaften versorgt werden.

Von Steffi Roland / tdh