13.09.2011

Jesus ist Gott und Mensch: unvermischt und ungetrennt

Vor einigen Wochen zitierten Sie das Konzil von Chalkedon: „Jesus Christus sei ‚eine göttliche Person in zwei Naturen‘ ... beide ‚unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt‘“. Die Begriffe „unvermischt“ und „ungetrennt“ stellen für mich aber einen Widerspruch dar.
Jürgen Richter, 52477 Alsdorf

 

Die Theologie muss das „Geheimnis Gott“ in menschliche Worte fassen. Das ist nicht immer einfach, oft unpräzise und sehr oft missverständlich. Schon ganz früh haben sich die Theologen Gedanken darüber gemacht, ob Jesus jetzt Mensch oder Gott oder beides war. Und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen: Die einen, die „Monophysiten“ sprachen von der einen Natur Jesu, in der sich seine Göttlichkeit und Menschlichkeit vermischt hätten. Dagegen wurde eingewendet, dass Jesus dann in seinem Kreuzestod nicht „wahrer Mensch“ gewesen sei. Die anderen, die Nestorianer, glaubten an zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche. Jede Handlung Jesu könne einer Natur zugeordnet werden, die durch ein „Band der Liebe“ verbunden seien. Das Problem: Der eine Jesus wird so aufgespalten in zwei Personen, die nur bedingt miteinander zu tun haben.
Die unterschiedlichen Sichtweisen drohten die junge Christenheit zu spalten. Beim Konzil von Chalkedon (451) sollte ein Kompromiss gesucht werden. Er fand sich in der Formel: „Wir bekennen einen und denselben Chris-tus ..., der in zwei Naturen unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert besteht.“ Ein genialer Kompromiss: Beide Seiten haben ein bisschen recht und ein bisschen unrecht. Die Monophysiten haben recht, insofern Christus „ein und derselbe“ ist, unrecht aber, weil sie die Gottheit und Menschheit Jesu vermischen. Die Nestorianer haben recht, insofern es zwei Naturen gibt, unrecht aber darin, dass sie sie voneinander säuberlich trennen. Jesus ist also eine einzige Person mit zwei Naturen, unvermischt, also kein „Halbgott“ und ungetrennt, also kein „Schizophrener“.
Ist das logisch? Vielleicht nicht in unserem mathematisch-logischen Sinn. Der Theologe Walter Kasper schreibt in seinem Buch „Jesus, der Christus“: „Im Grunde musste das Konzil in der Sprache der griechischen Philosophie etwas zum Ausdruck bringen, was deren Gesamthorizont sprengte, wofür die denkerischen Mittel noch fehlten. Das Konzil begnügt sich deshalb damit, den Glauben gegen die Irrtümer von rechts und links abzugrenzen. ... Das Konzil formuliert eben keine Christustheorie, sondern belässt es bei einer das Geheimnis wahrenden christologia negativa.“ Es ist bei Gott eben immer leichter zu sagen, was er nicht ist, als sicher zu beschreiben, was er ist.
Susanne Haverkamp