02.11.2015

Ist Simon von Cyrene ein Heiliger?

Hat Simon von Cyrene, von dem berichtet wird, er habe Jesus geholfen, das Kreuz zu tragen, einen eigenen Gedenktag im Jahreskalender? Wurde er heiliggesprochen? G. L., 25746 Heide

 

Über das Leben des Simon von Cyrene ist wenig bekannt. Im Markusevangelium heißt es: „Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Cyrene, den Vater des Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.“ Auch bei Lukas und Matthäus wird er so erwähnt. 

Die Stadt Cyrene war zur Zeit Jesu eine bedeutende Stadt in Libyen mit einer großen jüdischen Gemeinde. Aufgrund dieser Herkunft und Darstellungen in der Kunst wird Simon häufig als erster schwarzer Heiliger bezeichnet. Doch die Kirche hat Simon von Cyrene nie heiliggesprochen – wobei es formale „Heiligsprechung“ sowieso erst ab etwa 1000 n. Chr. gibt. Anders als andere  biblische Heilige hat er auch keinen Gedenktag. Man könnte ihn allenfalls an Allerheiligen feiern, wo aller (auch unbekannten) Heiligen gedacht wird.

Allerdings schreibt die ältere Literatur des Öfteren Simon Heiligkeit zu. So heißt es in den „Lezioni sacre sopra la Divina Scrittura“ des italienischen Jesuiten Ferdinando Zucconi von 1724: „Er wurde für würdig gehalten, mit den eigenen Söhnen unter den Heiligen am 11. März ernannt zu werden.“ Dabei handelt es sich um einen Gedenktag für 40 Märtyrer, die gemeinsam gestorben sind. In dem Martyrologium von Ado von Vienne wird darunter ein Alexander erwähnt. Doch weil das Martyrium unter Kaiser Licinius (308–324 n. Chr.) stattfand, kann es nicht der Sohn des Simon sein.

Von dem zweiten Sohn, Rufus, ist mehr bekannt. Paulus grüßt in seinem Brief an die Römer „Rufus und seine Mutter“; eben dieser Rufus, der der Sohn des Simon von Cyrene gewesen sein soll, wurde später Bischof von Theben; sein Gedenktag ist der
21. November.

Im Jahr 1941 wurde im Kidron-Tal bei Jerusalem ein Gräberfeld von Juden aus Cyrene gefunden. Darunter ist auch ein Grab aus der entsprechenden Zeit mit der Inschrift „Alexander, Sohn des Simon“. Damit verliert sich seine Spur – und die seines Vaters Simon.

Von Kerstin Ostendorf