13.03.2014

Anstoß 11/ 2014

Ich suche nicht, ich finde nur!

Kürzlich suchte eine Freundin in ihrem Bücherschrank, der ausgesprochen groß und mit unzähligen Büchern voll ist, für eine Kollegin ein Buch. Sie meinte, dieses Buch ganz sicher im Bücherstapel „wertvolle Bücher“  zu finden. Doch dort war es nicht. Ein zweites Mal ging sie die entsprechenden Regale durch. Auch wieder nichts.  

Schließlich kam ihr die Idee, nicht im Wohnzimmer, sondern im Arbeitszimmer zu suchen. Dort hatte sie eine extra Ablage für besonders gute und wertvolle Bücher – aber auch darunter war es nicht. Schließlich gab sie die Suche auf.
Einige Zeit später wollte sie noch einige Lebensmittel kaufen und als sie ihre Schuhe anzog, entdeckte sie das gesuchte Buch auf einer Ablage neben der Haustüre. Sie selbst hatte es dorthin gelegt, um das nächste Mal, wenn sie ihrer Kollegin begegnen würde, dieses Buch sofort zur Hand zu haben.

Als meine Freundin mir diese Geschichte erzählte, konnte ich selbst eine ähnliche Erfahrung beisteuern: Ich hatte am Anfang meiner Zeit in Leipzig geglaubt, weit weg von jeder feministischen Aktivität zu sein. Freiburg im Breisgau, wo ich lange gelebt hatte, war eine Hochburg des Feminismus gewesen. Dort gab es gebildete und aktive Katholikinnen, die in den Gemeinden mitarbeiteten und vieles zum Besseren veränderten.  
Dagegen war die Gruppe der kfd, der ich mich dann hier anschloss, ziemlich klein. Doch natürlich stellte ich im Verlauf der Zeit fest, dass auch hier Frauen nach ihrem Platz in den Gemeinden suchen und dass es Gruppen der Solidarität und der gegenseitigen Hilfe gibt. Außerdem arbeiten hier die Katholikinnen und die evangelischen Christinnen so wohltuend zusammen.
Vollends versöhnt war ich dann, als ich realisierte, wie nah Helfta ist. Es ist ja wirklich unglaublich, was diese drei Frauen Mechthild von Magdeburg, Gertrud die Große und Mechthild von Hackeborn in Helfta auf die Beine gestellt hatten. Seither fahre ich jedes Jahr mit interessierten Menschen ins wieder aufgebaute Kloster, um dort an Ort und Stelle über diese Mystikerinnen zu arbeiten.

Von Picasso soll der Spruch stammen: '“ich suche nicht, ich finde nur!“ Vielleicht hat Picasso bei der Formulierung dieser Aussage an Situationen gedacht, wo die aktive, angestrengte und arbeitsintensive Suche nichts gebracht hat. Es gibt Situationen, da ist es besser, man entwickelt eine allgemeine Offenheit, ohne mit Gewalt oder falschem Ehrgeiz einem bestimmten Ziel hinterher zu laufen. Dann muss man nur noch abwarten und die gewünschte Sache fällt einem in den Schoß!   
Schwester Susanne Schneider, Missionarinnen Christi, Kontaktstelle Orientierung Leipzig