28.08.2014

Anstoß 35/2014

Hoffnung vor allen Dingen

Die gute Nachricht ist: es gibt sie noch, die Hoffnungsträger und Heldinnen des Alltags, die uns mitreißen und neu motivieren können. Gerade im Sport begegne ich dem Kampfgeist, mit dem plötzlich eine Abstiegssituation positiv gedreht wird.

Auf der Nord-Neuköllner Ferienfreizeit mit über 30 Kindern und Jugendlichen gehören Ballspiele zu den Gemeinschaftserlebnissen. Einmal war die Wahl der Mannschaften ungleich zustande gekommen, so dass die starken Älteren gegen die schwächeren Jüngsten antraten. Das Ergebnis schien damit am Beginn klar zu sein. Klar gewinnt die starke Truppe der „Allstars“. Ganz am Ende aber zeigten die Jüngeren einen unerwartet beherzten Einsatz. Wie wild kämpften Elias und Friedrich um den Ball und führten ihr Team so zum verdienten Sieg. Sie gingen als gefeierte Helden vom Platz. Vielleicht sind beherzte Einsätze in äußerlich schwierigen Umständen deshalb so aufbauend, weil sie uns das Gefühl geben: wenn die noch Unerfahrenen und eigentlich Schwachen gewinnen, könnte es gerechter in der Welt zugehen.
Wow, Menschen, die uns mitreißen, sind wohl mit zusätzlichen Kraftquellen ausgerüstet. Woher nehme ich die Energie, um nicht aufzugeben, angesichts von Situationen, die schlicht überfordern? Gerade vor der aktuellen weltpolitischen Lage mit allem ansteigenden Terror und Kriegsschauplätzen stehe ich ohnmächtig überrollt, gepaart mit Wut, Entsetzen und Ratlosigkeit. Dabei ist es im Alltag manchmal schon eine Leistung, die normalen Anforderungen irgendwie zu überstehen... Im Zitat des ehemaligen Präsidenten der Tschechischen Republik Vaclav Havel finde ich eine starke Erfahrung, mit der er seine Kraftquelle beschreibt. „Das Maß der Dinge ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. Und diese Hoffnung vor allen Dingen ist es, die uns die Kraft gibt zu leben und es immer wieder aufs Neue zu versuchen, sind die Bedingungen auch äußerlich noch so hoffnungslos.“
Woher aber kommt diese „Hoffnung vor allen Dingen“ und wo liegt die Ursache für den größeren Sinn? Sicherlich gibt es dazu viele spannende philosophische Überlegungen. Mir fällt die bekannte aus der Bibel David gegen Goliat ein. Ausgerechnet der Jüngste, noch nicht einmal als Krieger ausgebildet, stellt sich ohne Rücksicht darauf, wie die Situation ausgeht, dem überstarken und bislang unbezwungenen Krieger Goliat entgegen. Ganz ohne Kriegsgerät, sondern mit einer Steinschleuder trifft er den Gegner auf dem Kampfplatz an der Stirn, der völlig unerwartet zu Fall kommt. Was für eine hoffnungsstarke, beispielgebende Geschichte, die auch noch in einer politischen Rettung endet.
David konnte nicht den Ausgang vorhersagen, aber lebte aus einer anderen Gewissheit, aus seiner Hoffnung vor allen Dingen. Mit dem lebendigen Gott, da geht doch noch was!
Lissy Eichert, UAC, Pastoralreferentin