06.07.2016

Sommerserie Teil 2

Herzstück einer Gemeinschaft

Detmold. Es gibt Orte, da kann der Mensch Gott besonders nahe kommen. In der diesjährigen Tag des Herrn-Sommerserie geht es um solche Orte. Die Redakteure Ihrer Kirchenzeitung stellen ihre spirituellen Orte vor. Heute schreibt Cornelia Klaebe.

Christus mit dem All als Schemel für seine Füße, vor ihm kniend Maria, der Heilige Geist in Gestalt der Taube: Unser Altarfenster ist das größte der vielen Glaskunstwerke in der Kapelle. Außen herum die Engel und Heiligen.


Als ich von dieser Serie spiritueller Orte erfuhr, war mir sofort klar: Es kann für mich nur einen geben. Zwar haben in meinem Leben viele Orte wichtige Rollen gespielt, aber keiner hat eine so enorme Bedeutung für meinen Weg mit Gott wie die St.-Lioba-Kapelle auf dem Kupferberg in Detmold in Nordrhein-Westfalen. Dabei ist sie erst 2008 in mein Leben getreten, als ich zum ersten Mal das Säkularinstitut St. Bonifatius besuchte, dem sie gehört. Schon von Anfang an faszinierten mich die Fenster. Ich erfuhr erst später, dass Else Bircks, ein Mitglied der Gründergeneration, sie gestaltet hat – wie praktisch die ganze Kapelle.

Die Kapelle von außen: Viele Spaziergänger kommen hier vorbei – manche werden neugierig und schauen herein. Fotos: Hildegard Schneider

In der Kapelle zuhause ankommen
Später kam ich oft zu Besuch nach Detmold und trat schließlich 2010 in die Gemeinschaft von Frauen ein, die nach der Regel des heiligen Benedikts ein Leben mitten in der Welt führen – so wie unsere Dreiergruppe in Berlin, die Frauen auf dem Eichhof in Winterstein oder unsere beiden Mitglieder in Ebersbach an der tschechischen Grenze, aber auch Frauen in anderen Regionen Deutschlands und Europas sowie in Guatemala, Ruanda und im Kongo. Obwohl wir kein Orden sind, haben wir wie viele apostolisch tätige Gemeinschaften ein Zentrum: in Detmold auf dem Kupferberg. Und dessen Herzstück ist die Kapelle.
Es ist wie zuhause ankommen, wenn ich bei einem Seminar, einer Versammlung, zu Exerzitien oder im Urlaub auf dem Kupferberg das erste Mal die Kapelle betrete. Solange und sooft ich auf dem Kupferberg meinen Wohnsitz hatte, kam ich mehrmals täglich her: Zum Stundengebet, zur heiligen Messe, zur morgendlichen Betrachtung und immer wieder einfach zwischendurch. Hier wurde ich 2011 in die Formungszeit aufgenommen und las zum ersten Mal die Lesung vom Ambo, das mit seinen Bronzereliefs viele biblische Szenen abbildet. Hier erlebte ich in der Karwoche, wie das Kreuz umgedreht wurde – mit der schwarzen Rückseite nach vorn. Am Karfreitag wurde es dann abgehängt. Und am Ostermorgen hing wieder die goldene Seite vorn, wenn wir den Auferstehungsjubel sangen. Hier auf dem Altar unterschrieb ich am 2. Februar 2013 die Urkunde der ersten Profess, und seitdem erneuere ich jedes Jahr vor diesem Altar meine Gelübde. Und hier werde ich mich, so Gott, die Gemeinschaft und ich wollen, im Jahr 2022 für immer an Gott und das Institut binden.

Profess-Urkunden in einer Schatulle im Altar
Dann wird die Urkunde wie alle Lebensweihe-Urkunden unserer Gemeinschaft in einer Schatulle im Altar eingeschlossen werden – als Zeichen der ewigen Hingabe. Und am Ende wird eines Tages mein Körper hier vor dem Altar im Sarg liegen und unter Gebeten und Gesängen meiner Mitschwestern auf unseren Friedhof gebracht werden. Hier ist mein Ort.

Cornelia Klaebe

„Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“, sagte ich schon öfter scherzend zu Mitschwestern, die mich suchten, während ich in der Kapelle war. Lange Zeit kann ich hier auf den Tabernakel blicken, der die Jünger mit Jesus beim Abendmahl zeigt. Ich betrachte auch heute noch gern die Fenster, am liebsten natürlich das große im Altarraum.
Das kann ich am besten von der Empore, die von unserer Krankenstation aus zugänglich ist. Hier schaue ich auf Jesus, auf Maria, die er krönt, auf die Engel und die Gruppen der Heiligen. Natürlich tauchen insbesondere die Patrone unserer Gemeinschaft und die Heiligen der Benediktiner auf. Das ist ein bisschen wie einen Roman zu lesen, denn ihre Geschichten kenne ich recht gut und erinnere mich daran, wenn ich sie anblicke.
Besonders berührt mich an unserer Kapelle, dass man nur selten niemanden beim Beten vorfindet. Besonders aus den Reihen unserer alten und kranken Mitglieder sitzen fast immer einige hier. Es gibt mir große Zuversicht zu wissen, dass ihre Gebete von hier hinausgehen in die ganze Welt. Und das eine oder andere bestimmt auch zu mir.

Wenn die Sonne von Osten auf unsere Kapelle fällt, wird der Altarraum bunt. Vor diesem Altar legen wir unsere Gelübde ab.