07.08.2014

Mehr als ein Kinder- und Jugendzirkus: Birikino in Chemnitz

Hereinspaziert!

Birikino, der Kinder- und Jugendzirkus des Don-Bosco-Hauses in Chemnitz, hatte bei den diesjährigen Zirkuszeltwochen besondere Unterstützung. Eine Clownsgruppe aus einem Salesianer-Projekt in der Nähe von Mailand probte einen Tag mit den jungen Chemnitzer Artisten.

Gemeinsamer Auftritt: Die Barabba’s Clowns aus der Nähe von Mailand und die jungen Chemnitzer Artisten vom Zirkus Birikino. Foto: Matthias Holluba

Chemnitz. „Hereinspaziert! Ich wünsche Ihnen eine schöne Vorstellung!“ Mit einem Zylinder auf dem Kopf steht Tim Brunner vor dem Birikino-Zirkuszelt in Chemnitz und begrüßt die eintreffenden Gäste zu einer besonderen Show. Diesmal sind es nicht nur die jungen Chemnitzer Artisten, die ihr Können zeigen. Zu Gast sind die Barabba’s Clowns. Dahinter verbirgt sich ein Salesianer-Projekt in der Nähe von Mailand für benachteiligte Jugendliche. Zusammen mit den 20 deutschen Teilnehmern der Birikino-Zirkuzszeltwoche haben die 17 Italiener einen Tag lang trainiert und nun zeigen sie in der Manege ihr Können.

Tim Brunner ist von dem Tag begeistert: „Auch wenn wir uns mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch verständigen mussten, es war ein tolles Miteinander“, sagt der 18-Jährige. Seit fünf Jahren ist er bei Birikino dabei und beschäftigt sich vor allem mit Diabolo, Einrad und Akrobatik. Und – weil er inzwischen ein alter Zirkushase ist – trägt er als Hilfstrainer Verantwortung für Jüngere. Das gute Miteinander, die Gemeinschaft nennt er als Grund, dass er bis heute bei Birikino dabei ist.

Im Zirkuszelt zeigen die Clowns inzwischen ihr Können: Bei der Aufführung eines Musikstücks passieren mancherlei Missgeschicke und eine Akrobatik-Übung wird zur Lachnummer ... Der heilige Don Bosco, auf den die Salesianer zurückgehen, war davon überzeugt, dass das Theater es ermöglicht, in jedem Menschen ganz tief drin etwas Schönes zu entdecken. Das ist eine Erfahrung, die die italienischen Jugendlichen genauso wie die jungen Chemnitzer machen. „Es ist etwas sehr Schönes mitzuerleben, wie junge Menschen entdecken, dass etwas ganz Wunderbares in ihnen steckt“, sagt P. Johannes Kaufmann, der das Don-Bosco-Haus leitet. Deshalb ist er froh, dass Birikino in diesem Jahr einen neuen Standort gefunden hat, einen Platz, den die Stadt hergerichtet und für zehn Jahre verpachtet hat. Mithilfe von Spenden hofft P. Johannes nun, dass das Zelt so hergerichtet werden kann, dass es auch im Winter nutzbar ist. Und aus den schon gelegentlich stattfindenden Gottesdiensten soll möglichst ein regelmäßiges spirituelles Angebot werden. „Unser Birikino-Zirkuszelt ist so etwas wie die fünfte katholische Kirche in Chemnitz.“ Angesprochen werden sollen damit nicht nur die Christen. „Wir wollen die Menschen mitnehmen, die sonst keinen Schritt in eine Kirche tun würden und sie erleben lassen: Jeder ist hier willkommen.“ So kann eine Gemeinschaft entstehen, wie sie P. Johannes beim Eröffnungsgottesdienst für das Zirkuszelt am neuen Standort erlebt hat: „Da sitzen die frommen Christen neben ihren ungetauften Mitmenschen hier aus dem Stadtteil Sonnenberg, die so oft auf der Verlierer-Seite des Lebens stehen.“

Bei den Birikino-Kindern ist das Miteinander über alle sozialen und religiösen Unterschiede hinweg selbstverständlich. Tim Brunner hat dieses Erlebnis wohl geholfen, seinen Weg ins Leben zu finden: „Ich will jetzt meinen Realschulabschluss nachholen, und ich will mich taufen lassen.“

Termine: 15. August und 27. September (jeweils 18 Uhr): Zirkusgala; 31. August (10 Uhr): Gottesdienst

Matthias Holluba