19.10.2017

Musical „Der kleine Prinz“

Herbeigesehnte Neuauflage

„Es ist das Musical meines Lebens“, sagt Marco Gulde über Kurt Grahls „Der kleine Prinz“. Zur Uraufführung vor 31 Jahren und bei der folgenden Tournee durch Kirchengemeinden in der DDR spielte er Gitarre. Jetzt ist er der Dirigent.


In der zweiten Herbstferienwoche trafen sich 42 junge Dresdner Chorkinder und vier Instrumentalisten zum Proben im Kloster Wechselburg. | Fotos: Dorothee Wanzek

 

Schon vor zehn Jahren hatte der Dresdner Kirchenmusiker Marco Gulde seinen einstigen Lehrer und Kinderchorleiter Kurt Grahl nach den Noten für den „Kleinen Prinzen“ gefragt. Unter all den Kantaten und Musicals, an deren Aufführung er bis dahin mitgewirkt hatte, schien ihm dieses Musical das Wertvollste. „Zuerst dachten wir: Das ist zu schwierig“, erinnert er sich an seine Zeit im Jugendchor der Leipziger Propstei, „doch irgendwann kannten wir es auswendig, wir haben darin und dafür gelebt und das Publikum mit unserer Begeisterung angesteckt.“ So sehr hat Marco Gulde dieses Musikstück verinnerlicht, dass er seither stets, wenn er eine Textzeile aus der bekannten Erzählung des Dichters Antoine de Saint-Exupéry hört, sogleich die passende Melodie aus dem Musical im Ohr hat.
Kurt Grahl musste ihn allerdings enttäuschen: Nach Rechtslage der Bundesrepublik durfte das Werk wegen der zahlreichen Originalzitate aus der Erzählung bis zum 70. Todestag des Autors nicht mehr aufgeführt werden. Vor drei Jahren ist diese Frist verstrichen, und Kurt Grahl nahm sich seine Komposition  erneut vor, fügte der usprünglichen Kinderchor-Fassung noch eine Version für einen vierstimmigen Erwachsenenchor und einige Instrumentalstimmen hinzu.
Am vergangenen Wochenende war „Der Kleine Prinz“ mit Marco Gulde und den Kinderchören der Dresdner Gemeinden Strehlen, Pieschen und Löbtau zweimal in Dresden zu erleben. Am 21. Oktober um 16 Uhr gibt es im Leipziger Propsteisaal eine Aufführung, die von ehemaligen Mitwirkenden der Uraufführung verstärkt wird.
Marco Gulde war sich der Herausforderung bewusst, als er begann, seinen langjährigen Traum zu verwirklichen: Sein Ensemble ist sehr jung, zum Proben musste eine intensive Herbstferienwoche im Kloster Wechselburg genügen. Dass die Leidenschaft des Dirigenten für dieses Werk auf die Kinder übergesprungen ist, war bereits während dieser Woche zu spüren. „Es ist anstrengend, aber es macht total viel Spaß“, strahlt die elfjährige Adele, eine von drei Besetzungen für die Rolle des Fuchses, dessen Vertrauen der kleine Prinz gewinnt. Am meisten geht ihr beim Proben die Szene zu Herzen, in der sie vom Prinzen Abschied nehmen muss. 
Neben gesungenen Rezitativen und kurzen Sprechtexten gehören zum Stück auch mehrere Lieder, die das Geschehen beleuchten. Auf den Veranstaltungsplakaten und in den im Strube-Verlag veröffentlichten Partituren ist erstmalig auch der Autor dieser Texte korrekt genannt, der Heiligenstädter Diakon Johann Freitag, Verfasser zahlreicher neuer geistlicher Lieder, darunter das Elisabeth-Lied „Liebe bricht auf“.

Marco Gulde dirigiert mit Begeisterung „sein“ Musical.

Christen sehen tiefer – wie der „Kleine Prinz“
„Saint-Exupérys Texte liebe ich fast seit Kindertagen“, sagt der 73-Jährige. Für ihn ist „Der kleine Prinz“ ein zutiefst christliches Werk, auch wenn das Wort „Gott“ darin nicht vorkommt. In den Musical-Liedtexten hat er seiner Sicht auf das Christsein und auf die Botschaft der Erzählung Saint-Exupérys Ausdruck verliehen: Christen seien wie der kleine Prinz Suchende, weil sie im Glauben zwar die Gewissheit von Gottes Zusage haben, aber sich Gott dennoch niemals habhaft machen können, ist er überzeugt. „Christen haben Wurzeln und Flügel, sie kennen die Dornen der Rose und lieben doch ihre Blüten, und sie haben die Fähigkeit, durch Kistenbretter hindurch ein Lebewesen zu erkennen.“ Eine Aufführung des Werkes, an dem er mitgeschrieben hat, konnte der Diakon bisher übrigens nie miterleben.

Von Dorothee Wanzek