19.03.2014

Hunderte Mitarbeiter haben den Verlag verlassen

Harte Einschnitte bei Weltbild

Mehrere hundert Mitarbeiter haben die Verlagsgruppe Weltbild bereits verlassen, am Standort Augsburg werden über 600 Stellen gestrichen. Die Katholische Kirche hilft bei der Finanzierung einer Qualifizierungsgesellschaft.

HuHunderte Mitarbeiter haben bereits das Unternehmen in Augsburg verlassen. Foto: kna

Beim insolventen Augsburger Weltbild-Verlag verliert rund ein Drittel der Beschäftigten den Job. 656 Stellen würden gestrichen, noch gut 1000 blieben in Augsburg erhalten, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mit. Von den Kürzungen betroffen seien Mitarbeiter aus der Verwaltung und der Logistik. Geiwitz informierte die Beschäftigten am Donnerstag bei einer Betriebsversammlung über seine Pläne. Die betroffenen Mitarbeiter sollen das Angebot bekommen, in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Bei der Suche nach Investoren gibt es laut Geiwitz bislang lediglich "unverbindliche Angebote".

Dort erhalten sie nach Angaben der Gewerkschaft ver.di zwischen 85 und 90 Prozent ihres bisherigen Nettolohns. Finanziert werde die Gesellschaft mit Mitteln der katholischen Verlagseigner. Die Kirche zahle einen zweistelligen Millionenbetrag, hieß es. Darüber hinaus erhielten die betroffenen Beschäftigten Kurzarbeitergeld. Ziel ist es, die Weltbild-Mitarbeiter über die Gesellschaft in andere Jobs zu vermitteln.

Nach ver.di-Angaben wechseln zum 1. April zunächst 582 Mitarbeiter in die Transfergesellschaft. Weitere 74 Beschäftigte sollen im Spätherbst folgen. Über diese Stellen werde jedoch noch einmal verhandelt. Gekürzt werde vor allem im Callcenter, in der IT- und der Marketingabteilung. Die betroffenen Mitarbeiter sollen bei ihrem Ausscheiden eine Abfindung erhalten. "Das war das Maximale, das wir erreichen konnten", sagte ver.di-Sekretär Thomas Gürlebeck.
 

Mitarbeiter werden in Einzelgesprächen informiert

Wer genau von den Streichungen betroffen ist, erfuhren die Mitarbeiter am Donnerstag noch nicht. Man werde die Kollegen in Einzelgesprächen am Freitag informieren, sagte Konzernbetriebsratschef Timm Bossmann. Am Standort Augsburg verbleiben nach den Stellenstreichungen noch gut 1000 Stellen, vor Beginn des Insolvenzverfahrens im Januar waren es nach Angaben der Gewerkschaft etwa 1950. Rund 300 Beschäftigte haben demnach seitdem freiwillig das Unternehmen verlassen.

Insolvenzverwalter Geiwitz machte unterdessen klar, dass auch das Filialnetz von Weltbild nicht von Kürzungen verschont bleiben werde. Dort sind rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt. Mit einer Entscheidung darüber, wie viele Stellen dort wegfallen, sei jedoch frühestens für Ende April zu rechnen. "Der Weg bis zu einer Sanierung der Verlagsgruppe ist noch hart und der Ausgang des Verfahrens noch nicht gewiss", sagte Geiwitz: "Ich bin jedoch vorsichtig optimistisch." Klar sei aber auch, "dass es bei Weltbild mit rund 100 Millionen Euro Verlust im letzten Jahr nicht mit ein wenig Kosmetik" getan sei.

Geiwitz kündigte an, den Verlag neu positionieren zu wollen. Das "neue Weltbild" müsse "schnell und flexibel" sein. Der Insolvenzverwalter will dabei das Unternehmen weiterhin als Ganzes verkaufen und sucht dafür einen Investor. Es gebe bislang "unverbindliche Angebote", die eigentlichen Verhandlungen mit möglichen Interessenten würden aber erst beginnen. Bis zum 24. März sollen die Investoren verbindliche Angebote abgeben.

Laut Gewerkschaft verhandelt Geiwitz derzeit mit fünf Interessenten. Konzernbetriebsratschef Timm Bossmann betonte, es gehe nun darum, diesen "zu beweisen, dass dieser Laden sein Geld wert ist". Der Verlag hat weltweit derzeit noch rund 5600 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört zwölf katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin.

epd