14.04.2016

Gründung der Pueri Cantores in der Region Ost

„Singt den Menschen von Gott!“

Halle. Kinder- und Jugendchöre aus Ostdeutschland haben am 9. April mit einem Chortag in Halle die Gründung des Verbandes Pueri Cantores Region Ost gefeiert. Mit dabei waren auch Bischöfe aus den (Erz-)Diözesen der Region.

Am Ende des Kinder- und Jugendchortages in Halle stand eine festlich gestaltete Vesper in der Moritzkirche. Die rund 600 jungen Leute aus Chören der Bistümer der Region Ost einschließlich der Dresdner Kapellknaben gestalteten den Gottesdienst mit ihrem Gesang wesentlich mit. Fotos: Eckhard Pohl


Die meisten der jungen Sängerinnen und Sänger sind am Ende des festlichen Kinder- und Jugendchortages in Halle wohl froh und dankbar nach Hause gefahren. „Mir hat gefallen, mit so vielen Kindern so viele schöne Lieder zu singen“, war von der neunjährigen Johanna vom Kinderchor Carl Lampert der Pfarrei Halle-Nord genauso zu hören wie von der zehnjährigen Matilda vom Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom. Auch jugendliche Sängerinnen und Sänger zeigten sich begeistert von den vielen Teilnehmern und der Vielfalt der Gesänge von Psalmen über klassische Kirchenlieder bis zu Neuen Geistlichen Liedern  und dies in deutscher, englischer und lateinischer Sprache.

Auf Deutsch, Englisch und Lateinisch gesungen
Rund 700 Kinder und Jugendliche sowie ihre Begleiter waren am 9. April in die Saalestadt gekommen, um anlässlich der formellen Gründung der Pueri Cantores Region Ost (Tag des Herrn berichtete im März) ein Fest zu begehen. „Wir feiern unseren eigenen Geburtstag“, rief der Regional-Vorsitzende und Leipziger Kirchenmusiker Stephan Rommelspacher den jungen Sängern aus den Diözesen Ostdeutschlands zu. Die Pueri Cantores sind der katholische Verband der Kinder- und Jugendchöre. Die internationale Chorvereinigung wurde 1947 in Frankreich gegründet und zählt weltweit zirca 35 Nationalverbände.
„Hier im Osten Deutschlands, wo so viele Menschen Gott nicht kennen, ist es ganz wichtig, dass ihr von ihm singt“, betonte der Berliner Erzbischof Heiner Koch im festlichen Vespergottesdienst am Ende des Tages. „Ihr seid als Chöre die Apostel Jesu. Wenn ihr es den Leuten nicht sagt, sagt es ihnen niemand.“ Im Chor zu singen bedeute, in Gemeinschaft zu sein und nicht allein. „In eurem Chor seid ihr viele. Und wenn ihr in Erfurt singt, denkt daran: Jetzt singen auch die Kinder in Dresden, Berlin, in Halle und in Cottbus. Haltet zusammen! Macht es euch nicht bequem in eurem Chor, sondern geht los im Wissen, dass Jesus immer bei euch ist: Und singt den Leuten von Gott, der uns nicht allein lässt.“
Zuvor hatte Ortsbischof Gerhard Feige aus Magdeburg die „vielen jungen Sympathisanten der Kirchenmusik“ in der großen, spätgotischen Moritzkirche willkommen geheißen. Mit Erzbischof Koch und Bischof Feige waren auch der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke und der Dresdener Diözesan-Administrator Andreas Kutschke zum Vespergottesdienst gekommen.

Die Mädchen und Jungen, hier aus Erfurt, erfüllten die Moritzkirche mit ihrem Gesang.

Musik kann Zugang zu religiösen Fragen eröffnen
Die Chöre aus Berlin, Heiligenstadt, Schirgiswalde, Magdeburg und aus vielen anderen Orten hatten die gemeinsam gesungenen Psalmen und Lieder bereits zu Hause einstudiert. Mit Pueri Cantores-Präsident Matthias Balzer aus Trier und dem Regional-Vorsitzenden Stephan Rommelspacher wurde sie nun in Halle gemeinsam gesungen. Die Proben und die abschließende Vesper am ende des Tages in der Moritzkirche mit ihrer guten Akustik, begleitet von Orgel, Blasinstrumenten und Pauken, waren für alle Teilnehmer ein klanglicher Hochgenuss.
Nach dem Mittagessen in der benachbarten Dreyhauptschule waren die Kinder und Jugendlichen zu zahlreichen Freizeitangeboten wie etwa einem Besuch im Beatles- oder im Händel-Museum der Stadt und zum offenen Singen im nahen Stadtzentrum unterwegs. Im Anschluss trafen sie sich dann wieder, um gemeinsam zu singen.
Für den stellvertretenden Regional-Vorsitzenden und Hallenser Kirchenmusiker Tobias Fraß, der mit zahlreichen Ehrenamtlichen den Tag in Halle organisiert hatte, bietet der neue Verband „Poten-
tial, die Kinder- und Jugendchorarbeit in den Gemeinden“ und dies etwa auch „in der Kooperation mit Schulen zu stärken“. Mitglieds-chören biete der Verband Pueri Cantores vielfältige Unterstützung hinsichtlich der Fortbildung haupt- und ehrenamtlicher Chorleiter oder der Bereitstellung von Notenmaterial an. Chortreffen, so Fraß, sollen künftig verstärkt auch in Dekanaten und Bistümern stattfinden und so Freundschaften gefördert werden. Angesichts der Überalterung der Kirchenchöre sei es zudem wichtig, dass junge Leute nachrücken.
Der geistliche Beirat der Pueri Cantores Region Ost und Erfurter Dompfarrer Gregor Arndt sieht auch angesichts der „Abbrüche in der kirchlichen Kinder- und Jugendpastoral gute Chancen in der Kinder- und Jugendchorarbeit“. „Offensichtlich gelingt es, Kinder und Jugendliche über die Musik zu sammeln, übrigens auch außerhalb der Kirchen. Warum sollen die auch spirituellen Inhalte vieler musikalischer Werke nicht eine Anknüpfungsmöglichkeit sein, Kindern und Jugendlichen religiöse Dimensionen zu erschließen?!“

               Kontakt zu den Diözesan-Verantwortlichen

Von Eckhard Pohl