01.11.2011

Anstoss 43/2011

Gott und die Abwaschbrigade

Schulanfang in der Magdeburger St. Mechthild-Schule.

Eltern und Kinder der neuen ersten Klasse feiern, Eltern und Kinder der nun zweiten Klasse machen Programm, Essen und Küchendienst. Die Gästezahl liegt bestimmt deutlich über 200 Personen. In der Küche herrscht Hochbetrieb und gute Laune, an Handtüchern und Abwaschbecken ist die Stimmung großartig und manch einer, der andere bisher nur so von weitem bei Elternabenden gesehen hat, kommt gut mit ihnen ins Gespräch.
Logisch, dass es richtige Tassen und Teller und echtes Besteck gibt. Am Ende stehen viele der Eltern und Kinder mit den Lehrerinnen und Erziehern noch in der Küche, stoßen auf das schöne Fest an und verabschieden sich. Gemeinsame Arbeit macht Freude und Freunde, abgewaschenes Geschirr belastet die Umwelt nicht und außerdem ist es deutlich stilvoller.
Kurze Zeit später Besuch bei einem Gemeindefest. Im Gottesdienst die immer wieder gern gesprochene Fürbitte, die Schöpfung zu bewahren und verantwortlich mit den Ressourcen umzugehen. Draußen zum Imbiß dann Pappteller, Plastikbesteck und Wegwerfbecher. Der Senf kommt aus kleinen aufreißbaren Beuteln und zum Schluß landet aller Müll friedlich vereint in einer großen Mülltonne. Die bestens ausgestattete Pfarrküche wird so gut wie nicht benötigt. Helfer braucht es auch nicht so viele.
Ganz ehrlich, dann kann man auch gleich beten, dass es eigentlich völlig schnurzpiepewurstegal ist, was mit der Schöpfung passiert. Denn der liebe Gott müsste sich doch, wenn er nicht schon alles wüsste, ziemlich verschaukelt vorkommen bei solch unheiligem Treiben. Da ist „Herr, erbarme dich“ die bessere Antwort als „Wir bitten dich, erhöre uns“.
Natürlich kann jetzt der Einwand kommen, dass so ein paar Plastikteller mehr oder weniger die Welt auch nicht retten. Aber Glaube ist nicht nur ein Rettungsprogramm für die Ewigkeit, sondern der Aufruf zum Mitbau am Reiche Gottes. Da gehören Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung dazu. Vieles dabei steht in unserer Macht. Wir können es tun oder lassen. Und so wie wir uns entscheiden, so leben wir es anderen vor.
Wer um Frieden bittet, sollte Frieden stiften, Streit schlichten und üble Fouls lassen. Wer Gerechtigkeit sucht, sollte bereit sein abzugeben, Ungerechtigkeit beim Namen nennen und versuchen, fair zu sein. Und wer die Schöpfung bewahren will, sollte sich so in ihr bewegen, dass die folgenden Generationen auch noch was von unsrer schönen Welt haben.
Den Glauben leben geht auch mit dem Geschirrtuch in der Hand. Auch beim Gemeindefest und beim Kolpingabend. Wir können diese Welt mitgestalten und wir sollten unsere Gebete ernst nehmen. Gott tut es sicherlich auch.
Guido Erbrich, Roncallihaus, Magdeburg