06.02.2014

Anstoß 6/ 2014

Glückliche Menschen spenden mehr

Kürzlich bin ich bei der Lektüre – es ging um Misereor und die großen christlichen Hilfswerke - auf eine Tatsache gestoßen, die mich erstaunt hat: es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen der Spendenbereitschaft der glücklichen Menschen und der Spendenbereitschaft der unglücklichen Menschen. Und zwar sieht es so aus: glückliche Menschen spenden mehr!

„Menschen, die sich als glücklich bezeichnen, spenden generell öfter“, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Allgemein kann man sagen, dass glückliche Menschen hilfsbereiter sind, mehr Zeit für andere übrig haben und mehr Verständnis für andere Menschen zeigen.
Wenn man nun machen könnte, dass möglichst viele Menschen glücklich sind! Das wäre doch toll – dann wäre allen geholfen: die glücklichen sind glücklich und diejenigen, die Spenden dringend nötig haben, bekommen, was sie brauchen.

Nun ist es ja so, dass man Glück nicht auf Knopfdruck herstellen kann. ABER: es gibt Hilfen, die bewirken, dass Menschen grundsätzlich glücklicher und zufriedener durch ihren Alltag gehen. Dazu gehören viele Haltungen und Einstellungen. Auf eine möchte ich im folgenden besonders eingehen: auf die Dankbarkeit.

Viele Menschen meinen, Dankbarkeit sei ein natürliches Gefühl und es komme und gehe wie es will. Das stimmt nur zum Teil: wie viele Gefühle kann der Mensch auch die Dankbarkeit ein Stück weit „erziehen“.

Leider machen sich negative Gefühle, wie Zorn oder Ärger oder Wut, viel leichter in vielen Köpfen und Herzen fest. Und das schlimme ist dann, dass sie oft durch Gedanken und Gefühle gepflegt und gehätschelt werden.

Besser ist es, wenn man die Dankbarkeit ganz bewusst pflegt. Sicherlich gibt es jeden Tag Dinge, für die man dankbar sein kann: man hat den Bus gerade noch erwischt, obwohl man so spät dran war, die Verkäuferin hat genau die Strickjacke im Angebot, die man schon länger gesucht hat, man hat überraschend Blumen geschenkt gekriegt...

Wenn einem etwas Gutes widerfahren ist, kann man zur Tagesordnung übergehen und das Gute sofort wieder vergessen. Man kann aber auch über das Gute nachsinnen und es würdigen. Manchmal hilft es, sich gerade hin zu stellen oder sich aufrecht und gerade hin zu setzen – weil auch der Körper sich freut. So erfüllt das Gefühl der Dankbarkeit schließlich den Körper und den Geist und die Seele und verbreitet gute Laune und Freude. Wie wenig selbstverständlich sind so viele Dinge, die wir täglich geschenkt bekommen!
Schwester Susanne Schneider, Missionarinnen Christi,
Kontaktstelle Orientierung Leipzig