30.01.2014

Familienbildungsstätte Naumburg will Eltern ermutigen und stärken

Geschätzt und angenommen

Seit 20 Jahren bietet die Familienbildungsstätte Naumburg Eltern mit ihren Kindern viele Möglichkeiten der Begleitung und Unterstüzung an. Nachdem die Finanzierung angesichts massiver Sparbestrebungen in Sachsen-Anhalt auf der Kippe stand, ist sie nun doch zunächst für 2014 gesichert.

Die Eltern-Kind-Gruppen der Familienbildungsstätte Naumburg werden von Müttern mit ihren Kleinkindern gern angenommen. Hier tauschen sich die Teilnehmerinnen auch über Fragen und Probleme aus.Foto: FBS

Naumburg. „Der Eltern-Kind-Kurs ist eine gute Möglichkeit, sich mit anderen Frauen auszutauschen. Dabei kommen wir automatisch auch auf Probleme zu sprechen wie etwa beim Stillen der Kinder oder wenn die Kleinen zahnen“, sagt Cathrin Rosenstiel aus Naumburg. Die 39-Jährige nimmt mit ihrem dritten Kind gern an dem wöchentlichen Angebot der Familienbildungsstätte Naumburg (FBS) teil. Die Gemeinschaft und auch die Umgebung im Haus seien einfach schön. „Nach der Krabbelgruppe gehen wir dann öfter noch etwas essen“, erzählt Frau Rosenstiel begeistert. Außerdem kommt sie einmal in der Woche mit ihren Kindern zum Kinderturnen.

Kurse fördern Kontakte und gegenseitige Hilfe
„Über die Jahre hinweg sind durch unsere Angebote zahlreiche Kontakte entstanden und sogar viele Freundschaften unter den Eltern und Familien gewachsen“, sagt Leiterin Barbara Lohfink. „Die Mütter und auch Väter helfen sich gegenseitig, geben Erfahrungen weiter, bestärken sich in ihrer Aufgabe, tauschen Kleidung aus. Wenn man dies unter dem Aspekt des Subsidiaritätsprinzips betrachtet (Menschen so unterstützten, dass sie sich selbst helfen können – d. Red.), passiert hier sehr viel, wo sonst staatliche Einrichtungen gefragt sein könnten ...“, so die Leiterin der Familienbildungsstätte. Dass die FBS in Naumburg und Region beliebt und geschätzt ist, wurde auch anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Einrichtung etwa von Oberbürgermeister Bernward Küper betont. Nach Angaben von Frau Lohfink durchlaufen wöchentlich durchschnittlich 450 Menschen die Einrichtung.

„Wir lernen hier Lieder und Spiele für die Kinder kennen. In der Vorweihnachtszeit haben wir kleine Geschenke gestaltet“, erzählt Peggi Strauß (41), die in Bad Kösen wohnt und mit ihrem inzwischen vierten Kind am Eltern-Kind-Kurs teilnimmt. Und auch Andrea Schaller (31) ist dankbar für die Eltern-Kind-Gruppe mit Kindern im ersten Lebensjahr, zu der im Laufe der Wochen auch eine Zahnärztin und weitere Referenten zu Erziehungs- und Gesundheitsthemen kommen. Darüber hinaus schätzt Andrea Schaller den angebotenen Sportkurs für Mütter mit gleichzeitiger Betreuung der Kinder.

„Familie werden ist eine der größten Herausforderungen im Leben von Frau und Mann“, sagt Barbara Lohfink. „Wir begleiten mit erfahrenen, kompetenten Kursleiterinnen diesen körperlichen und seelischen Prozess, damit junge Mütter und auch Väter Schwangerschaft, Geburt und den Start in das Familienleben so positiv wie möglich erleben.“ Die Angebote, für die die Teilnehmenden teilweise auch einen Beitrag entrichten, reichen von Geburtsvorbereitungskursen für Schwangere und ihre Partner  und Hebammensprechstunden über mehrere Eltern-Kind-Kurse pro Woche, Rückbildungsgymnastik und Babymassage bis zu Eltern-Kind-Treffs und Eltern-Kind-Turnen.

Im vergangenem Sommer schien jedoch die Finanzierung der Familienbildungseinrichtung gefährdet. Angesichts der Sparanstrengungen in Sachsen-Anhalt sollte der staatliche Zuschuss von 23 000 Euro und damit von 20 Prozent der Finanzierung einfach wegfallen. Träger der FBS ist der Katholische Familienbund im Land Sachsen-Anhalt. Deren Vorstandsvorsitzender Ludger Nagel sah im gegebenen Fall die Notwendigkeit, einen Teil der Angebote streichen zu müssen.  Nach entsprechenden Entscheidungen des Landtages Ende des vergangenen Jahres sind die Mittel für die zehn Familienbildungsstätten im Land aber nun für 2014 gesichert.

Neben zahlreichen Kursen hilft die Familienbildungsstätte auch bei der Erstausstattung bei der Geburt von Kindern: Regelmäßig finden mit Hilfe Ehrenamtlicher Baby- und Kindersachenbörsen statt. Die Angebote der FBS reichen aber weit über die Zeit der Geburt und das erste Lebensjahr der Kinder hinaus. In regelmäßigen Abständen bietet die FBS – und dabei gelegentlich auch in Zusammenarbeit mit einer städtischen Kindertagesstätte – den Elternkurs „Kess erziehen“ an. „Dieser Kurs wude von der Arbeitsgemeinschaft für Katholische Familienbildung (AKF) auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes entwickelt. Er vermitteln Müttern und Vätern an fünf Abenden eine erzieherische Grundhaltung, die den Alltag leichter machen kann und die familiäre Stimmung positiv gestalten hilft“, so Lohfink.

Arbeit mit sozial benachteiligten Familien
Zum Angebot der FBS gehört zudem die Arbeit mit sozial benachteiligten Eltern. „Unsere Einrichtung ist Modellstandort im Bundesprojekt ,Elternchance ist Kinderchance‘“, sagt Frau Lohfink (Tag des Herrn berichtete.). „Um benachteiligte Familien in der Wahnehmung ihrer Erziehungsverantwortung zu stärken, arbeiten wir als FBS mit Einrichtungen der Caritas und dem Jugendamt zusammen.“ Seit 2009 organisiert die FBS für diese Familien in der Familienferienstätte des Familienbundes in Kirchmöser (Brandenburg) eine Freizeit mit Bildung. „Im letzten Jahr war die Nachfrage so groß, dass mit Hilfe von Sponsoren und dem Jugendamt ein zweiter Durchgang stattfinden konnte“, so Frau Lohfink. „Manche Kinder waren noch nie mit ihren Eltern verreist.“

„Weitere Angebote der Familienbildungsstätte möchten einladen und motivieren, aktiv und gezielt und in eigener Verantwortung etwas für die eigene Gesundheit zu tun“, sagt Lohfink. Dazu gehören Kurse wie Rückenschule, progressive Muskelentspannung, Gymnastikkurse und Ernährungskurse. Der Caritasverband bietet im Haus Beratung und Vermittlung von Mutter-Kind-Kuren an. Zudem gibt es kreative Angebote. So wird 2014 ein kleines, offenes Atelier für Familien geöffnet.

Die FBS ist aktives Mitglied im „Bündnis für Familie“. „Bei der Netzwerkarbeit ist uns die gegenseitige Unterstützung und das gute Miteinander mit der katholischen Kindertagesstätte, mit dem Altenheim und den Caritas-Einrichtungen vor Ort wichtig“, sagt Lohfink. „Hilfreich ist auch, dass sich Familien aus der katholischen Gemeinde für die Einrichtung engagieren und dafür einen Förderverein gegründet haben.“
In der FBS mitten in der Altstadt Naumburgs gibt es auch einen Selbstversorgerbereich mit 28 Übernachtungsplätzen. Eltern-Kind-Kreise, Familienkreise und andere Gruppen können diesen buchen. Eckhard Pohl

Mehr Infos /Programm der Familienbildungsstätte Naumburg: www.fbs-naumburg.de