01.03.2018

Pastoralreferentin Sabine Friedrich vorgestellt

Mit Neugier und Klarheit

Im vergangenen Jahr wurde Sabine Friedrich als Pastoralreferentin für das Erzbistum Berlin beauftragt. Ihre Aufgabe als Krankenhaus- und Gehörlosenseelsorgerin ist getragen von persönlichen Erfahrungen.


Sabine Friedrich in einem Kreuzberger Café. | Foto: Gunnar Lammert-Türk

„Ich wollte, was mein Herz bewegt, mit meinem Verstand überein bringen.“ So beschreibt Sabine Friedrich den wesentlichen Impuls für ihre Entscheidung, Theologie zu studieren. Bewegt wurde sie durch ihren Glauben, von dem sie sagt, dass er ihr vor allem durch ihre Mutter nahegebracht wurde. Dabei war von Anfang an auch Bewegung im Glaubensleben selbst, denn Sabine Friedrich wuchs in einem ökumenischen Haushalt auf: die Mutter katholisch, der Vater evangelisch. Die Eltern entschieden sich, sich an eine Pfarrei zu halten. Das war die katholische. Sabine Friedrich war froh darüber. So hatte die Familie eine geistliche Heimat. Das schloss für sie nicht aus, auch die andere Seite zu kennen und zu schätzen. Die Haltung, die ihr von Kindheit an nahegebracht wurde, lässt sich vielleicht am besten so beschreiben: Neugier und Interesse bewahren und zugleich Klarheit suchen und Entscheidungen fällen.

„Ich merkte, wie frei ich als Katholikin bin“
Bis zum Ende der Grundschulzeit, die sie in einer katholischen Schule absolvierte, lebte Sabine Friedrich im Umfeld der Gemeinde St. Otto in Zehlendorf, hatte dort auch ihre Kinderfreundschaften. Mit dem Wechsel zum staatlichen Gymnasium verließ sie diese geschützte Welt und erfuhr plötzlich: „Wir sind jetzt die Wenigen.“ Exoten quasi. Nun war der Verstand gefragt, denn es begann der „Anfang einer Auseinandersetzung“ um ihren Glauben.
Als sie bei einem USA-Aufenthalt in der elften Klasse evangelikale Christen erlebte, merkte sie, „wie frei ich als Katholikin bin“ und erkannte zugleich: „Ich darf über meinen Glauben nachdenken.“ Das wollte sie gründlich tun und beschloss, statt Naturwissenschaften, zu denen sie eine starke Neigung empfand, katholische Theologie zu studieren.
Sie fing damit in Berlin an, nahm sich aber vor, das Studium in Münster fortzusetzen. Dazu kam es zunächst nicht, denn ihre Mutter erkrankte an Krebs und bat die Tochter, bei ihr zu bleiben. Eine schwere, aber auch erfüllte Zeit erlebte Sabine Friedrich mit der kranken Mutter. Sie pflegte sie und sorgte für ihre geistliche Stärkung. Weil die Mutter zunehmend keine Kraft mehr hatte, zum Gottesdienst in die Kirche zu gehen, brachte sie ihr die Krankenkommunion und hielt Hausandachten für sie. Ihr Herz, könnte man sagen, lernte so viel dazu und auch ihr Verstand war gefragt, um diese Bewährung zu meistern.
Die Erfahrungen, die sie so machte, kommen ihr nun als Pastoralreferentin im Erzbistum Berlin zugute. Denn hier hat sie mit Menschen zu tun, deren Leben sich von dem vieler anderer deutlich unterscheidet und auch mit solchen, die mit Krankheit und Sterben konfrontiert sind. Seit März vorigen Jahres ist sie Referentin für Gehörlosenseelsorge und seit September Krankenhausseelsorgerin in der Kinderklinik und der Geburtshilfe des St. Josephskrankenhauses in Tempelhof. In beiden Bereichen sieht sie sich intensiv gefordert und bringt ihnen dieselbe Zuneigung entgegen.

Berührt von direkter Art gehörloser Menschen
Um sich mit den gehörlosen Menschen verständigen zu können, hat sie ein halbes Jahr lang die Gebärdensprache gelernt, auch um Gottesdienste und Glaubensstunden für sie halten zu können. Sabine Friedrich ist berührt von deren direkter und zugleich sehr emotionaler Art und kann ohne Zögern sagen: „Ich fühl mich in der Sprache und mit den Menschen wohl.“
Die Kenntnis der Gebärdensprache kann ihr auch als Krankenhausseelsorgerin von Nutzen sein. Ebenso ihre Beschäftigung mit dem Sterben, denn sie wird im Falle gefährdeter Frühgeburten und noch stärker bei Fehlgeburten manches Mal mit der Angst der Eltern um das Leben der Kinder und ihrem schmerzlichen Verlust konfrontiert. Während ihres nach dem Tod der Mutter fortgesetzten Theologiestudiums in Münster absolvierte sie einen Hospizkurs und schrieb ihre Diplomarbeit zum Thema Tod und Sterben, um die Erlebnisse mit ihrer Mutter professionell zu reflektieren.
Ganz im Sinne ihres Anliegens, die Bewegung des Herzens und den Verstand zusammenzubringen. Eine Verbindung, die sie für ihre Arbeit wird brauchen können, in der auch das Zusammenspiel von neugierigem Interesse und entschiedener Klarheit nicht zu kurz kommen wird.

Von Gunnar Lammert-Türk