02.06.2017

Kirchentag auf dem Weg: Dessau-Roßlau

Gastliches Anhalt-Mahl

Beim Kirchentag auf dem Weg in Dessau-Roßlau hatten die Gastgeber zu einer 500 Meter langen Tafel zwischen evangelischer und katholischer Kirche eingeladen. Auch etliche Katholiken übernahmen Tischpatenschaften.


Der von Frauen aus Dessau-Süd betreute Tische des Anhalt-Mahls. | Fotos: Eckhard Pohl


Noch bis kurz vor dem „Kirchentag auf dem Weg“ in Dessau-Roßlau war nicht sicher gewesen, ob sich für die 500 Meter lange Tafel des Anhalt-Mahls genügend Tischpaten finden würden. Doch am Ende des Auftaktgottesdienstes am 25. Mai auf dem Dessauer Marktplatz konnten die – wenn auch nicht so zahlreich gekommenen Teilnehmer – tatsächlich an allen 224 Biertischgarnituren auf Gastgeber treffen, die sie mit Speis und Trank, Gespräch und kulturellem Angebot bewirteten. Unter den Tischpaten waren auch etliche Katholiken.
„Ökumene ist eine   Selbstverständlichkeit“

Zum Auftakt des Kirchentages auf dem Weg hatten die Dessau-Roßlauer zu einer Tafel zwischen  evangelischer Marien-Kirche, vorbei am Rathaus (beides im Hintergrund), bis zur katholischen Kirche St. Peter und Paul eingeladen.

„Für mich war es ganz selbstverständlich, dass wir beim Evangelischen Kirchentag mithelfen“, sagte Martina Glathe (63), die auch Mitglied des Katholikenrates des Bistums Magdeburg ist. „Mein Mann und ich sind in Dessau-Süd in einem  Freundeskreis von Christen und Konfes-sionslosen. Die meisten der Frauen des Kreises gehören einem Frauentreff der evangelischen Kirchengemeinde St. Peter und Kreuz an. Sie und auch wir haben es übernommen, Gastgeber beim Anhalt-Mahl zu sein.“ Im übrigen sei Ökumene in Dessau-Süd eine Selbstverständlichkeit.

„Die halbe Pfarrei ist auf den Beinen, um mitzuhelfen“, sagte auch Andrea Plewa aus der Pfarrei St. Peter und Paul. „Wir haben sieben Tische hier an unserer Kirche übernommen.“ Weitere vier betreue die Nachbarpfarrei „Heilige Familie“ aus dem Stadtteil Roßlau: Jede der drei dazugehörenden Gemeinden, Roßlau, Coswig und Zerbst, sowie die Jugend habe einen Tisch in Obhut. Auch Lehrer des Liborius-Gymnasiums und weitere Katholiken seien beim Anhalt-Mahl im Einsatz.
Auch wenn an diesem Kirchentagseröffnungsabend nicht soviele Gäste gekommen waren wie erhofft, der eine oder andere Besucher aus der Ferne fand auch bis ans Ende der langen Tafel nahe der katholischen Kirche St. Peter und Paul: Johanna Hahms und Dorothee Lenk aus Lage-Heiden in Westfalen-Lippe zum Beispiel. Die evangelische Gemeinde in Lage-Heiden habe seit der Wende Kontakte zur evangelischen Gemeinde in Wörpen, das zu Coswig (Elbe) gehört, erzählte Frau Lenk. „Da lag es nahe, sich auf den Weg nach Dessau und Wittenberg zu machen und gleich noch alte Bekanntschaften zu pflegen“, so die beiden Frauen. Denn die Katholikin Dorothee Lenk gehörte in jungen Jahren der Katholischen Studentengemeinde (KSG) Münster an, die zu DDR-Tagen Kontakte zur KSG in Ost-Berlin pflegte. Zu der aber gehörte damals Maria Schmidt, die wiederum unter den katholischen Tischpaten beim Kirchentag in Dessau-Roßlau war ...

Gäste aus Lage-Heiden, Hof und bis aus Asien
Ein Ehepaar aus Hof, das einen Tisch weiter ebenfalls an einem der von Katholiken betreuten Tische saß, hatte sich extra mit Dessau-Roßlau für einen kleinen Kirchentag entschieden. Ebenfalls am Tisch war Renate Rochhausen von der evangelischen Gemeinde aus Bernburg. „Ich finde es eine ausgesprochen gute Idee, soviele Menschen an eine lange Tafel zu bringen und so auch die ökumenische Verbundenheit erlebbar werden zu lassen.“ Und eine Dessauerin, die keine Christin ist, betonte: „Es ist schön, wenn Menschen miteinander essen und ihre Gedanken austauschen.“
Nicht eigens angreist, aber dennoch von weit her sind junge Leute aus Iran, Indonesien, Vietnam und Hongkong, die ebenfalls mit beim Anhalt-Mahl saßen. Sie studieren an der Hochschule Anhalt und haben in der Gruppe der Katholischen Jungen Erwachsenen um Martin Plewa in Dessau ein Stück Heimat gefunden. Die 29-jährige Evelyn Katharina zum Beispiel stammt aus Jakarta und studiert Design. Durch eine Freundin kam die Indonesierin in Kontakt mit der Pfarrei. „Ich bin erstaunt über die lange Tafel“, sagte sie. „Ich dachte, es sind ein paar Tische.“ Einen solchen Openair-Gottesdienst wie vorhin auf dem Dessauer Marktplatz habe sie in ihrer Heimat noch nicht erlebt, so die Katholikin.

Von Eckhard Pohl

Die Tafel des Anhalt-Mahls vor der Pfarrkirche St. Peter und Paul.