07.08.2014

Anstoß 32/ 2014

Galapagos

Galapagos – eine Insel in der Nähe des Äquators. Die bekanntesten Bewohner sind riesige Schildkröten. Nicht ganz ungefährlich, trotzdem sympathisch uralt, aber irgendwie aus der Zeit gefallen. Schön, dass es sie gibt.  Tausende Touristen strömen alljährlich auf die Insel um diese besondere Spezies zu bewundern.

Meine schwedische Bekannte Ylva nutzt das Wort „Galapagos“, um ein durchaus menschliches Phänomen zu beschreiben. Menschen, die in ihrer Meinung stehengeblieben und festgefahren sind. Die anscheinend seit Jahrmillionen wissen, was richtig und was falsch ist. Für Galapagonier gibt es drei unverrückbare Prinzipien, die allem evolutionären Gedankengut den Garaus machen wollen: Erstens: Das war ja noch nie so! – Zweitens: Wo kommen wir denn da hin! – Drittens: Wenn das jeder so machen würde!
Das klingt prinzipienfest und glaubenstreu, ist aber oft nichts anderes als Resignation vor Neuem. Nein, bloß nichts Neues versuchen, es könnte ja schiefgehen. Galapagos macht es sich leicht und alles bleibe schön beim Alten!

Dabei sind die Argumente nicht sonderlich beeindruckend. „Das war ja noch nie so!“, sagt nichts darüber aus, ob etwas geht, funktioniert, vielleicht pfiffiger ist und die Welt zum Besseren oder Schlechteren verändert.
„Wo kommen wir denn da hin!“, sagt eher etwas über die Bewegungsunlust schildkrötischen Denkens als über das Verstehen der neuen Idee aus. Über den eigenen Horizont hinaus zu blicken, ist da wohl schlicht eine Überforderung.
Und „Wenn das jeder so machen würde“, ist ausgemachter Blödsinn, oder kennen sie etwas Neues, das jeder so machen würde.
Galapagos findet in Gesellschaft und in Kirche, in Schule und in der Familie, auf Arbeit wie auf dem Arbeitsamt statt. Galapagonier finden sich in allen Bereichen des Lebens. Aber bei allem Verständnis und bei aller Sympathie vieles Bewährtes festhalten zu wollen, es reicht nicht, nur auf das Altbekannte zu setzen.
Das Gegenprogramm zu Galapagos findet sich immer wieder. Nicht zuletzt bei Jesus, der frech behauptete: „Seht, ich mache alles neu.“ Sowas bringt Galapagonier natürlich auf die Palme und Jesus zum Schluss ans Kreuz. Nur das die Geschichte am Kreuz nicht zu Ende ist.
Viele, die Neues versuchen, haben es schwer. Vielleicht hilft es, ab und zu an die alten langsamen Schildkröten auf Galapagos zu denken. Und sich nicht entmutigen zu lassen.

Guido Erbrich, Biederitz