07.07.2016

50. Weihejubiläum der Franziskanerkirche in Görlitz-Weinhübel

Franziskanisch geht es weiter

Görlitz. Die Klosterkirche der Franziskaner ist in diesem Jahr 50 Jahre alt – gefeiert wurde vor dem Termin, am Patronatsfest.

Am Patronatsfest der Kirche „St. Johannes und Franziskus“ wurde die 50. Kirchweihe gefeiert. Foto: Raphael Schmidt

„Wir feiern heute das 50-jährige Weihejubiläum unserer Klosterkirche St. Johannes und Franziskus. Danken wir Gott, dass wir eine schöne Kirche haben. Sie ist ein Raum der Stille, ein Raum des Gebetes, ein Raum der Meditation“, sagte Franziskanerpater Rudolf Croner zu Beginn des Patronatsfestes der Klosterkirche in Görlitz-Weinhübel am 26. Juni. Pater Rudolf begrüßte neben dem Kirchenchor aus Jauernick den Provinzial der Franziskaner der Breslauer Provinz Alan Tomasz Brzyski und zwei frühere Vikare/Pfarradministratoren der damaligen Pfarrkuratie „St. Johannes und Franziskus“, Franziskanerpater Wolfgang Schönberg, der heute in Halle lebt und Generalvikar Alfred Hoffmann, der auch die Festpredigt hielt.

Gott hat gesegnet, wir dürfen seinem Ruf folgen
Beim Zurückschauen blicken wir „auf das Erbe, das uns anvertraut ist, schauen auf den Weg, den andere vor uns und den wir selbst gegangen sind, vergewissern wir uns der Wahrheit: Gott hat uns berufen, Gott hat gesegnet, wir dürfen seinem Ruf folgen.“ Diesem Ruf folgten an diesem Tag knapp 150 Gläubige, darunter Gerhard Thiel und seine Frau, auch wenn sie zu St. Hedwig gehören. „Vor 50 Jahren habe ich hier mit gewerkelt. Eines Abend klingelte es an meiner Wohnungstür, zwei junge Männer, die ich bis dahin nicht kannte, standen davor. Sie suchten Leute, die beim Kirchbau mitarbeiten“, erinnerte sich Thiel. Einer von ihnen war Georg Hubrich, der in Birkenwerder lebt und zur Feier nicht kommen konnte. Er leitete damals den Kirchbau. „Als erstes bauten wir das kleine Haus, das heutige Jugendhaus. Es diente während des Kirchbaus als Baustelleneinrichtung. Dann wurde die neue Kirche um die ursprüngliche Baracke herum gebaut. Hier bin ich das erste Mal mit Franziskanern in Konkakt gekommen, damals mit Pater Wendelin. Für uns ist es immer schön, hier den Gottesdienst mitzufeiern“, sagte Gerhard Thiel.
Tobias Ehme gehört zur erweiterten Jugend. Vor kurzem hat er seine Lisa geheiratet; die Beiden erwarten ein Kind. „Die Franziskaner und ihre Lebensweise verbinden mich mit dieser Kirche, Ich bin hier aufgewachsen, wir sind hier als Ministranten aktiv gewesen, haben unsere Pfarrjugend verbracht, hatten unseren Bungalow, den die Franziskaner zwei Jahre mal bewohnt haben“, sagte  Ehme. Er und seine Generation konnten auf dem aufbauen, was Gerhard Thiel und andere grundgelegt hatten. Der „Bungalow“ war die Baustelleneinrichtung von damals. Den haben Tobias Ehme und seine Mitstreiter „renoviert, saniert, nach dem Hochwasser haben wir ihn wieder aufgebaut. Als Jugend hat uns dies gestärkt. Als junge Erwachsene nutzen wir die Räume, können dort miteinander ins Gespräch kommen oder auch mal grillen. Ich habe erlebt wie die Franziskaner, wie Pater Rudolf, auf die Menschen zugehen.“, sagte der junge Ehemann. Geheiratet haben er und seine Frau Lisa zwar in der Hedwigskirche im Stadtteil Rauschwalde, es ziehe sie jedoch immer wieder in die Franziskanerkirche. Jonas, der neunjährige Bruder von Lisa Ehme, sagte: „Ich finde es gut, dass es eine Klosterkirche ist, dass hier Patres leben; das findet man nicht so oft.“
Johannes Gramsch gehört, wie Gerhard Thiel zu denen, die diese Kirche errichtet haben. „Wir sind am ersten April 1964 nach Weinhübel gezogen und haben uns bei Pater Maternus, dem Kuratus, angemeldet. Die Franziskaner sind immer da. Wir haben immer einen Ansprechpartner am Ort, wir kommen ins Gespräch“, sagte er. Seine Kinder sind „alle hier getauft. Wahrscheinlich ist unser Matthias der erste Täufling in der Kirche. Seine Taufe war am 14. September 1966.“ Petra Kruhl wurde auch hier getauft. Seit fast 50 Jahren lebt sie in und mit dieser Gemeinde, ging hier zur Erstkommunion, hat sich hier mit ihrem Mann das Ja-Wort gegeben. „Das Besondere hier ist das Kleine in der Gemeinde. Früher hatten wir eine sehr aktive Jugend. Wir waren über 30 Jugendliche; das verbindet.“ Ihre Tochter Sandra Kruhl las die Fürbitten. „Ich gehe jeden Sonntag hierher. Die Franziskaner sind so herzlich und immer für einen Spaß zu haben. Und das Familiäre“, sagte sie.

Immer ist hier jemand da zum Reden
Dr. Evamaria Nowy ist nicht ganz unbeteiligt daran, dass die Franziskaner wieder hier sind. „Die Mitglieder der Franziskanischen Gemeinschaft haben die Fäden gezogen, die hier recht aktiv wirkten, als sie erfahren haben, dass die Franziskaner weggehen“, sagte sie. „Bischof Huhn hatte die Franziskanerkirche als schönste Diasporakirche des Bistums erkoren.“ Als ihm mitgeteilt wurde, dass die Breslauer Provinz der Franziskaner interessiert sei, fuhr er gemeinsam mit seinem Generalvikar Peter C. Birkner erst nach Breslau, danach nach Berlin. Ein Jahr später konnten die Franziskaner in Weinhübel einziehen. „Franziskaner gehören hierhin – das ist nur ein Ort für eine Gemeinschaft“, meinte Frau Nowy. Das sieht Provinzial Pater Alan ähnlich: „Für mich ist es sehr wichtig, dass hier in Görlitz Franziskaner sind. Heut am St. Annaberg, ist eine große Männerwallfahrt, mit allen Bischöfen der Diözesen Gleiwitz und Oppeln. Ich wäre gern dort gewesen – und für uns Breslauer Franziskaner hat der Annaberg eine besondere Bedeutung. Für mich ist wichtig, zu erleben, wie hier in dieser Gemeinde alle wie eine Familie sind, die Pfarrgemeinde und die Mitbrüder zusammen. Ich bin sehr froh, hier dabei sein zu können und Gott mit zu danken, für diese Zeit, in der die Franziskaner hier sind“, sagte der Provinzial. Er freue sich, „ dass mit uns Pater Wolfgang von der deutschen Provinz hier feiert“.
Pater Wolfgang Schönberg, Franziskaner der deutschen Provinz,  wurde 1981 zum Priester geweiht. An den 1. August dieses Jahres erinnert er sich gut: „Da wurde ich versetzt, an die Klosterkirche in Weinhübel. Zwei Jahre war ich hier als Vikar. Es war eine schöne Zeit für mich. Ich freue mich darüber, dass Franziskaner wieder hier sind und dass es hier fanziskanisch weitergeht.“

Von Raphael Schmidt