08.03.2018

Anstoss 10/2018

Am Sonntag Laetare ist Fasten-Halbzeit

Ich kann verstehen, dass die Lieder in der Fastenzeit einladen, über Schuld, Umkehr und Buße nachzudenken. Trotzdem stehe ich mit einigen Gotteslobliedern, die wir da singen, auf Kriegsfuß.


Ich glaube, für das Gute gewinnt man den Menschen vor allem dadurch, dass man ihm Geschmack am Guten macht. Deshalb schmecken mir die Gottesloblieder aus der Rubrik „Danklieder“ deutlich besser.
An diesem Sonntag ist Laetare-Sonntag. Die Hälfte der Fastenzeit ist vorüber. Grund genug, um Gott zu danken. Dazu lädt das Lied „Nun danket alle Gott“ (GL 405) ausdrücklich ein. Obendrein zeigt es noch einen wunderbaren Weg, auf dem Gott zu finden ist. Und darum geht es doch in der Fastenzeit.
Der Weg, den ich meine, ist die Dankbarkeit. Selbstverständlich haben wir ein Dach über dem Kopf. Selbstverständlich haben wir eine Arbeit oder die Gemeinschaft, die für uns sorgt. Selbstverständlich ist unser Kühlschrank voll und selbstverständlich kümmert sich jemand um uns, wenn wir krank sind. Die Liste der Selbstverständlichkeiten in unserem Leben ist lang.
Es fällt schwer, für etwas „Danke“ zu sagen, was selbstverständlich geworden ist. Das merkt man daran, mit welcher Selbstverständlichkeit wir davon ausgehen, dass uns eine Wohnung, eine Arbeit, ein voller Kühlschrank und eine Krankenversorgung zustehen.
In seinem ersten Brief an die Korinther stellt Paulus die Frage: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?“ (1. Korintherbrief 4,7) Ich glaube, das gilt für all die Dinge, von denen wir meinen, sie stünden uns zu oder müssten so sein.
Das Lied lädt uns ein, „mit Herzen, Mund und Händen“ zu danken. Wer das tut, ist schon auf dem Weg zu Gott. Denn, so hat es Dietrich Bonhoeffer einmal gesagt: „Dankbarkeit sucht über die Gabe den Geber.“ Wer dabei auf Jesus Christus stößt, lernt einen Gott kennen, der am Kreuz selber zur Gabe wird. Und wer sich davon anstecken lässt, hat etwas vom Leben verstanden.

Marko Dutzschke, Jugendpfarrer, Cottbus