05.03.2013

Anstoss 10/2013

Fasten-halb-zeit

Ein Gespräch in der letzten Woche warf die Frage nach unseren Vorsätzen in der Fastenzeit auf. Wie es damit so gehe, wo doch am kommenden Sonntag schon die Halbzeit erreicht sei?

Die Reaktionen waren verhalten. Einer sagte: Wenn sie nicht im Gottesdienst deutlich würde, wäre ihm die Fastenzeit schon aus dem Blick geraten, soviel stürzt täglich auf ihn ein, dass ... ja dass er die ganze Woche gar nicht an seinen Vorsatz gedacht habe. Er wollte sich morgens vor der Hektik des Tages ein paar stille Minuten mit Gott nehmen und die kleinen Wege zu Fuß, statt mit dem Auto machen. Aber das war wohl nichts, so das ernüchterte Fazit. Andere stimmten ein, dass es ihnen ähnlich gehe.
Es begann ein Austausch, was es überhaupt für Vorsätze in der Runde gibt. Von nicht Lästern, kein Fleisch oder kein Fernsehen, dem einfachen vor dem Essen beten über mal wieder richtig lachen oder weinen, wenn mir danach zumute ist, täglich einen Psalm lesen oder ein Lied singen, gelesene Bücher verschenken, jede Woche einen Brief schreiben bis zum Spieleabend mit der Familie statt Fernsehen und nicht arbeiten am Sonntag, tat sich eine bunte und lebendige Vielfalt auf. Es wuchs ein leises Staunen darüber, was der eine oder die andere versuchen wollte.
Auch Fragen oder Feststellungen wie, ist das denn auch Fasten und das würde ich mir nicht zutrauen, wurden laut. Ja, was ist denn Fasten für uns? Verzichten, teilen, beten – so „übersetzen“ wir es unseren Kindern, kam die Antwort einer Mutter. Da würde manches, was vorher aufgezählt wurde, wohl doch nicht so passen? Dann stellte ich die Frage anders: Was wollt ihr denn mit euren Vorsätzen erreichen?
Mein Leben ändern; fröhlicher werden; mich nicht von allen Kleinigkeiten herunterziehen lassen, von dummen Gewohnheiten loskommen, mehr auf Gott vertrauen und bewusster mit ihm durch den Tag gehen; wenn schon nicht wirklich neu, so doch wenigstens die eine oder andere Sache anders anfangen?!
Irgendwie fühlen diese Antworten sich richtiger an, lebendiger, sagte einer nachdenklich. Jetzt klinge für ihn deutlicher mit, dass es um sein Leben geht, das „besser“ oder einfach gut werden soll, nicht im Sinne von mehr oder alles haben, was man sich erträumen könnte, sondern erfüllter und mit Tiefgang, statt nur oberflächlich und getrieben. Wenn wir an Ostern Auferstehung feiern wollen, dann muss es solche Erfahrung auch in unserem Leben geben!
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen