15.12.2014

Ewige Ruhe oder das Reich Gottes?

Warum beten wir für Verstorbene „Gib ihnen die ewige Ruhe“ und „Lass sie ruhen in Frieden“? Was hat es mit der ewigen Ruhe auf sich? Warum bitten wir nicht um die Aufnahme der Verstorbenen in das Reich Gottes? M. L., Bad Köstritz

 

In der katholischen Begräbnisliturgie heißt es: „Herr, gib N. und allen Verstorbenen die ewige Ruhe.“ „Und das ewige Licht leuchte ihnen.“ „Herr, lass sie ruhen in Frieden.“ Das „Ruhe in Frieden“ und die Aufnahme in das Reich Gottes sind inhaltlich parallele Metaphern für die Hoffnung der Christen, dass der irdische Tod nicht das absolute Ende, sondern Anfang des neuen Lebens ist. 

Die Wörter Ruhe oder auch Ruheplatz sind in der Bibel durchweg positiv besetzt. Sie bedeuten ein besonderes Gut oder, wie Noomi, Ruts Schwiegermutter, im Buch Rut sagt, einen Ort, an dem es ihr wohlergehe. Ruhe meint nicht eine faule Untätigkeit sondern die wohlverdiente, durch Gott gewährte Befreiung von Sorgen, Last und Feinden. Deutlicher – gerade in Bezug auf die Begräbnisliturgie – wird das Buch Daniel: „Du aber, Daniel, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auferstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage!“ (Daniel 12,13). Zeit und Raum oder eine genaue Abfolge von Tod, Gericht und Auferstehung fallen im Tod in sich zusammen – so ist zumindest die heutige Vorstellung. Der Todestag wird zum persönlichen Gerichtstag.

Hat der Verstorbene sein Leben im Glauben gelebt, kann gesagt werden, dass er im Frieden Christi gestorben ist – immer verbunden mit der christlichen Hoffnung auf Auferstehung. 

Wenn während der Begräbnisfeier nun der Diakon oder Priester spricht, der Verstorbene möge in Frieden ruhen, ist damit eben ein ewiges Gut gemeint. Das hebräische Wort „shalom“ für Frieden übrigens bedeutet noch mehr: Es meint, vollkommen, heil und unversehrt zu sein beziehungsweise zu leben. 

Bei einem Begräbnis muss man nicht mehr um die Aufnahme in das Reich Gottes bitten. Es hat bereits hier auf Erden begonnen – schon zu Lebzeiten hat der Verstorbene darin gelebt. Das Reich Gottes meint eine neue Art des Zusammenlebens und der Gemeinschaft der Menschen, an der der Verstorbene bereits mitwirken konnte.

Kerstin Ostendorf