17.03.2016

Pastoraler Prozess im Erzbistum Berlin

Erzbischof besucht die bald größte Pfarrei in Deutschland

Rügen/Stralsund/Demmin. Zwei Tage war Bischof Heiner Koch zwischen Rügen, Stralsund, Fischland/ Darß und Demmin im Norden unterwegs, um die Gemeinden vor Ort kennenzulernen und mit den katholischen Akteuren in Vorpommern ins Gespräch zu kommen.

Gemeinsame Messe in Bergen auf Rügen mit Diakon Jürgen Seidel, Bischof Heiner Koch, Diakon Martin Walter, Pfarrvikar von Rügen Matthias Hartung und Pfarrer von Demmin Peter Szczerbaniewicz (von links). Foto: Anja Goritzka


Mit seinem Besuch setzte Erzbischof Heiner Koch den Startpunkt für die Entwicklungsphase des zweiten Pastoralen Raums im Erzbistum Berlin. Dieser wird in den nächsten drei Jahren zwischen Rügen ganz im Norden, der Hansestadt Stralsund und den Städten Grimmen, Demmin und Altentreptow im westlichen Teil von Vorpommern auf rund 150 Kilometer Länge entstehen.
In seinen Predigten in Bergen auf Rügen, Stralsund und Demmin ermutigte er die Gläubigen, dass sie ruhig Gott ihr Herz schenken sollten und so gemeinsam Brücken in unsere Gesellschaft sein könnten: „Das ist nicht leicht, gegen den Strom zu schwimmen. Aber springen sie gemeinsam, immer wieder. Das ist Gemeinde!“  

Eine Kerze als Zeichen des Aufbruchs
Zum Zeichen des Aufbruchs erhielten Stellvertreter der katholischen Akteure vor Ort Kerzen mit dem Datum des Anfangs der Entwicklungsphase überreicht. So auch Katharina Plitzner in Bergen auf Rügen. Sie hofft, dass diesen Auftakt viele vor Ort mitbekommen. „Gemeinde sind nicht nur die, die sonntags beziehungsweise regelmäßig da sind“, räumt sie nach der morgendlichen Messe ein und weiter: „Wir gestalten den Raum! Diese Aussage fand ich sehr gut!“ Während sie sich auf Rügen ehrenamtlich für ihre Kirche engagiert, schwingt bei anderen Katholiken Wehmut mit. „Wir kommen aus Gingst, da wird es nach Ostern keine heilige Messe mehr geben“, erzählt die 74-jährige Helga Kinzel und die 80-jährige Elisabeth Sachel meint: „Wir haben keine Autos und woanders hinfahren ist damit schwierig. Wir müssen gemeinsam mit unserem Pfarrvikar hier vor Ort eine Lösung finden.“
Anschließend standen in Binz die Sanierung des Pfarrhauses und vor allem die Urlauberpastoral im Vordergrund. Ideen zur Nutzung des Gebäudes als katholisches Haus erleuterte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Norbert Diener: „Das Haus wird aber nur noch von der Farbe zusammengehalten.“ Und Pfarrer Andreas Sommer, der von Stralsund aus Rügen verwaltet, räumt ein: „Wir leben von und mit den Urlaubern. Das ist der Gemeinde bewusst. Deshalb sind wir dankbar, dass die Tourismuspastoral nun besetzt ist. Aber wir brauchen auch ein Haus vor Ort.“ Ein möglicher Abriss und Neubau ist durch die Kirchengemeinde jedoch gar nicht machbar, koste dieses Vorhaben doch rund 1,2 Millionen Euro. Eine Sanierung übrigens, die sogar vom Land Mecklenburg-Vorpommern hätte mit finanziert werden können, wurde vom Bistum mit der Begründung, dass das Gebäude für pastorale Zwecke nicht mehr benötigt werde, vor einigen Jahren abgelehnt. Wie es auf Rügen weitergeht, bleibt abzuwarten.
Am Abend wurde in der gemeinsamen Vesper in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Stralsund das Dekret zur Gründung des Pastoralen Raumes Rügen-Stralsund-Demmin überreicht. Die Leitung des Entwicklungsprozesses wird Pfarrer Andreas Sommer aus Stralsund übernehmen. „Ich wünsche ihnen allen Mut, Wachheit und Kreativität! Mir ist jetzt noch nicht ganz klar, wie dieser Weg geht, denn jeder Pastorale Raum geht seinen eigenen und ist anders. Gehen sie aber mutig und miteinander“, meinte Erzbischof Heiner Koch.

Erzbischof fragt: „Worin sind Sie stark?“
Arbeitsgespräche mit Vertretern aller Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände folgten. Am nächsten Tag besuchte er auch Barth, die Halbinsel Fischland/Darß, Grimmen und Altentreptow ganz im Süden des neuen Pastoralen Raums. Eine gemeinsame heilige Messe in der Demminer Kirche Maria Rosenkranzkönigin bildete den Abschluss des zweitägigen Besuches. Immer wieder stellte Erzbischof Heiner Koch die Frage: „Worin sind sie stark?“ Er erhielt vielfältige engagierte Antworten von der guten Zusammenarbeit aller katholischen Akteure in Stralsund – hier gibt es seit 1992 einen runden Tisch, an dem alle Katholiken vor Ort zusammenkommen – über die gelebte Ökumene in Demmin bis hin zum Ehrenamt in Eigenregie auf Rügen und die dekanatsweite Kinder- und Jugendarbeit für ganz Vorpommern.   

Von Anja Goritzka