25.02.2013

Anstoss 8/2013

Erstens kommt es anders ...

... und zweitens als man denkt. Dieses Sprichwort passt gut zu einer Stelle aus dem Markusevangelium, die ich vor ein paar Tagen in der Heiligen Messe gehört habe.

Es ist eigentlich nur die Einleitung zur Erzählung von der wunderbaren Brotvermehrung, der Speisung der Fünftausend. (Mk 6,30-34) Und doch verdient dieser kurze Text unsere ganze Aufmerksamkeit. Ein paar Verse vorher hatte Jesus seinen Jüngern die Vollmacht gegeben, Dämonen auszutreiben, und sie damit zu den Menschen geschickt. Sie sollten in seinem Namen zur Umkehr aufrufen. Jetzt sind sie wieder da und berichten von dem, was sie unterwegs erlebt haben.
Mit ganzer Kraft haben die Jünger getan, was der Meister ihnen aufgetragen hat. Jesus weiß, seine Schüler sind müde und brauchen Erholung. Darum will er mit ihnen an einen einsamen Ort fahren, damit sie ein wenig ausruhen können. Er hat alles geplant. Aber die Leute geben keine Ruhe, sie verfolgen den Meister und durchkreuzen seine Pläne. Ich fühle mich dabei an eigene Pläne erinnert, die auf die gleiche Weise zerschlagen werden. Heute Abend wollte ich mir Zeit nehmen, um dieses Buch zu lesen oder ins Kino zu gehen. Ich wollte einen Brief schreiben, Freunde besuchen oder einfach schwimmen gehen. Da wirft auf einmal ein Klingeln an der Tür meine Pläne über den Haufen.
Mich beeindruckt die stoische Gelassenheit, mit der Jesus hinnimmt, dass ihm die Leute keine Ruhe lassen. Seine Pläne sind durchkreuzt, aber er nimmt dieses Kreuz an, ohne sich darüber zu beklagen. Im Gegenteil, Jesus hat Mitleid mit ihnen und nimmt sich extra viel Zeit für die Menschen. Er fertigt niemanden ab, um schneller wieder zu dem zu kommen, was er sich eigentlich vorgenommen hat. Und ich denke beschämt daran, wie ich manchmal murre, wenn meine Pläne von anderen Menschen durcheinander gebracht werden. Wie ich mich weigere, dieses Kreuz auf mich zu nehmen.
Ich glaube, damit trifft diese unscheinbare Stelle den Nerv der Fastenzeit. Wir machen Pläne und meinen, wir hätten das Leben in der Hand, wir wären die Macher unseres Lebens. Mit ihrer Einladung zu Umkehr und Verzicht ist die Fastenzeit eine Zeit der durchkreuzten Pläne. Vielleicht sogar eine Einladung, bewusst darauf zu achten, wo das Leben meine Pläne durchkreuzt und dieses Kreuz anzunehmen als den Willen Gottes. Was stünde uns Christen besser zu Gesicht, als unser Leben annehmen zu können, wie es uns aus Gottes Hand zukommt. Jesus Christus hat in der Wüste der Versuchung widerstanden, sich zum Herrn über das Leben zu machen. (Lk 4,1-13) Das lässt ihn an diesem Tag und immer wieder annehmen, was Gott ihm „zumutet“. Ein schönes Wort, denn Gott macht uns in seinem Sohn Mut, das Leben anzunehmen, besonders, wenn es anders kommt, als wir gedacht und geplant haben.
Kaplan Marko Dutzschke, Cottbus

Kommentare

Was Gott uns zumutet; Was Gott uns zutraut. Die Brotvermehrung hatte eine weitere Frohe Botschaft. Das, was Du hast, das reicht. Gott gibt das Seine dazu. Gott mutet uns zu, dass wir unser Geringes wertschätzen; das Zutrauen in uns selbst ist nicht weniger als das Urvertrauen in einen Gott, der Unvollkommenes auffüllt. Wir können ihm unsereHalbheiten getrost zumuten. So ist er der Mensch, wie Gott ihn schuf ... Das will erstmal geglaubt sein ... Herzlich