08.12.2014

Erfüllt eine Wort-Gottes-Feier das Kirchengebot?

Ein „Kirchengebot“ verpflichtet zur Teilnahme an der Eucharistiefeier an Sonn- und Feiertagen. Wegen des Priestermangels wird das schwieriger; die Zahl der Wort-Gottes-Feiern nimmt zu. In manchen werden konsekrierte Hostien verteilt. Wäre es möglich, das Kirchengebot auf den Empfang der Eucharistie zu beschränken und Gewissensqualen zu verhindern. A. L., Wolfsburg

Die Kirchengebote wollen die Gottes- und Nächstenliebe „fördern“, wie es im Gotteslob heißt. Sie sind nicht dafür da, jemandem ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn er sie nicht einhalten kann. Vielmehr wollen sie einem Katholiken zu einem erfüllten Glaubensleben verhelfen und ihm dazu ein Mindestmaß an die Hand geben.

Sie sind freilich weder „in Stein gemeißelt“, sondern wären theoretisch veränderbar, wie die Geschichte zeigt, noch sind sie beliebig. Grundsätzlich gilt: Wenn das Gebot nicht seinem Ziel dient, bleibt die äußere „Erledigung“ leer. Ein von der Eucharistiefeier losgelöster Empfang der Kommunion kann das erste Kirchengebot nicht ausfüllen, denn da geht es ja um die Mitfeier.

Der Empfang der Kommunion ist eine „Frucht“ der Messfeier und mit ihr verbunden, aber nicht ihr Ersatz. Die Kirchengebote unterscheiden zwischen der sonntäglichen Mitfeier der Messe (1. Kirchengebot) und dem Empfang der Kommunion wenigstens in der österlichen Zeit und in Todesgefahr (3. Kirchengebot). Wenn sonntags keine Eucharistiefeier vor Ort stattfinden kann, ist das Angebot einer Wort-Gottes-Feier kein inhaltlicher Ersatz. Weil es sonst gar keine gemeinschaftliche Feier am Ort gäbe, ist sie die „bessere“ Alternative.

Allerdings bleibt die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“. Deshalb soll nach Möglichkeit versucht werden, eine erreichbare Eucharistiefeier zu besuchen. Umgekehrt darf man die Wort-Gottes-Feiern nicht geringschätzen. Auch für sie gilt die Zusage Christi: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)

Von Michael Kinnen