27.11.2013

Halle: Podiumsgespräch im Elisabeth-Gymnasium über die Bedeutung der Heiligen heute

Elisabeth macht Schule

 „Die heilige Elisabeth macht Schule“ stand am 20. November über einem Abend der Reihe Gespräche im Foyer im Elisabeth-Gymnasium in Halle. Diskutiert wurde die Frage, was die mittelalterliche Heilige der heutigen Gesellschaft zu sagen hat. Zwei Tage später engagierten sich die Schüler des Gymnasium beim Elisabeth-Tag 2013 nach dem Vorbild ihrer Schulpatronin an verschiedenen Einsatzorten in Halle ganz praktisch.

Bei ihrem Elisabeth-Tag 2013 am 22. November engagierten sich die Schüler des St.-Elisabeth-Gymnasiums an verschiedenen Orten in Halle. Im Gymnasium selbst übernahmen sie Reinigungsarbeiten und beseitigten zum Beispiel Laub an der St.-Franziskus-Grundschule.  Foto: Gustav Niggl

Halle. Für den Magdeburger  Bischof Gerhard Feige macht Elisabeth von Thüringen (ihr Fest wird am 19. November gefeiert) durch ihr Handeln die Würde jedes Menschen nachhaltig deutlich. „Ich sehe in ihrem Menschenbild einen Ansatz, sich auch heute für die Menschenwürde jedes einzelnen zu engagieren“, sagte Bischof Feige vor Schülern, Eltern, Lehrern und weiteren Interessierten beim Foyer-Gespräch  in Halle. Denn auch heute würden von bestimmten Kreisen große Gruppen von Menschen, etwa die Armen in Südamerika, als überflüssig angesehen, wie dies schon für viele Arme zur Zeit Elisabeths galt. Die Gymnasiasten sollten etwa in Praktika lernen, dass es auch hierzulande um die Würde jedes einzelnen geht. Zudem könne man von Elisabeth lernen, „mutig den eigenen Weg zu gehen, selbst wenn das nicht ,in‘ ist“. „Elisabeth macht deutlich: Es gilt hinzuschauen, statt wegzusehen, und zu handeln, statt nur zu reden.“

Für die Hallenser Theologie-Professorin Regina Radlbeck-Ossmann verkörpert Elisabeth „das Bild einer starken Frau“. In einer Zeit, in der es immer noch in Gesellschaft und Medien „verkrüppelte Frauenbilder“ gibt, könne sie, die „ganz als Frau im Leben unterwegs war“, Mädchen und Frauen, aber auch Männern ein Vorbild sein. Zudem fordere Elisabeths Haltung zur „Achtung vor dem begründeten Widerspruch“ auf. Zwar seien Menschen, die mit Entwicklungen oder Entscheidungen unzufrieden sind, nicht selten anstrengend. Oft aber würden sie weiter denken und Ziele verfolgen, die anderen noch gar nicht in den Sinn gekommen sind. Darüber hinaus könne Elisabeth, die aus gutem Haus stammte, Gymnasiasten dazu ermutigen, sich aus Dankbarkeit über die eigenen guten Voraussetzungen für die einzusetzen, „die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren wurden“, so die Professorin.

Für den evangelischen Regionalbischof von Halle-Wittenberg, Johann Schneider, ist Elisabeth  eine „klassische politische Heilige“. An ihr werde gut deutlich, dass die Reformation nicht erst mit Martin Luther begonnen hat. Ihr Engagement sei für säkulare Menschen „gut übersetzbar.“ Schneider schlug den Schülern des Gymnasiums vor, Orte wie die Neuenburg zu besuchen, wo Elisabeth gelebt hat.
Zu Beginn des Forums hatten die Teilnehmer im Gespräch mit Schulleiter Hans-Michael Mingenbach historische Zusammenhänge des Lebens der Heiligen beleuchtet. Professorin Radlbeck-Ossmann erinnerte daran, dass Elisabeth in einer Zeit lebte, in der einerseits Kaufleute durch das an Bedeutung gewinnende Geld sehr reich wurden und es andererseits  immer mehr Arme gab. Menschen wie Elisabeth oder Franziskus hätten erkannt, dass dies im Widerspruch zur christlichen Botschaft von der Würde jedes Menschen steht. Regionalbischof Schneider, der aus Siebenbürgen stammt, berichtete von der dortigen Verehrung Elisabeths. Im Gespräch wurden auch die ökumenischen Chancen im Umgang mit der Heiligen deutlich.

Zwei Tage nach dem Foyergespräch war im Gymnasium der Elisabeth-Tag 2013. Dem Vorbild ihrer Schulpatronin folgend engagierten sich die Schüler an diesem Tag an verschiedenen Einsatzorten in Halle ganz praktisch. Eckhard Pohl

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