06.04.2017

Anstoss 14/2017

Ein Wechselbad der Gefühle

Fußball, ein Spiel, mit großen Emotionen, mit Applaus und Jubelrufen, aber auch mit Buhrufen, wenn das Ergebnis nicht so ausfällt, wie man es wünscht.


In manchen Spielen geht man durch ein Wechselbad der Gefühle, ein Auf und Ab, ein Hoch und ein Tief, ein Sieg und dann eine Niederlage, alles wie im richtigen Leben, das Hoch und das Tief, das Versprechen und das Versagen.
Wir kennen das, da gibt es Lob und Anerkennung und dann kippt die Stimmung, Ablehnung, Misstrauen, Buhrufe.  
Auch hier ist Jesus  einer von uns. Auch er erfährt Zustimmung, aber zugleich Ablehnung. Menschen, die hinter ihm herlaufen, die ihn sehen, hören, berühren wollen, gar Wunder erwarten, und kurze Zeit später sind es dieselben, die ihn ablehnen und töten wollen oder verleugnen, wie Petrus.
An diesem Palmsonntag, dem Beginn der Heiligen Woche, wieder eine Woche mit Emotionen und Gefühlen, dem Jubelruf des Palmsonntags beim Einzug „Hosianna!“ folgt die Leidensgeschichte und der Tod Jesu.
Die vor uns liegenden Tage, gehen mir zu Herzen, wo auch ich in diesem Drama hin- und hergerissen bin, gerade der Gründonnerstag macht dieses so deutlich, zunächst das Mahl gefeiert, mit festlichem Gloria beginnend, und dann verstummt die Orgel, später die Ölbergwache, alle Harmonie dahin.
Irgendwie dazwischen üben und bereiten wir im Kloster die Osternacht vor, das Halleluja und das Exsultet, wieder eine ganz andere Stimmung, und die Vorbereitung der Osterpredigt inmitten der Karwoche, irgendwie unpassend und doch notwendig.
Trotzdem geht kein Weg daran vorbei, wir müssen da durch, manche dunkle Nacht ist vor der Osternacht. Es ist wie im richtigen Leben, wir wissen, da ist der Ruf des Palmsonntags „Hosianna!“ und da ist der Ruf des Karfreitags:„Kreuzige ihn“, aber auch endlich, der Ruf des Ostermorgens, das „Halleluja!“ Und alle, die da rufen und es hören, sind oft die Gleichen. Auch ich gehöre dazu.

Pater Josef kleine Bornhorst OP, Dominikanerkloster St. Albert Leipzig