15.06.2012

40 Jahre St.Marienkirche in Meiningen

Ein Bau der Wunder

In der DDR war es nicht so einfach, eine Kirche zu bauen. Von 1967 bis 1972 dauerte es in Meiningen. Jetzt wurde das 40. Kirchweihfest der St.Marienkirche gefeiert.

Meiningen (tdh/kim/lei). „Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen.“ Mit diesem Psalmvers begann Prälat Heribert Brander aus Würzburg seine Predigt im Festhochamt, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 40. Weihetag der katholischen Kirche St. Marien in Meiningen. Vier Tage lang feierte die Pfarrgemeinde mit vielen Gästen.Die katholische Kirche in Meiningen steht an der Stelle eines älteren, bescheidenen Diaspora-Kirchleins, das die kath. Gemeinde im Jahre 1881 aus einem Tanzlokal errichtet hatte. Durch die entscheidende Mithilfe der Mutterdiözese Würzburg – zu der das Meininger Land seit dem Jahre 1007 gehörte – aber auch durch Spenden der Gemeinde selbst, konnten in den Jahren von 1967 bis 1972 das Schwesternhaus und die Kirche von Grund auf erneuert werden. Architekt der Kirche ist Armin Trautmann, Meiningen. Am 13. Mai 1972 weihte Bischof Hugo Aufderbeck aus Erfurt die Kirche auf den Titel: „Unsere Liebe Frau“. Mit diesem Patrozinium wurde eine alte Meininger Tradition weitergeführt.

Der Kirchenbau ist seiner äußeren Erscheinung nach das Ergebnis einer gut funktionierenden Teamarbeit. Architekt, Künstler, Pfarrer und Gemeinde konnten ihre Anliegen und Vorstellungen einbringen. Die erzwungen lange Bauzeit gab die Möglichkeit zur Erprobung vieler Vorschläge am Modell. Die Planung ist nicht am Reißbrett entstanden, sondern gewachsen. Niemand konnte am Anfang wissen, was am Ende sein würde. Auf der Homepage der Kirchen in Meiningen heißt es: „Die Hilfe und Führung Gottes war an vielen kritischen Punkten zum Greifen deutlich. Dieser Bau ist ein Bau der großen und kleinen Wunder.“
Mit 300 Sitzplätzen genügt der Kirchenraum den derzeitigen Anforderungen des Gemeindelebens. Die großzügige Aufteilung und die Zentrierung des Raumes auf den Altar hin wirkt wohltuend und ist bei gefüllter Kirche hilfreich für die feiernde Gemeinde.
Zu den Höhepunkten des Jubiläums gehörte neben einem Festvortrag von Prof. Maria Widl von der Theologischen Fakultät in Erfurt und dem eigentlichem Festsonntag unter anderem eine Begegnung mit Christoph Grüger aus Schönebeck. Er hatte vor vierzig Jahren die Glasbetonfenster der Kirche entworfen. Ein beeindruckendes Werk, je nach Licht- und Sonneneinfall entstehen immer wieder neue faszinierende Farbspiele, die den Betrachter in den Bann ziehen. Christoph Grüger, inzwischen 85-jährig, berichtete von der Entstehung der Fenster, erklärte anschaulich die Bedeutung der einzelnen Elemente und ihren theologischen Bezug. An diesem Abend wurde zudem besonders deutlich, unter welchen Schwierigkeiten die  Kirche damals gebaut worden war. Von Seiten des Staates gab es keinerlei Unterstützung, dafür Schikanen, Baustopp und andere Hindernisse. Zum Kirchenbau gründete das damalige Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen eigens eine Baubrigade, dazu kamen unzählige Arbeitsstunden und Initiativen vieler Gemeindemitglieder. Voller Dankbarkeit gedachte die Gemeinde derer, die am Bau beteiligt waren und die in inzwischen verstorben sind, so beispielsweise der damalige Prälat Josef Schönauer, Gemeindepfarrer Viktor Hofmann, der Architekt Armin Trautmann, der Bauleiter Walter Scholze und viele der damaligen Helfer.
Neben Prälat Heribert Brander, Hauptzelebrant, kam Prälat Dieter Hömer aus Würzburg zum Jubiläum der Marienkirche. Hömer war Leiter des Bischöflichen Kommissariats in Meiningen. Als Vertreter des Bistums Erfurt begrüßte die Gemeinde Diözesancaritasdirektor Domkapitular Bruno Heller. Er war als Kaplan fünf Jahre in Meiningen. Mit am Altar waren auch Pfarrer im Ruhestand Joachim Kügler und Gemeindepfarrer Wolfgang Hunold.