21.11.2013

Anstoß 47/2013

„Ehre sei Gott in der Höhle“

Das erste Mal – und das ist jetzt schon einige Jahre her – habe ich schallend gelacht. Als mein kleiner Sohn voll Inbrunst mit ausgebreiteten Armen schmetterte: „Ehre sei Gott in der Höhle“. Die Melodie war perfekt gesungen, der Text brachte mich zum Lachen, und dann zum Nachdenken. „Ehre sei Gott in der Höhle“.

Natürlich versuchte ich, meinem Sohn die richtige Aussprache beizubringen: „Hö-he. Mit H, nicht mit L!“ Aber es hat nichts gebracht. Bis heute singt er von Gott in der Höhle. Ich finde das nicht schlimm – im Gegenteil. Gott in der Höhle ist für mich genau so  richtig wie Gott in der Höhe. Auf den ersten Blick scheint das so gar nicht zu passen. Der große Gott, Weltenherrscher, König, unser Schöpfer und unser Herr. Jetzt, am letzten Sonntag im Jahreskreis feiern wir Christkönig. Es ist das Fest, das uns daran erinnert, wer der eigentliche Herr in unserem „Hause“, in unserem Leben ist.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieser Tag zu einem Zeichen des Widerstands, zu einem Bekenntnis gegen den Führerkult. Doch auch heute bekennen wir mit triumphalen Gesängen, dass Christus unser König, unser Herr in Ewigkeit ist. Und nach wie vor muss ich mich selbst anfragen, aber auch anfragen lassen, ob mein Leben das widerspiegelt.

Dieser große allmächtige ewige Gott hat sich aber auch gemein gemacht mit uns Menschen, ist selbst Mensch geworden. Er ist weit davon entfernt, ein Gott in der Höhe im Sinne von „oben herab“ zu sein. Die Evangelien sprechen davon, wo wir ihm begegnen können: „Wo zwei oder drei...“, „Wer ein Kind aufnimmt,...“, „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, ...“ usw.
Die besondere Liebe Jesu zu den Armen, Schwachen und Benachteiligten hat schon zu seiner Zeit Aufsehen erregt genau wie seine Hinwendung zum vermeintlichen „Abschaum“ der Gesellschaft in Person von Zöllner oder Ehebrecherin für Empörung sorgte.

„Ehre sei Gott in der Höhle“ drückt für mich ganz wunderbar aus, dass Gott eine andere Logik hat als wir. Dass bei ihm nicht zählt, was man hat oder kann. Dass er niemanden abschreibt, auch dann nicht, wenn dieser sich gegen ihn entscheidet, ihn sogar leugnet. „Ehre sei Gott in der Höhle“ heißt für mich nicht, dass er nur bei den Armen und Benachteiligten zu finden ist.  Genauso wenig, dass ich ihn nur in der Kirche, beim Gottesdienst oder unter Gottesfürchtigen antreffen kann. Vielmehr ist Gott oft dort zu finden, wo wir es nicht vermuten. Ehre sei Gott in der Höhle!
Andrea Wilke, Erfurt