01.03.2018

Ausstellung zum Sonnengesang des Echnaton in Weißenfels

Die Sonne – Heimatland

Die Galerie Brand Sanierung in Weißenfels hat Künstler dazu eingeladen, sich mit dem Sonnengesang des Echnaton zu befassen. Zentrale Aussagen dieses Textes finden sich in Psalm 104. Die Ergebnisse sind am zweiten und dritten Märzwochenende zu sehen.


„Die Schiffe fahren stromabwärts und stromaufwärts in gleicher Weise.“ Farblinolschnitt von Christina Simon aus dem jahr 2017 | Fotos: Brand Sanierung Weißenfels


„Die abendländische Welt ist gegenwärtig in Bewegung. Kulturen treffen aufeinander, ringen um Verständigung und ein künftiges Miteinander“, so Christina Simon, die Kuratorin der Ausstellung „Der Sonnengesang des Echnaton“. Für sie ein Grund zu schauen, welche Grundlagen es kulturell und religionsgeschichtlich gibt, die Europa mit den Ländern des alt-orientalischem Raums verbinden. Nachdem sie 2015 Künstler dazu eingeladen hatte, sich mit dem Hohenlied der Bibel zu beschäftigen, fiel 2017 ihre Wahl auf den Sonnengesang von Pharao Echnaton.

Die ganze Welt aus einem einzigen Prinzip erklären
Der deutsche Ägyptologe Erik Hornung würdigte die historische Person Echnaton so: „Der Pharao Echnaton war der erste historisch fassbare Denker, welcher die gesamte Natur- und Menschenwelt aus einem einzigen Prinzip zu erklären versuchte: Absoluter Bezugspunkt war für ihn – wie dann viel später für Einstein – das Licht, verkörpert durch die Sonne, der er seinen berühmten Sonnengesang gewidmet hat.“ Echnaton beendete die Vielgötterei der Ägypter und ordnete einen Ein-Gott-Glauben an: Aton, der Sonnengott alleine sei verehrungswürdig.
Im Sonnengesang heißt es: „Schön erscheinst du, im Lichtland des Himmels, du lebende Sonne, Ursprung des Lebens. … Du bist schön, gewaltig und funkelnd, du bist hoch über jedem Land.“ Christina Simon erinnert daran, das Aussagen des Sonnengesangs sich in Psalm 104 finden, der – so die neue Einheitsübersetzung – ein Loblied auf den Schöpfer ist.
Neben Christina Simon selbst haben sich die Künstler Gabi Weiss (Glasarbeiten), Helena Rytkönen (Bild und Schrift), Petra Töppe (Tonarbeiten), Angelika Flaig und Peter Schwieger (Installation / Video) und der Syrer Khaled Arfeh beteiligt.
Arfeh – aufgrund seiner Herkunft dem Schauplatz Ägypten am nächsten – stellt in einer seiner Kalksteinarbeiten Amenophis III. vor, den Vater Echnatons. Zudem greift er auf kleinen Basaltsteinen Motive der Amara-Kunst – Amara, eine antike Stadt in Ägypten – auf. Diese Objekte wirken auf den ersten Blick wie archäologische Fundstücke.
Christina Simon hingegen lässt sich gerne von Texten verführen, die sie in farbigen Linolschnitten ins Bild setzt. Dabei ist ihr die Einbeziehung der damals üblichen Symbolik und der Formensprache wichtig. So entstanden Bilder zu den Textstellen des Sonnengesangs: „Am Morgen bist du aufgegangen im Lichtland“ oder „Du schaffst Millionen Verkörperungen von dir“.
Gelb ist die Farbe, die der Künstlerin Gabi Weiss nahe ist. In ihren in Weißenfels gezeigten  Werken versucht, sie den Dank des Pharaos auszudrücken. Gott ist für ihn der Spender des Lebens, er erhält es. Gabi Weiss: „Echnaton, der in Aton die Wahrheit sieht, verschreibt sich dieser Wahrheit und ist beständig auf der Suche nach ihr. Sein Glaube hält Einzug in die Architektur, das Zusammenleben der Menschen untereinander und in der Kunst.Wie die Stadt des Pharao – das legendäre Amara – aussah, zeigen Modelle, die Dr. Christian Tietze von der Universität Potsdam mit Studenten erarbeitet hatte. Amara entstand 1400 Jahre vor Christus am Rand der Wüste, 300 Kilometer von Theben entfernt.

Eine Schale von Petra Töppe-Zenker.

Die Entstehung der Welt interpretieren
Tietze schreibt im Katalog: „Großartige Tempel, mehrere Paläste, ausgedehnte Wohnsiedlungen zogen sich über eine Länge von fast sechs Kilometern am Nil entlang hin. Mit dem Bau entwickelte sich nicht nur eine neue Kunstrichtung, sondern es setzte sich eine Religion durch, die den Kosmos mit einbezog, die Entstehung der Welt interpretierte und die Menschen dieser Zeit in eine neue Beziehung von Diesseits und Jenseits setzte.“ Ausdruck dafür, so Tietze, ist der Sonnengesang Echnatons.
Einen eigenen, kleinen Sonnengesang stellt die aus Finnland stammende Künstlerin Helena Rytkönen im Katalog und in ihren Arbeiten in Bild und Schrift vor. Im Text heißt es unter anderem:  „Die Sonne scheint, auch wenn sie mit heiteren oder dicken Wolken beschattet wird. Die Sonne  – das Heimatland – scheinbar so fern am Himmel und als Spiegelung in den Wellen des heimatlichen Sees und als Kraft der Schneesterne in der klirrenden Kälte.“ Helena Rytkönen, die zu Beginn des Jahres leider verstarb, suchte immer wieder die Bilder, die sie im Innen und im Außen sah. Sie drückte das Gesehene aus. Auf ihre Internet-Präsenz schreibt Helena Rytkönen: „Jede Kultur hat ihre eigene Bildsprache. Sie ist wie ein großer Baum, der wächst, wird älter, bringt Früchte, wenn er gepflegt wird. Das Kulturerbe ist das Wurzelwerk. Die Wurzeln werden nur dann tiefer, wenn der Mensch als Pfleger der Kultur sich daran erinnert, wer er ist.“

Helena Rytkönens Hände beim Gestalten der Schriftrollen mit dem Text Echnatons.

„Der Sonnengesang des Echnaton“ in der Galerie Brand Sanierung Weißenfels, Novalis-Straße 13. Geöffnet ist nach Absprache unter 0 34 43 / 20 70 53 oder 0178 / 4 47 30 97 sowie an den Wochenenden 10. und 11. März sowie am 17. und 18. März von 14 bis 18 Uhr. Weitere Besichtigungszeiten: 0 34 43 / 20 70 53, kontakt@brand-sanierung.de
www.brand-sanierung.de

Von Holger Jakobi