02.07.2015

Mit seinen Träumen wachsen

Don Bosco steht im Mittelpunkt der diesjährigen RKW

„Giovannis Traum“ heißt der Titel der diesjährigen Religiösen Kinderwoche (RKW). Die Lebensgeschichte des vor 200 Jahren nahe Turin geborenen Jugendseelsorgers Giovanni Bosco bietet Anregungen für fünf bunte, spannende und geistvolle Tage.  

Pater Johannes Kaufmann mit der jungen Akrobatin Silvana. Im Zirkus Birikino, den das Don-Bosco-Jugendhaus im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg betreibt, werden Kinder mit ihren Stärken wahrgenommen und gefördert, ähnlich wie Don Bosco dies im vorletzten Jahrhundert mit Turiner Straßenkindern tat. Foto: Dorothee Wanzek

Nächtlichen Träumen hat der Chemnitzer Salesianerpater Johannes Kaufmann in seinem bisherigen Leben nicht allzu große Aufmerksamkeit gewidmet. Lebensträume, ja, die hat er. Träume von einer jungen und lebendigen Kirche zum Beispiel, von frohmachender Gemeinschaft und von einer Welt, in der es allen gutgeht. Sie geben ihm eine Menge Energie für das, was er anpackt und sie tragen ihn über manche Durststrecke hinweg.
Immer wieder haben seine Träume ihn ganz nah an die Lebensgeschichte des berühmten italienischen Priesters Don Bosco herangeführt, von dem man sich erzählt, dass er wesentliche Etappen seines Lebensweges und -werkes im Voraus geträumt hat. In Johannes Kaufmanns Elternhaus gab es ein Spielfilm-Video über Don Bosco, das er sich schon als Kind immer wieder gerne anschaute. Bis heute ist er beeindruckt davon, wie Giovanni Bosco seinem Lebenstraum auf der Spur blieb, auch wenn manche Projekte scheiterten und er Anfeindungen einstecken musste.

Ins Ohr geflüstert und noch immer nicht verhallt
Vor elf Jahren trat der aus Württemberg stammende junge Mann in die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos ein. Bei der Professfeier in Giovanni Boscos Geburtsort Becchi gab der Ordensobere jedem der Kandidaten einen Satz mit auf den Weg, ins Ohr geflüstert, wie es auch der Ordensgründer mit „seinen“ Jungen manchmal getan haben soll. „Hör niemals auf zu träumen!“, hörte Johannes Kaufmann.
Dieser Satz kommt ihm seither manches Mal in den Sinn. Seit fünf Jahren leitet er in Chemnitz ein Haus, in dem er im Geist Don Boscos mit Kindern und Jugendlichen zusammenlebt. Er hört nicht auf, für jeden von ihnen eine gute , frohe Zukunft zu erträumen, auch wenn es gerade einmal wenig rosige Vorboten gibt, auch wenn Dinge schieflaufen, so wie gerade, wo innerhalb kurzer Zeit zum fünften Mal ins Don-Bosco-Haus eingebrochen wurde.
Schon vor drei Jahren kam ihm der Gedanke, dass der 200. Geburtstag Giovanni Boscos 2015 ein geeigneter Anlass wäre, die Lebenserfahrung und Gedanken dieses Heiligen in eine RKW einfließen lassen. Beim Katecheten-Team aus dem Bistum Erfurt, das in diesem Jahr turnusgemäß an der Reihe war, die RKW-Handreichungen zu erarbeiten, fand der Vorschlag des Salesianers Gefallen. Sie bezogen den Priester, der auch eine Ausbildung zum Sozialarbeiter hat, in die Ausarbeitung des Materials ein.  

Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen
Mit der Lebensgeschichte Don Boscos lernen die Kinder während der RKW Wege kennen, die Nähe Gottes auf ihrem eigenen Lebensweg zu erspüren und ihr Leben bewusst aus dieser Nähe heraus zu gestalten, leicht, unbekümmert und ruhig auch ein bisschen frech wie der Spatz Matteo, der sie durch die Tage begleitet.
Dabei stoßen die RKW-Teilnehmer immer wieder auf die Ratschläge, die Don Bosco einem seiner Schüler gab, Domenico Savio, der von dem großen Wunsch besessen war, heilig zu werden. Der Priester riet dem Jungen – der übrigens früh starb und später tatsächlich heiliggesprochen wurde – , die Freude in seinem Herzen nie erlöschen zu lassen, die Aufgaben zu erfüllen, die das Leben ihm stellt und anderen Menschen Gutes zu tun. In Kurzform kennt fast jeder diesen zeitlos aktuellen Rat aus Kalendern und Poesiealben: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“

Anstrahlen ist wirksamer  als ziehen
„Oft versuchen wir in der Kirche, Menschen unseren vorgegebenen Modellen anzupassen“, kritisiert Johannes Kaufmann. Don Bosco dagegen habe Jugendliche dafür begeistert, ihren eigenen großen Lebensträumen zu folgen. Er habe erleben können, dass sie dabei wuchsen, dass ihre Persönlichkeiten heranreiften und dass etwas Göttliches in ihnen aufzuleuchten begann, ähnlich wie Pflanzen, die dem Licht entgegenwachsen. Würde man an ihnen ziehen, um das Wachstum zu befördern, liefe man hingegen Gefahr, sie mitsamt ihrer Wurzeln auszureißen.
 

Das Cover des diesjährigen RKW-Materialbuchs. Enthalten sind viele Anregungen, die helfen können, Begabungen von Kindern und Jugendlichen herauszulocken.

Leben und Glauben aus einem einzigen Guss
Dass Glauben und Leben für den italienischen Heiligen nahezu untrennbar miteinander verworben waren, hat auch in den RKW-Handreichungen Niederschlag gefunden: Weniger als sonst erscheinen Gottesdienst und Aktion, Katechese und Spiel als separate Progammbausteine, sondern sind vielmehr ineinander verwoben.
Gott kann uns nicht nur in der Kirche, sondern in jedem Augenblick unseres Lebens begegnen, soll dadurch deutlich werden, und die RKW-Begleiter werden dabei in ihrer Experimentierfreude herausgefordert. Am letzten von fünf Tagen beispielsweise ist der komplette Tag durchzogen von Gottesdienst-Elementen.
Don Boscos Frömmigkeit war nicht künstlich und aufgesetzt, er  hat die Kinder immer dort abgeholt, wo sie waren und hat in einer verständlichen Sprache mit ihnen gesprochen, sagt Johannes Kaufmann. Er freut sich darüber, dass so viele Kinder ihn in diesem Jahr entdecken und am Schatz seines Lebens teilhaben werden.

Hintergrund: 200 Jahre Don Bosco – Das Don-Bosco-Haus feiert mit
Das Jubiläum „200 Jahre Don Bosco“ prägt in diesem Jahr auf vielfältige Weise auch das Leben im Chemnitzer Don-Bosco-Haus:

  • Startklar: Sechs besonders benachteiligte Jugendliche aus dem Projekt „Startklar“ sind gerade mit drei Betreuern in  Don Boscos Geburtsort Becchio bei Turin und bauen dort ein großes Zirkuszelt auf. Vom 6. bis 11. September werden sie ein weiteres Mal dorthin fahren, um das Zelt wieder abzubauen. „Hier wird das Herz Don Bosco sehr deutlich, dass gerade schwache Jugendliche, ganz groß herauskommen können“, schreibt dazu Pater Johannes Kaufmann.
  • Italien-Freizeit:  33 Kinder und Jugendliche aus dem Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg fahren vom 19. bis 26. Juli mit 15 Betreuern nach Turin und Umgebung und besuchen  einen Tag lang die Expo in Mailand.
  • Zirkusfahrt:  Eine Kinder- und Jugendgruppe des Zirkus Birikino verbringt vom 2. bis 11. August gemeinsame Zirkustage in Becchio mit dem Bamberger Kinder- und Jugendzirkus Giovanni und den Mailänder Barrabas Clowns. Am Ende stehen verschiedene Auftritte, unter anderem auf der Expo.
  • Religiöse Kinderwoche: Mehrere Gemeinden mit insgesamt rund 250 Kindern verbringen am 15. Juli einen RKW-Tag im Chemnitzer Don-Bosco-Haus. 
  • RKW-Nachklang: Das Don-Bosco-Haus bietet für RKW-Helfer vom 11. bis 18. Oktober (Herbstferien in Sachsen und Thüringen) eine Turin-Reise an. In einem Brief an Helfer und Mitarbeiter der diesjährigen RKW schreiben die Veranstalter: „Für uns als Don- Bosco-Familie ist es eine große Freude, dass anlässlich seines 200. Geburtstags so viele Kinder und Jugendliche seinen spannenden Weg der Christusnachfolge kennenlernen. Eine besondere Möglichkeit dieser Erfahrung nachzuspüren ist es, auf seinen Spuren unterwegs zu sein.“ Die Teilnehmer erwartet eine gemeinschaftliche Erfahrung mit der Spiritualität Don Boscos, Besuch der Wirkungsstätten Don Boscos, der Stadt Turin und der Expo in Mailand und Begegnung mit italienischen Jugendlichen bei Sport und Spiel. Preis: 240 Euro; Abfahrtsort: Chemnitz; Anmeldung bis 12. September  bei Pater Johannes Kaufmann; mail@dbh-chemnitz.de; Telefon 03 71/43 31 60

Von Dorothee Wanzek