11.08.2014

Dogma und Unfehlbarkeit

Am 15. August ist Mariä Himmelfahrt, so weit ich weiß das letzte bisher verkündete Dogma. Wie kam es dazu? Wer bestimmt über Dogmen? A. F., Wallenhorst

Als 1870 im Ersten Vatikanischen Konzil die „Unfehlbarkeit des Papstes“ verkündet wurde, war die Sorge groß, dass nun neue Dogmen anstehen würden, die ein Papst in eigener Kompetenz und Vollmacht verkünden würde. Tatsächlich aber hat seitdem nur einmal ein Papst im engen Sinne „ex cathedra“ gesprochen: Papst Pius XII., als er 1950 das Dogma von der „Leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ verkündete. Das Hochfest am 15. August, umgangssprachlich „Mariä Himmelfahrt“, wird aber schon seit dem 5. Jahrhundert gefeiert, und auch die altkatholische und orthodoxe Kirchen kennen es.

Der Vorgang ist ein Paradebeispiel dafür, wie „Unfehlbarkeit“ und „Dogma“ gedacht sind: nicht als eigenmächtige Entscheidung eines Papstes, sondern als amtliche Verkündigung dessen, was die Kirche in ihrer Gesamtheit „immer schon“ glaubt. So hat es auch das Zweite Vatikanische Konzil bestätigt: „Die Gesamtheit der Gläubigen ... kann im Glauben nicht irren ..., wenn sie von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert.“ (Lumen Gentium 12).

Entsprechend wurden im Vorfeld des Dogmas die Bischöfe der Welt über den Marienglauben in ihren Diözesen befragt; historisch steht sowieso fest, dass der Glaube an die leibliche Aufnahme seit vielen Jahrhunderten lebt. Die Bischöfe bestätigten, dass der Glaubenssatz feste Überzeugung des Kirchenvolkes sei und bejahten fast einstimmig die Dogmatisierung dieser altkirchlichen Tradition.
Natürlich ist die Formulierung „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien“ nicht wörtlich zu nehmen. Auch hier gab es Kritik, vor allem, weil der Glaube nicht biblisch bezeugt ist, sondern auf altchristliche Legenden zurückgeht. Letztlich aber war die Verheißung ausschlaggebend, dass auch der Leib des Menschen einen bleibenden Wert, eine unvergängliche Würde besitzt. Und das gilt nicht nur für Maria.

Von Susanne Haverkamp