10.09.2015

Anstoß 37/2015

Die Rose "Auferstehung"

Am 5. September wurde im Europa-Rosarium Sangerhausen eine Ausstellung über Rosen eröffnet. Erst einmal nichts Außergewöhnliches für ein Rosarium. Der Titel der Ausstellung weist jedoch auf etwas Besonderes: „Die Rosen von Ravensbrück“.

Es geht in der Ausstellung unter anderem um die Bedeutung von Rosen in unserer Erinnerungskultur. Sie sind durch die Jahrhunderte zu einem Symbol der Harmonie, Schönheit und Lebensfreude geworden. Sie sind ein Zeichen der Liebe und der Verbundenheit, von denen wir wünschen, dass auch der Tod sie nicht zerstören kann.
In der Ausstellung geht es zugleich um die Rolle der Rosen in der Erinnerungsarbeit des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück. Bei der Gründung der Mahn- und Gedenkstätte hatten Frauen aus Lidice auf einem Massengrab an der „Mauer der Nationen“ die ersten Rosen gepflanzt. Deren Dorf hatten die Nazis dem Erdboden gleichgemacht, die Männer erschossen, die Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt...
Mit der Zeit wurden immer mehr Rosen gepflanzt. Sie wurden angesichts der Vielfalt der damaligen Inhaftierten zum verbindenden Symbol der Trauer und des Gedenkens.
Als in einem Winter vor zwei, drei Jahren viele Rosenstöcke erfroren, riefen die „Amicale de Ravensbruck“, die französische Gemeinschaft ehemaliger Häftlinge und ihrer Freunde auf, tausend neue Rosen zu stiften. Es sollte eine Rose sein, die der Franzose Michel Kriloff 1976 auf Bitten der „Amicale“ gezüchtet hatte. Er war 1942 seinerseits Zwangsarbeiter im Rosarium Sangerhausen gewesen. Seiner Rose gab er den Namen „Résurrection“.
In diesem Jahr haben die Rosen wieder geblüht. Auch wenn nicht alle tausend „Rosen der Auferstehung“ in Ravensbrück selbst gepflanzt werden konnten: was für ein starkes Zeichen! Dass nicht auf Hass und Rache sondern auf Versöhnung weist, auf die Hoffnung und den Willen, dafür zu sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt.
Ich denke an die Sätze aus der Offenbarung des Johannes: „Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein“ (Offb21,4-6). Ein zärtliches, liebevolles Hoffnungsbild, voller Sehnsucht ...
Das Leid von damals liegt in der Vergangenheit, aber es ist nicht vergessen. Angstschreie ertönen immer noch – an den Grenzen Europas, in den Kriegen weltweit. Die Rosen von Ravensbrück mahnen auch, sich dem Leid von heute entgegen zu stellen!

Angela Degenhardt, Sangerhausen