22.03.2012

Papst reist nach Mexiko und Kuba

Die Messlatte liegt hoch

Es ist eine doppelte Premiere: Erstmals betritt Benedikt XVI. als Papst kommunistischen Boden. Und erstmals in seinem Pontifikat besucht er eine Region, in der rund ein Drittel aller Katholiken lebt: das spanischsprachige Lateinamerika. Ab Freitag (23.03.) reist das Kirchenoberhaupt nach Mexiko und Kuba - in das nach Brasilien bevölkerungsreichste katholische Land und in eine der letzten Hochburgen des Marxismus.

Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikt XVI. besucht Mexiko
und Kuba.

Auf Kuba erwartet den Papst ein sehr heikles kirchenpolitisches Terrain. Seit zwei Jahren tritt die Kirche als Vermittlerin für die Freilassung politischer Gefangener hervor. Die katholischen Bischöfe des Landes bewegen sich auf dem oft schmalen Grat zwischen einer punktuellen Zusammenarbeit mit dem Regime aus humanitären Gründen und einer Stabilisierung der bestehenden kommunistischen Herrschaft.

Aufsehen erregte die Generalamnestie für 2.900 Häftlinge, unter ihnen auch einige Dissidenten, rund zwei Wochen nach der päpstlichen Ankündigung der Reise im Dezember. Das Wort vom „Weihnachtsgeschenk für den Papst“ machte die Runde. Kuba verwahrte sich freilich gegen eine solche Interpretation. Es handele sich um einen normalen humanitären Akt der Regierung, so der Botschafter des Landes beim Heiligen Stuhl.

Kleine „Geschenke“ oder zumindest wohlwollende Gesten waren in den vergangenen Wochen auch von vatikanischer Seite zu verzeichnen: eine kurze Notiz über den Parteitag der Kommunisten auf Kuba im „Osservatore Romano“ etwa oder immerhin drei Interviews mit dem kubanischen Botschafter beim Heiligen Stuhl in vatikanischen Medien. Von Menschenrechtsverletzungen war darin keine Rede. Auch zu einem Treffen des Papstes mit Menschenrechtlern wird es nach Vatikanangaben während der Reise nicht kommen.

Die größten Spekulationen vor dem Besuch gelten allerdings einem anderem Treffen, das im offiziellen Programm ebenfalls nicht vorgesehen ist: einer möglichen Zusammenkunft des Pontifex Maximus mit dem „Maximo Lider“, Fidel Castro. Eine solche Begegnung sei möglich, bislang aber nicht vorgesehen, teilten unisono die Kubanische Bischofskonferenz und der Vatikan mit. Der 85 Jahre alte Castro ist gesundheitlich stark angeschlagen und seit längerem nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Papst Benedikt XVI.
Ältester Papst auf Reisen: Mit fast 85 Jahren reist
Benedikt XVI.ins spanischsprachige Lateinamerika.

Glaubt man Kubas Botschafter beim Heiligen Stuhl, dann besitzt die katholische Kirche im Land mittlerweile alle Rechte und Freiheiten. Die Festnahme etlicher Mitglieder der Menschenrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ nach Gottesdiensten in den vergangenen Wochen zeigte jedoch, dass eine gesellschaftliche Einmischung von Katholiken weiter unerwünscht ist.

Das Thema Religionsfreiheit liegt Benedikt XVI. besonders am Herzen - und so dürfen seine Äußerungen zur Lage der Kirche in Kuba mit Spannung erwartet werden. Zuhören werden dem Papst auch die Kommunisten - und zwar mit „Respekt“, wie die Zeitung „Granma“, das Organ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, ankündigte.

Und Mexiko? Es machte auch vor der Papstreise vor allem mit jenem Thema Schlagzeilen, das mittlerweile alle anderen Nachrichten aus diesem Land verdrängt: der Drogenkrieg, der das Land mit jährlich Tausenden Toten an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Der päpstliche Botschafter musste eigens klarstellen, dass Benedikt XVI. keine Angst habe, nach Mexiko zu kommen. Die Bischöfe des Landes äußerten die Hoffnung, dass der Papstbesuch ein deutliches Zeichen gegen den Drogenkrieg setzt, und zwei mächtige Kartelle kündigten an, für die Dauer des Besuches die Waffen schweigen zu lassen.

Eine Begegnung des Papstes mit Missbrauchsopfern wird es in Mexiko nicht geben. Das teilte der Vatikan kurz vor der Reise mit. Der Missbrauchsskandal um den aus dem lateinamerikanischen Land stammenden Gründer der Ordensgemeinschaft „Legionäre Christi“, Marcial Maciel Degollado (1920-2008), hatte in Mexiko großes Aufsehen erregt, weil der Orden in dem lateinamerikanischen Land zudem besonders stark vertreten ist.

Eines war dem Besuch Johannes Pauls II. auf Kuba 1998 und seiner ersten Reise nach Mexiko 1979 gemeinsam: Beide gingen als historische Wendepunkte im schwierigen Verhältnis zwischen Staat und Kirche in diesen Ländern ein. Die Messlatte liegt also hoch.

Thomas Jansen