14.05.2015

Kirchweih-Stimm(ung)en

Die erste heilige Messe in der neuen Leipziger Propstei

Leipzig. Am Ende des zweistündigen Kirchweihe-Gottesdienstes sah man rund um die neue Leipziger Propstei-Kirche vor allem in freudige Gesichter. Einige Festgäste lassen die Tag des Herrn-Leser an ihren Eindrücken teilhaben.

Bischof Heiner Koch spricht das Gebet zur Altarweihe, während auf dem neuen, von Jorge Pargo geschaffenen  Altartisch Weihrauch verbrannt wird. Foto: Dorothee Wanzek


Anna Rikl: Die neue Kirche ist echt supertoll, so schön hoch und hell. Ich bin beeindruckt, wie offen und modern sie wirkt. Wenn man von außen hereinkommt, ist man wirklich überrascht, dass es drinnen so hell ist. Je nach dem Stand der Sonne hat man immer wieder einen anderen Lichteindruck, das ist faszinierend. In der alten Kirche bin ich getauft worden, ich singe im Jugendchor mit. Mein ganzes Leben lang gehöre ich zur Propsteigemeinde. Am 28. Juni werde ich in der neuen Kirche gefirmt, darauf freue ich mich schon.


Veronika Seidel: Es war sehr anrührend, diese Kirchweihe aus der Nähe zu erleben. Besonders beeindruckt war ich, als der Altar eingeölt und das Feuer darauf entzündet wurde und die Flammen gen Himmel züngelten. Ein bisschen störend war natürlich die Fernsehübertragung, aber das muss man an einem solchen Tag gewiss in Kauf nehmen. Die Schlichtheit des Baus und die künstlerische Ausgestaltung empfinde ich als einen gelungenen Kontrast. Der Bau ist durchaus umstritten und ich hoffe, dass sich hier nun alle wohlfühlen können. Ich selbst habe mich auch in der alten Propsteikirche wohlgefühlt, aber die neue wirkt deutlich wärmer. Jetzt gilt es, das Haus mit Leben zu füllen. Ich gehöre seit 1998 zu dieser Gemeinde und habe mich hier von Anfang an als Lektorin eingebracht, habe auch einen Gebetskreis ins Leben gerufen. Das möchte ich gerne hier weiterhin tun. Ich hoffe sehr, dass wir die Kirche auch wirklich täglich bis um 20, 22 Uhr offen halten können. Auch wenn ich noch berufstätig bin, möchte ich mich auch da einbringen, ich habe ja auch in der Bauphase schon ein paar Kirchenführungen gemacht.


Doris Otto: Ein schöner, freudiger Tag! Mir fehlt in der Trinitatis-Kirche aber noch eine Darstellung der Dreifaltigkeit, wie wir sie in der alten Propsteikirche mit dem Kreuz hatten, das einem das Beziehungsgefüge zwischen Vater, Sohn und Heiligen Geist bildlich vor Augen geführt hat. Das habe ich auch dem Propst gesagt, und er meinte: „Wir brauchen dafür keine bildliche Darstellung, das leben wir“. Ich bin da aber anderer Meinung. Viele unter uns brauchen für ihren Glauben Bilder, gerade auch unsere polnischen Mitchristen.


Werner Unverricht: Ich durfte heute bereits zum dritten Mal bei einer Altarweihe die Reliquien einmauern, zuvor bereits bei der Weihe der alten Leipziger Propsteikirche und in Gera-Lusan. Das ist schon eine Ehre, es war ein sehr emotionaler Moment heute. Die eigentliche Arbeit geschieht natürlich immer schon vorher, auch am vorigen Sonntag, als wir die Reliquien aus dem alten Altar entfernt haben. Wenn ich das nicht schon ein paar Tage vorher vorbereitet hätte, hätte ich ungefähr 40 Minuten gebraucht und dabei den ganzen Altarraum eingestäubt.


Marlies Rößler, Leipzig-Connewitz: Mein Mann und ich haben die Übertragung des Gottesdienstes von draußen mitverfolgt. Wahrscheinlich konnten wir hier sogar alles besser sehen als drinnen, wenngleich die Technik ein paarmal ausgesetzt hat. Mein Mann findet die Kirche ein wenig kahl, aber mir gefällt sie. Ich finde gut, dass sie so schlicht und einfach und vor allem so hell ist. Man fühlt sich darin nicht so bedrückt wie in manch anderen Kirchen.


Angelika Pohler, Leipzig-Lindenau: Das Lichtkonzept dieser Kirche ist fantastisch, aber die Gestaltung der liturgischen Orte finde ich einfach schrecklich. Man hat die Chance vertan, Ornamente mit inhaltlichem Symbolgehalt zu wählen, die nicht einfach nur dekorativ sind, sondern die Bedeutung der Kirche als geheiligtem Ort betonen. Beim Kreuz müsste der untere Teil etwas länger sein, damit es den Eindruck erweckt, Halt zu haben, in sich zu ruhen.
Auch die Ausführung gefällt mir nicht. Es war einmal an Intarsien gedacht. Jetzt haben wir eine zu billige Druckausführung, die der Würde des Raums nicht gerecht wird.

 

Jorge Pardo, Künstler aus Los Angeles: Ich bin kein besonders gläubiger Mensch, aber Kirchen faszinieren mich. Sie interessieren mich vor allem aus ästhetischem Blickwinkel. Mit der neuen Propsteikirche bin ich sehr zufrieden, ich sehe ja jetzt erst, was aus meinen Entwürfen geworden ist. Alles ist genauso wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe zu dem Kreuz auch noch einen Corpus entworfen, eine etwas ungewohnte Christusdarstellung mit Bauch. Die Entscheidung, wo genau die Figur positioniert wird, ist noch nicht gefallen, möglicherweise wird sie vor dem Kreuz frei im Raum hängen.


Pfarrer Heinz-Claus Bahmann, Plauen: Als Kind habe ich noch mit meinem Vater Ziegelsteine von der ersten Propsteikirche abgeklopft, damals dachten wir noch, dass wir sie irgendwann wieder aufbauen würden. „Der Kommunismus ist die lichte Zukunft aller Menschen“ war irgendwann am Bauzaun zu lesen, und nicht erst da war klar, dass daraus nichts werden würde. Die Kirchweihe von 1982 habe ich als Kaplan mitgefeiert. Damals haben wir uns darüber gefreut, dass es nach so langen intensiven Bemühungen endlich möglich war, dem Sozialismus zum Trotz wieder eine Kirche zu bauen. Unsere Freude vor 33 Jahren  war mehr nach innen gerichtet, wenngleich wir durch unsere Köln-Kontakte schon auch damals die Mitfreude der gesamten Kirche zu spüren bekamen. Die Freude, die ich heute spüre, ist anders, größer, offener, wendet sich mehr nach außen. Anders als damals sind heute auch Diskussionen über den Kirchbau und die Ausgestaltung möglich. Und genau wie damals gibt es wieder Huddeleien mit den Glocken. Damals hatte sich herausgestellt, dass der Schall einer der Glocken nicht nach draußen gelenkt wurde, sondern gegen die Wand.

Ordinariatsrat Wilfried Lenssen, Dresden: Es ist bewegend, an so einem Jahrtausendereignis teilzunehmen. Als ich vor einiger Zeit den Beton-Rohbau sah, war ich noch skeptisch, aber die Endfassung überzeugt mich sehr. Ein prächtiger Bau, aber nicht protzig. Er ist in sich stimmig und passt in das Zentrum dieser Stadt. Sehr angetan bin ich auch von der Wasserwand, die den Kirchhof vom Ring abschirmt und den starken Verkehr dort geradezu vergessen lässt. Als junger Mann aus dem Erzbistum Köln habe ich übrigens auch schon an der Kirchweihe von 1982 teilgenommen. Seit 1977 war ich jedes Jahr einmal hier im Partnerdekanat.

Von Dorothee Wanzek

Kommentare

<p>Es ist schön, eine katholische Kirche in Leipzig zu haben. Ich bin auch katholisch. Die Idee der Kirche ist ganz ok, zum Innenraum muss ich aber leider sagen, dass man auch mit wenig Geld schön "dekorieren" und gestalten kann. Die arme Statue der Heiligen Maria ist hinten um die Ecke gestelt worden und vorn gibt es kein richtiges Altarbild...</p> <p>Ein paar Statuen, zum Beispiel vom Heiligen Antonius und der Kreuzweg fehlen auch. Ich hoffe, dass es da noch Verbesserungen geben wird, so dass man die neue Propstei auch als Kirche erkennen kann. Ich habe nichts gegen moderne Kirchen, es sollte aber auch eine Mischung mit Traditionellem geben.</p> <p>Ich glaube, die Priesterräume sind schöner gestaltet.</p> <p>Die alte Propsteikirche war innen 1000 mal schöner gestaltet. Naja, ich warte es mal ab.</p>