15.03.2018

Treffen der Ständigen Diakone aus den Ostdiözesen in Zinnowitz

Blick über den Tellerrand

Um nicht immer nur im eigenen Saft zu schmoren, ist ein Austausch wichtig. Daher trafen sich Anfang März die Ständigen Diakone aus den Ostdiözesen in Zinnowitz. Ein dänischer Kollege berichtete von seinen Erfahrungen.


Thomas Nimbsch aus Zeitz berichtet im Workshop „Diakon im Zivilberuf“ von seiner Arbeit bei den Stadtwerken. | Foto: Anja Goritzka


„Für mich ist das jährliche Treffen ein guter Punkt, um zu sehen, wie es anderen Diakonen geht, in ihrer Arbeit und auch privat“, meint der Magdeburger Diakon Klaus Lange während der Jahrestagung der Ständigen Diakone in den Ostdiözesen. Diese fand Anfang März in der Zinnowitzer Familienferien- und Begegnungsstätte St. Otto auf Usedom statt.
Der Austausch über ihre Arbeitsfelder und persönliche Begegnungen standen bei dem dreitägigen Treffen im Mittelpunkt. Einmal im Jahr schauen so Ständige Diakone, Diakone im Zivilberuf und ihre Frauen über den Tellerrand. Diesmal erfuhren sie in einem Impulsvortrag mehr über die Projektstelle „Glaube ohne Grenzen“ im östlichen Vorpommern rund um Löcknitz an der Grenze zu Polen. Aber auch die Arbeit der fünf Diakone in Dänemark wurde beleuchtet. Der dänische Diakon Kaare Nielsen berichtete über seine Evangelisierungsarbeit in einer kleinen Gemeinde und die Reaktivierung der Mitglieder vor Ort.

Leuchtturm und Brückenbauer
Zwischen den Vorträgen gab es die Möglichkeit, sich in kleinen Workshop-Gruppen auszutauschen und Neues zu erfahren. So berichtete Diakon Bruder Norbert Verse von seiner Arbeit in der Notfallseelsorge in Berlin und Gregor Bellin sprach über seinen Wirkungsort: Die Kapelle im Berliner Olympiastadion. Aber auch die Form „Diakon im Zivilberuf“ wurde beleuchtet. Thomas Nimbsch, der als Diakon im Zivilberuf tätig ist, ist überzeugt, dass er Leuchtturm und Brückenbauer sein kann, auch in seinem Beruf bei den Stadtwerken von Zeitz: Er ist ansprechbar für seine Kollegen und hört als Seelsorger zu. Dennoch sei diese Entscheidung auch eine Belastung für die Familie unterstrich seine Frau Ute Nimbsch: „Bei hauptamtlichen Diakonen liegt eine Doppelbelastung vor, hier eine Dreifachbelastung: Familie, Beruf, Gemeinde. Als Ehefrau muss ich da auch mal Bremse sein.“
Der gelernte Krankenpfleger Rainer Schulze aus Magdeburg war zunächst auch als Diakon im Zivilberuf tätig, wechselte aber ins Hauptamt. „Man muss schon sehr diszipliniert mit sich und der Familie umgehen“, bestätigt er. Und auch Horst Nikola Kaya aus dem Erzbistum Berlin ist eher froh, dass er nun vom Diakon im Zivilberuf in eine hauptamtliche Stelle wechseln konnte. Der heute 40-Jährige ließ sich 2015 zum Diakon weihen. Damals war er als Bauleiter in der Baubranche tätig. „Die Leute wussten schon Bescheid, kamen schon damals zu mir, damit ich für sie bete“, erzählt der Vater von fünf Kindern und weiter: „Mein Wirken ist nicht nur für Katholiken. Der Dienst am Menschen ist mir wichtig!“ Dennoch versteht er sich nicht als Priesterersatz. Als hauptamtlicher Diakon hing er 2017 seinen Job in der Baubranche an den Nagel und kümmert sich im Berliner Pastoralen Raum Tiergarten-Wedding  um die Jugendarbeit und Ministranten-Ausbildung.
Das Erzbistum Berlin hat in den letzten drei Jahren ausschließlich Diakone im Zivilberuf ausgebildet. „Wir gehen nun dazu über, dass nach einigen Jahren ein Übergang in den Hauptberuf möglich ist“, bestätigt Schwester M. Klara Arnolds von der Abteilung Pastorales Personal im Erzbistum. Derzeit befinden sich in Berlin acht Männer in einer Ausbildung zum Diakon.

Hintergrund: Goldenes Jubiläum
Das Diakonat feiert 2018 sein 50-jähriges Bestehen in Deutschland: 1968 erfolgte die erste deutsche Diakonen-Weihe in Köln.
Bewerber für diese Berufung können verheiratet sein, müssen dann jedoch mindestens 35 Jahre alt sein. Sie verpflichten sich nicht zum Zölibat, dürfen allerdings nach dem Tod ihrer Frau oder einer kirchenrechtlichen Annullierung der Ehe nicht wieder heiraten.
Unverheiratete Männer können auch erst 25 Jahre alt sein und verpflichten sich zum Zöllibat. „In beiden Fällen ist der Beruf Diakon – sei es hauptamtlich oder im Zivilberuf – eine Berufung, die wir genau prüfen“, bestätigt Schwester Schwester M. Klara Arnolds vom Erzbischöflichen Ordinariat des Bistums Berlin.

Von Anja Goritzka