04.02.2016

Profess bei den Bautzner Klarissen von der ewigen Anbetung

Das Glück allein bei Gott suchen

Bautzen. Eine nicht alltägliche Feier konnten die Gäste des Bautzner Klarissenklosters am 30. Januar miterleben: Nach sieben Jahren als Ordensfrau „auf Probe“ hat sich Schwester Maria Michaela Damm dort mit der „Ewigen Profess“ für immer an Gott und das Kloster gebunden.

Bischof Reinelt hatte zwölf Mitzelebranten, die Schwester Michaelas Glaubens- und Berufungsweg auf unterschiedliche Weise mit begleitet haben. Fotos: Dorothee Wanzek

Schwester Michaelas gefaltete Hände liegen in den Händen der Äbtissin Maria Clara, als sie Armut, Keuschheit und Gehorsam für den Rest ihres Lebens verspricht. Sie liegt lang ausgestreckt auf dem Steinfliesen-Fußboden der Klosterkirche, während die Mitfeiernden eine lange Liste von Heiligen um ihre Fürsprache bitten. Die liturgische Feier – eingebettet in eine heilige Messe mit dem Dresdner Altbischof Joachim Reinelt – ist voller traditionsreicher Symbole. Der Ring, den die Äbtissin der jungen Schwester an den Finger steckt, das Kreuz und die Kerze, die sie ihr überreicht, das Unterschreiben der Professformel, die Handauflegung durch den Bischof wird seit Jahrhunderten so oder ähnlich immer dann vollzogen, wenn ein Mann oder eine Frau ihre Ordensgelübde ablegt.
Schwester Michaela und ihre sechs Bautzner Mitschwestern erfüllten die Traditionen mit ihrer lebendigen Glaubens- und Gemeinschaftserfahrung. Bereits der schriftlichen Einladung an ihre Gäste hatte die „Professe“ eine persönliche Note verliehen und sich selbst Auge in Auge mit dem gekreuzigten Christus gezeichnet. Auf Latein hat sie daneben Zitate aus dem Evangelientext geschrieben, den sie für ihre Professfeier ausgewählt hatte: „Liebst du mich?“ – „Du weißt, dass ich dich liebe!“ Auch die Lieder für den Gottesdienst hatte sie selbst zusammengestellt, für eines stammt sogar der Text aus ihrer Feder: „Vor vielen Jahren schon, da habe ich bekannt, dass Leben ich und Glück, ja alles in dir fand“, heißt es darin unter anderem. „Nur, wenn ich bete, auf dich schau, komm ich zur Ruh, mein Herr, mein Gott, mein König, unsterbliches Du“.

Äbtissin Clara steckt ihrer Mitschwester einen Ring auf, als Zeichen der treuen Liebe zu Jesus Christus.

Die 30-Jährige hat sich gründlich auf den endgültigen Schritt ins Kloster vorbereitet. Erst als Jugendliche hatte sie zum Glauben gefunden und im Kaplan ihrer Heimatstadt Wittenberg einen Ansprechpartner gefunden, der viele ihrer Fragen bereitwillig beantwortete. Als Potsdamer Jurastudentin nahm sie unter anderem an einem „Berufungsjahr“ teil, das im Erzbistum Berlin regelmäßig für aufgeschlossene junge Menschen angeboten wird. 2009 trat sie in Bautzen ein und nutzte seither die Zeit, ihren Verzicht auf viele persönliche Freiheiten und auf ihre Lebensträume von Familienleben und einer Karriere als Strafrichterin auf den Prüfstand zu stellen. Einige Männer und Frauen, die Etappen ihres Berufungswegs teilten, gestalteten die Feier mit. So wie die Potsdamerin Maria Riemer, die die Lesung vortrug: Sie hatte gemeinsam mit ihr das Berufungsjahr absolviert und lebt nun als Schwester Paula im Kloster Alexanderdorf.

Maria Michaela von der Pietà – so lautet der Ordensname von Katrin Damm, einer Juristin aus atheistischem Elternhaus. Nach dem Professgottesdienst ließ sie ihre Gratulanten an ihrer Freude teilhaben.

Von Dorothee Wanzek