17.12.2015

Sichtbares und Unsichtbares

Christine Goetz hat ihr Buch über Kunst und Kirche im Erzbistum Berlin vorgestellt

Berlin. „Weil in der Form der sichtbaren Dinge ihre Schönheit besteht, ist die Schönheit der sichtbaren Dinge ein Bild für die Schönheit der unsichtbaren.“ Dieser Satz des Theologen Hugo von Sankt Viktor steht auf der ersten Seite des neuen Buches „Kunst und Kirche im Erzbistum Berlin“.   

Dr. Christine Goetz arbeitete lange Zeit im Diözesanmuseum für Christliche Kunst in Freising, bevor sie ins Erzbistum  Berlin kam. Foto: Ludwig Thiede

Man muss diesen Satz laut und in Ruhe lesen, um seine geistige Tiefe zu verstehen. Die Autorin und Kunsthistorikerin Dr. Christine Goetz – die seit 20 Jahren im Erzbistum Berlin für die Inventarisierung und Denkmalpflege zuständig ist – nutzte geschickt Hugos Satz und verkürzte diesen auf „Das Sichtbare und das Unsichtbare“. Damit hatte sie einen prägnanten und passenden Titel für ihre 176 Seiten starke Publikation mit den Fotos von Constantin Beyer. Autorin, Fotograf und der Verleger des Buches, Josef Fink, präsentierten das Buch  in der Katholischen Akademie in Berlin-Mitte.  

Lesenswerter Kompaktband mit vielen Farbfotos
Der lesenswerte und mit seinen reich illustrierten Farbfotos kompakte Kunstband nimmt die Leser mit auf eine Entdeckungsreise zu den Kunstschätzen der Diaspora. Neben barocken Altarbildern sind genauso expressionistische Kunst, Architekturen, die vom Bauhaus beeinflusst wurden oder die Nachkriegsmoderne in katholischen Sakralbauten im Buch enthalten.
Gegliedert ist das Buch in fünf Teile: „Liturgische Räume und Altäre“, „Skulpturen“, „Gemälde“, „Glas und Mosaik“ und „Umbauten“. Man kommt so von der „Muttergottes auf der Mondsichel“ in der St.-Hedwigs-Kathedrale über die Kirche Herz Jesu in Berlin-Prenzlauer Berg als Gesamtkunstwerk des Historismus mit seinen Säulen, Bögen und Ausmalungen bis zur jüngsten Kirche im Erzbistum, „Stella Maris“ in Binz auf Rügen.
Auch Gemälde, die sich nicht mehr in Kirchen befinden, wie die anrührende Darstellung von „Christi Geburt“ von Antoine Pesne in der Berliner Gemäldegalerie, werden im Buch vorgestellt, weil sich dieses religiöse Tafelbild früher in der Hedwigskirche befand.
Die vorgestellten Werke reichen bis in unsere Tage, wie der moderne Fensterzyklus „Creation – Erschaffung der Welt“ von 2006 aus der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Brandenburg an der Havel zeigt.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit
Der Band ist eine persönliche Auswahl, die wichtige Künstler und Baumeister verschiedener Epochen umfasst.
Kenner aber werden zum Beispiel die wunderbaren, expressionistischen Darstellungen der „Heiligen Drei Könige“ in der gleichnamigen Kirche in Berlin-Rahnsdorf ebenso vermissen, wie die moderne Architektur der modernen Kapelle im Wallfahrts- und Pilgerort Altbuchhorst, die gerade viele Schüler und Jugendliche von ihren Kommunions- oder Firmvorbereitungsfahrten lieben und schätzen. Aber eine Auswahl kann nicht alles aufgreifen, sie kann bestenfalls „Respekt und Wertschätzung gegenüber dem kulturellen Erbe unserer Ortskirche fördern“, wie es Generalvikar Prälat Tobias Przytarski in seinem Nachwort schreibt. Außerdem dient es Kunstfreunden, Lesern und Glaubenden „zur größeren Ehre Gottes“.  

Christine Goetz, Constantin Beyer: Das Sichtbare und das Unsichtbare – Kunst und Kirche im Erzbistum Berlin, Kunstverlag Josef Fink 2016, 978-3-89870-978-1, 14,80 Euro

Von Ludwig und Rocco Thiede