02.06.2017

Anstoss 22/2017

Brennen statt zu verbrennen

Irgendwann im Frühjahr treffen sich die Gemeindereferenten und -referentinnen unseres Bistums zu ihrer jährlichen Zentralkonferenz. In der Regel zwei Tage Fortbildung, ergänzt um Aktuelles aus dem Bistum und dem Austausch unter Kollegen aus den verschiedenen pastoralen Arbeitsfeldern – eine spannende und intensive Zeit.


Thema der jüngsten Konferenz war Burnout beziehungsweise dessen Vorbeugung, gerade wenn durch das enge Ineinandergreifen von Beruf und Berufung, das Risiko auszubrennen hoch ist.
Die Referentin, als Professorin für Pastoral- und Diakonische Theologie sowie Doktorin der Medizin aus mehreren Blickwinkeln mit der Problematik befasst, benannte pointiert manche „Klemmstellen“, an denen gerade wir „Kirchenleute“ nicht selten hängen bleiben – hauptberufliche, aber auch ehrenamtliche. Neben Belastungsfaktoren und Warnzeichen, war die entscheidende Frage, wie man dem nun begegnen kann.
Die Antwort enthielt viele Aspekte, die eigentlich für jeden Christen von Gewicht sind, einzeln und im Miteinander: Welche Forderungen stelle ich an mich selbst – und an andere? Womit kann ich zufrieden sein – nur mit dem perfekten Ergebnis oder auch mit einem guten? Wie fehlerfreundlich ist unser Miteinander in der Gemeinde und nicht nur dort? Können wir einander die nötigen Auszeiten gönnen und sie auch genießen? Welche Kultur des Nein-Sagen-Dürfens pflegen wir? Welche inneren Antreiber habe ich, haben wir als Gemeinde, als Familie – da spielt auch hinein, welche Vorstellung von Gott uns prägt und leitet. Welchen Umgang mit uns selbst leben wir anderen vor?
Die wichtigste Frage aber war: Bin ich, sind wir – als Team, Gemeinde, Familie – in der Spur Jesu? In der Spur Jesu, der sich auch zurückgezogen hat; der den Menschen über den Sabbat stellte; der für andere da war, aber auch für sich gesorgt hat und für die Beziehung zu seinem Vater; der sich vom Geist Gottes leiten ließ, den er auch uns verheißen hat. Der Geist, der uns lehrt zu unterscheiden, der in uns sein Feuer entzündet, das brennt statt zu verbrennen und dessen wärmendes Leuchten hoffentlich andere anzieht und einlädt, selbst in die Spur Jesu zu treten.

Angela Degenhardt, Sangerhausen