02.06.2016

Bischof Ulrich Neymeyr auf Podium zur Arbeit von Verbänden

„Ich glaub, das geht was …“

Leipzig. Unter dem Motto „Ich glaub, da geht was“ fand beim Katholikentag in Leipzig ein Podium zur Arbeit der Jugendverbände statt. Bischof  Ulrich Neymeyr aus Erfurt  nahm daran teil.

Bischof Ulrich Neymeyr auf dem Podium. Foto: Caroline Strohbehn


„Ein Kirchort muss nicht alle Erfordernisse erfüllen, aber alle Kirchorte sind Kirche. Es ist ein Dach mit unterschiedlicher Prägung“, sagte Bischof Ulrich Neymeyr auf dem Podium über Verbandsarbeit. Viele junge Leute aus ganz Deutschland und Österreich waren gekommen, um mit Vertretern der Amtskirche und aus der Verbandsarbeit über die künftige Gestaltung zu sprechen.

Im Spiel mit anderen lässt sich viel erreichen
Ulrich Neymeyr unterschrieb die These, dass die Verbände auch Kirchenorte seien, die Kirche aktiv mitgestalten und für viele junge Menschen ein Zugang zum Christentum bieten. „Ich vergleiche das gerne mit einem Kirchspiel“, fügte der Erfurter Bischof hinzu. „Bei einem Kirchspiel hat jeder mehr davon, weil miteinander mehr Möglichkeiten verwirklicht werden können. Im Spiel mit anderen ist es zu erreichen.“
Max Pilger, Diözesanleiter des KjG Diözesanverband Köln, setzte entgegen, dass ein Verband mit der Ortskirche nicht gleichgesetzt werden könne, aber ein partnerschaftliches Miteinander wünschenswert sei. Das sei aber aus seiner Erfahrung nicht immer der Fall. Er sehe die Stärke des Verbandes, dass er Ortskirchen auch stärken könne, gerade weil sie finanziell nicht abhängig von der Gemeinde wären. So könne er auch für andere Interessen eintreten. „Wir können mit einer ganz anderen Vielfalt an Themen auftreten und diese Stärke in die Gemeinden hereintragen. Aber das erfahre an vielen Stellen keine besondere Würdigung“, so Pilger. Vielerorts wären Verbände nicht anerkannt und würden keine angemessene Würdigung für ihre Mitarbeit und Arbeit erhalten.
Das unterschrieb auch Eva Jelen, Landesvorsitzende des BDKJ Bayern. In Bayern hätte sie die Erfahrung gemacht, dass immer wieder der Bedarf an so vielen Verbänden in Frage gestellt würde. „Hauptargument ist vor allem das Geld und das ist wenig wertschätzend. Es ist wichtig, die Vielfalt zu haben“, so Jelen. Die Zusammenarbeit zwischen Verband und Gemeinde käme aber auch auf den Ortspfarrer an.
Pfarrer Dirk Bingener, seit April 2015 Bundespräses des BDKJ, gab zu, dass immer da ein Problem entsteht, wo Ressourcen und Räume knapp werden. „Dann kommt schnell das Vorurteil auf, Verbände wären überlebt oder aber in den Strukturen werden sie wenig mitgedacht.“ Er richtet die Frage an Neymeyr, ob Kirche sich nicht verändern müsse und ob mit Zusammenarbeit nicht Gemeinde stärker gemacht werden könne als bisher definiert.
Der Erfurter Bischof entgegnete darauf, dass man die gesamte Jugendpastoral betrachten müsse. Es gebe immer weniger Mitarbeiter und weniger Geld und gerade in kleinen Bistümern wäre eine Besetzung der Stellen schwer. „Ich benutze den Begriff der Gemeinde nicht mehr“, merkte Neymeyr an. „Pfarrei, Gemeinde und Pfarrort sind so unterschiedlich geprägt. Ich nehme eher ‚Kirchort‘, weil das besser ausdrückt, was dazu gehört.“

Wie Jugendliche im Gottesdienst vorkommen
Auch Verbände und andere Institutionen seien Kirche und damit zu fördern und mit ins Boot zu holen. „Wichtig sind die Verbindungen, wie gemeinsame Feste, Gottesdienste und der soziale und karitative Bereich.“  Voraussetzung sei aber, dass sich ein Gremium aus allen an einen Tisch setze und gemeinsam berate. Vieles sei an Veränderungen nötig. „Es ist wichtig in den Blick zu nehmen, wie die Welt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Gottesdienst vorkommen kann“, sagt der Bischof. Vor allem in der Diaspora wäre es wichtig, die Liturgie verstehbar zu machen und einen einfachen Einstieg für die Erwachsenen zu geben, die über Gottesdienste oder Verbandsarbeit  die ersten Kontakte mit Kirche machen. „Es ist uns allen klar, dass Sonntagmorgen um 10 Uhr nicht die Gottesdienst- Primetime für Jugendliche ist“.
Zum Abschluss sagte Neymeyr, dass Verbände und Pfarreien ihren Stellenwert hätten. Gerade in einem Bistum mit einer dünnen Katholikenzahl verlange es einiges an Durchhaltevermögen eine katholische Identität auszubilden. „Alle sind froh, wenn Jugendliche gewonnen werden können. Sie gilt es dann auf Angebote auf diözesaner Ebene hinzuweisen.“

Von Carolin Strohbehn