07.01.2016

Anstoß 02/2016

Biederitz im japanischen Fernsehen

Biederitz im Jerichower Land schafft es selten in die Medien. Anders vor ein paar Wochen. Ein japanisches Fernsehteam rückte an, um zu filmen, wie das Dorf bei Magdeburg mit seinen Flüchtlingen umgeht.

Nein, hier brennen keine Unterkünfte und es demonstriert auch keine IrgendwieGida.
In Biederitz leben Menschen, die so bunt und verschieden sind wie unser Land, auf der einen Seite ängstlich, skeptisch und distanziert und auf der anderen Seite hilfsbereit und engagiert. Wenn dann der Pfarrer und der Bürgermeister, die Gemeindemitarbeiterin und der Fußballverein, die Feuerwehr, das Rote Kreuz und viele engagierte Bürger sich in einem Flüchtlingsnetzwerk zusammenfinden, wird das Zusammenleben des Ortes auf eine neue und gute Weise gestaltet – zumindest so, dass selbst im fernen Japan Neugier geweckt wurde.
Dabei passiert in Biederitz nicht viel, was nicht auch in anderen Orten geschieht oder geschehen könnte. Außergewöhnlich ist wohl nur, dass der Dorffußballclub gegen eine Auswahl von Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan antrat und das Spiel gewann.
Ich wünsche mir, dass diese Normalität auch in unserem ganzen Land normal ist. Das niemand, der Hilfe braucht, abgewiesen wird, dass wir in der Lage sind, anderen zu helfen, ohne Angst zu haben. Das wir trotz unterschiedlicher Meinungen unser Land gestalten und nicht durch Hass und Gewalt zerstören.
Die Leute im Dorf, die mit den Flüchtlingen zu tun haben, weil sie helfen, Sprachunterricht geben, Zeit für Gespräche haben, mit den Kindern basteln oder einfach Fußball spielen, haben in den letzten Wochen viel Dankbarkeit erlebt und eine starke Erfahrung gemacht. Es ist zu schaffen, wenn man nur will. Und weit über Biederitz hinaus gibt es viele Menschen, die in ihren Gemeinden, Orten, Pfarreien zuversichtlich anpacken.
In einem Interview beschreibt der Münchner Kardinal Reinhard Marx dies als besondere Aufgabe der Kirche: Je mehr Menschen sich begegnen, umso weniger Hass ist da. Und dort, wo keine Begegnung mit dem Anderen da ist, ist die Fremdenfeindlichkeit am größten. Wo viele Fremde, wo viele Andere sind, wo eine größere Vielfalt der Kulturen ist, ist die Angst vor dem Anderen geringer als da, wo homogene Gesellschaften sind, die sich abschließen in der Angst vor dem Anderen. Genau das ist der Beitrag, den Kirche gut leisten kann, damit Menschen sich begegnen und damit auch die Angst und die Abgrenzung abnehmen.

Guido Erbrich, Biederitz