04.06.2014

Priesterweihe 2014

Bernhard Holl

"Während der Zeit des Geschichtsstudiums habe ich eigentlich immer nur darauf gewartet, dass die Idee, Priester zu werden, weggeht und als sie am Ende des Studiums immer noch nicht weg war, dachte ich mir, dass ich es mal versuchen sollte.“

Erfurt (tdh). Der Gedanke daran, Priester zu werden, kam auch dem Berliner Bernhard Holl schon während der Schulzeit. „Doch nach dem Abitur fühlte ich mich noch nicht erwachsen genug, ich war noch nicht so weit und deswegen habe ich erst einmal Geschichte in Berlin und in Leipzig studiert“, erzählt der 33-Jährige.
Seine einstige Motivation, Priester zu werden, nahm er als Jugendlicher aus priesterlichen Figuren: „Beim Glöckner von Notre Dame fand ich Claude Frollo, den Erzdiakon der Kathedrale, viel spannender als Quasimodo. Ähnlich ging es mir bei den Romanen von Victor Hugo.“ Das Interesse an Religion und Geschichte vereinigte er in seiner Diplomarbeit über Hayden White. Der amerikanische Historiker und Literaturwissenschaftler hatte die Theorie, dass Geschichtsschreibung eine Form der Belletristik sei und Holl versuchte diese Aussage auf die Kirchengeschichte anzuwenden und im Licht des Glaubens zu betrachten.
„Doch während der Zeit des Geschichtsstudiums habe ich eigentlich immer nur darauf gewartet, dass die Idee, Priester zu werden, weggeht“, erinnert sich der gebürtige Berliner aus der Pfarrei Heilige Familie (Berlin-Lichterfelde). „Und als sie am Ende des Studiums immer noch nicht weg war, dachte ich mir, dass ich es mal versuchen sollte.“ Also hat er sich 2006 bei dem damaligen Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky beworben, der ihn nach Erfurt ans Priesterseminar schickte.

Eigene Vorlieben und Wünsche sind zweitrangig
In der Vorbereitung auf das Priesterdasein habe er dort vor allem mitgenommen, dass es darum geht, was die Leute im Bistum brauchen. Eigene Vorlieben und Wünsche an die Gemeinde seien da zweitrangig.
„Ich kann nicht gut mit Kindern“, gibt er zu. „Aber ich würde beispielsweise schon Schulandachten leiten – das ist dann wichtiger, als mich akademisch zu betätigen.“ So lautet sein Primizspruch auch: „Dein Knecht steht mitten im Volk“ (1 Kön 3, 8). „Dieser Halbsatz aus dem Traum des Salomon spricht für sich“, erläutert Holl die Entscheidung.
„Gott erscheint Salomon im Traum und will ihm einen Wunsch erfüllen. Und Salomo wünscht sich ein weises und verständiges Herz. Und mein Anliegen ist es, mit dem Volk Gottes da zu sein – und nicht über der Gemeinde zu stehen.“ Viel lieber gibt er das, was er gelernt hat, an die Gemeinde weiter. Praktikant war er in Mariä Himmelfahrt (Schwedt) und Salvator (Berlin-Lichtenrade) und gerade in Lichtenrade, wo der Christenanteil in der Bevölkerung hoch sei, empfand er den Gemeindeeinsatz als sehr ermutigend. „Ich hatte das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt Holl. „Am unmittelbarsten hatte ich dieses Gefühl bei der Krankenkommunion.“
Wichtigste Aufgabe sei für ihn, den Gläubigen und den Ehrenamtlichen zu helfen. „Ich möchte Multiplikator für all die Aufgaben sein, die es in der Kirche zu tun gibt“, sagt er. „Wollen wir Gläubige und zukünftige Gläubige erreichen, müssen wir sie motivieren.“ Das romantische Bild eines Priesters aus seiner Jugendzeit hat sich inzwischen also geändert: „90 Prozent der Menschen in meiner Umgebung sprechen nicht mit der wichtigsten Person in ihrem Leben“, ist ihm im Laufe der Jahre aufgefallen. „Sie sprechen einfach nicht mit Gott.“ Das habe ihn verstört und deswegen soll ein Priester seiner Ansicht nach genau daran arbeiten. „So sehe ich das heute“, betont Holl. „In zehn Jahren habe ich vielleicht wieder neue Motive für mein Leben als Priester.“ Und das rät er auch jedem Christen: „Man muss dranbleiben. Nichts darf für den Rest des Lebens abgehakt werden. Gott hat mehr mit einem vor.“