03.08.2017

Bistum Magdeburg und sein Partnerbistum Kaišiadorys

Begegnung auf hoher See

Jugendliche aus dem Bistum Magdeburg und dem Partnerbistum Kaišiadorys in Litauen waren eine Woche mit drei Segelschiffen im niederländischen Wattenmeer unterwegs und machten dabei eine ganze Menge Erfahrungen.


Deutsche und litauische Jugendliche waren auf drei Segelschiffen im niederländischen Wattenmeer unterwegs. | Foto: Jugendpastoral


„Dann stand er auf, bedrohte die Winde und den See; und es entstand eine große Stille.“ Dieses Wort aus dem Matthäusevangelium (Mt 8,26) haben die Veranstalter als Motto über eine ganz besondere Segeltörn geschrieben. Vom 16. bis 24. Juli waren Jugenedliche aus dem Bistum Magdeburg und aus dem Partnerbistum Kaišiadorys auf Segelschuffen unterwegs.  Insgeamt 59 Jugendliche nahmen an der internationale Jugendbegegnung teil. Eine Woche lang waren sie mit drei Plattbodenschiffen gemeinsam im niederländischen Wattenmeer unterwegs. Die deutschen Jugendlichen kamen – abgesehen vom Dekanat Torgau – aus allen Dekanaten des Bistums Magdeburg. Eingerahmt wurde die Begegnung durch einen Auftakt- und einen Abschlusstag in Magdeburg.

Motto aus dem Matthäusevangelium
Gesegelt wurde zunächst ein Stück durchs IJsselmeer und anschließend über das Wattenmeer an die Inseln Texel, Vlieland und Terschelling. Der Tagesablauf war recht geregelt, berichtet Jonas Borgwardt, Jugendbildungsreferent in der Arbeitsstelle für Jugendpastoral in Magdeburg. „Gegen 7 Uhr fand ein Morgengebet statt, bei dem das jeweilige Tagesthema eingeführt und ein Impuls für den Tag gesetzt wurde. Anschließend wurde auf den drei Schiffen, in denen wir auch übernachteten, gefrühstückt und dann ging es los mit Segeln.“ Je nach Wind und Ziel wurde unterschiedlich lang gesegelt. „Nach der Ankunft am jeweiligen Ziel wurde das Tagesthema vertieft und der Tag am Abend mit einem Abendgebet, einem Taizé-Gebet am Strand oder am Samstag mit einer Eucharistiefeier abgeschlossen.“
Im Mittelpunkt dabei stand natürlich das Motto aus dem Matthäus-Evangelium. Jonas Borgwardt: „Im Laufe der Woche haben wir verschiedene Worte und Aspekte aus diesem Satz betrachtet und in unsere eigene Lebenswelt übertragen.“ Das geschah auf recht unterschiedliche Art und Weise: Zum Thema „Er“ beispielsweise gab es den Auftrag, eine bislang kaum oder nicht bekannte Person zu zeichnen – sie also für längere Zeit genau wahrzunehmen. Der Ausgangspunkt dabei: Nur die Beziehung zu Mitmenschen ermöglicht Erkenntnis Gottes. Das Ziel der Übung: Jemanden anders intensiv wahrnehmen und ihm dadurch zu begegnen. Das Tagesthema „Bedrohen“ wurde nach einer biblischen Einführung mit Vertrauensübungen vertieft: Wenn die Jünger Jesu Macht, die Winde und den See wirksam bedrohen zu können, vertrauen: Wie können wir dann anderen und vor allem Gott vertrauen? Die Übungen wurden in einem weitläufigen Strand- und Dünengelände durchgeführt.
„Im Laufe der Woche konnte jeder und jede seine Stärken und Fähigkeiten einbringen oder auch neue entdecken“, berichtet Jonas Borgwardt. „Schließlich haben wir uns selbst verpflegt, aktiv beim Segeln angepackt und uns selbst organisiert. Auf der See konnten wir viel erleben: Wir waren nicht nur über lange Zeit in Schräglage und hatten die Herausforderung so zu kochen und zu essen, wir sind auch während der Ebbe im Watt gelaufen, haben Seesterne gesehen, Miesmuscheln gesammelt und gekocht und gleich am zweiten Tag einen Zusammenstoß zweier Schiffe erlebt, wo der Klüverbaum – das ist ein Rundholz, das über das Vorschiff eines Segelschiffes, in diesem Fall der ,Zuid-Holland‘ hinausragt – abbrach und kurzerhand durch einen Tannenbaum ersetzt wurde.“
Für viele Teilnehmer war das Segeln selbst eine neue Erfahrung, aber auch die Selbstorganisation und die intensive Gemeinschaft insbesondere auf den drei Schiffen. Auch die Begegnung zwischen deutschen und litauischen Jugendlichen fand besonders an Bord statt, wo gemeinsam gesungen, gespielt und gekocht wurde. Viele neue Freundschaften wurden geschlossen und die Partnerschaft zwischen den        Bistümern Kaišiadorys und Magdeburg vertieft. Natürlich blieb beim Segeln wie an Land auch genug Zeit zur Entspannung und für gute und intensive Gespräche.

Neue Erfahrung für die Jugendarbeit
„Die internationale Jugendbegegnung als Segeltörn war eine neue und in mehrerer Hinsicht herausfordernde Form, in der zuallererst die Jugendlichen selbst mit ihren Anliegen, ihrem Glauben und ihren Fragen im Mittelpunkt standen“, sagt Jonas Borgwardt zusammenfassend. „Durch die Möglichkeit, sich mit den eigenen Stärken vom Kochen über das Handwerkliche bis zum Gitarrespielen einbringen zu können, wurde eine intensive Woche mit vielen auch geistlichen Erfahrungen ermöglicht. Gleichwohl ist auch festzustellen, dass kurzfristige Absprachen zwischen drei Schiffen, noch dazu in mehreren Sprachen, nur schwer möglich sind. Während Unternehmungen in der ganzen Gruppe eher zurückgestellt werden mussten, gestaltete sich die Begegnung umso stärker in den Bootsgruppen.“ Letztlich sind alle 59 Besatzungsmitglieder gesund und voller neuer Erfahrungen zurückgekehrt.
Die Begegnung wurde mit Mitteln des Förderprogramms „Go-East“ von Renovabis, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) der Deutschen Bischofskonferenz und des BDKJ-Bundesverbandes unterstützt.

(tdh)