24.09.2015

Vollversammlung der deutschen Bischöfe

Baustelle Kirche

"Vorsicht, Bauarbeiten!" Angesichts von Priestermangel und zurückgehenden Katholikenzahlen ist die katholische Kirche im Umbruch. Damit daraus kein Abbruch wird, hat die Deutsche Bischofskonferenz  ein Papier mit dem Titel "Gemeinsam Kirche sein" veröffentlicht. 

"Vorischt, Baustelle": Die Kirche wird sich in den 
nächsten Jahren ändern. Foto: wikipedia

Die Diagnose ist klar: Die Zahl der Katholiken in Deutschland ist zwischen 1990 und 2014 von 28,2 auf 23,9 Millionen zurückgegangen. Auch die Zahl der Priester geht nach unten: von 18.700 im Jahr 1995 auf 14.400 im vergangenen Jahr. Die 27 Bistümer haben darauf mit einem Umbauprogramm reagiert: Gemeinden werden zu XXL-Pfarreien oder Pastoralverbünden zusammengelegt. Manche verlieren ihre Selbstständigkeit, andere bleiben innerhalb der Großstrukturen erhalten. Bundesweit hat sich die Zahl der Gemeinden deutlich verringert: von 13.313 im Jahr 1990 auf 10.911 im Jahr 2014. 

Für viele Katholiken ein harter Schnitt: Wenn die eigene Kirche verwaist, Vereine und Gremien zusammengelegt werden, droht weiterer Niedergang. "Große kirchliche Einheiten funktionieren nur, wenn die Kirche vor Ort weiter ein Gesicht behält", zog der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe Zwischenbilanz. Doch das setzt ein Umdenken auf allen Seiten voraus, wie das Papier der Bischöfe betont. 

"Menschen wollen heute partizipieren. So wie sie im gesellschaftlichen Raum an Entscheidungen beteiligt sind, so erwarten sie dies auch in der Kirche", sagte der Münsteraner Bischof Felix Genn bei der Präsentation. Ohne eine Stärkung der ehrenamtlich tätigen Laien gebe es keine Nähe der Kirche zu den Menschen. 

 

Mentalitätswandel nötig

Der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe forderte ebenso wie Bode einen Mentalitätswandel: Laien dürften nicht mehr als verlängerter Arm des Klerus gesehen werden, so der Osnabrücker Bischof, der Vorsitzender der Pastoralkommission der Bischofskonferenz ist. Zugleich müssten sie selber Verantwortung übernehmen, nicht nur die "Berufschristen". 

Die Bischöfe sprechen sich unter anderem für mehr Frauen in den Leitungspositionen aus, die nicht an die Priesterweihe gebunden sind. Außerdem sollen Leitungsaufgaben gezielt Ehrenamtlichen übertragen werden. Dennoch sieht das Papier weiter eine Sonderrolle des Priesters: Seine mit der Weihe verliehene geistliche Vollmacht sei eine "Vollmacht zum Dienst", heißt es. Priester dienten der Einheit der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus. 

Die von den Bischöfen vorgestellte "Vision" ist nicht neu. Schon das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hatte das "gemeinsame Priestertum aller Getauften" betont. Genn verhehlte nicht, dass diese Vorstellung von Kirche sich nur langsam durchsetzt. Lange habe eine "Machtlogik" des Oben und Unten geherrscht. Gefordert sei ein "Zueinander" der Dienste. Und Bode ergänzte mit Blick auf den Priestermangel: "Manchmal lehrt die Not, Altes neu zu entdecken." 

 

Struktur der Kirche wird sich dramatisch ändern

Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück
und Bischof Felix Genn aus Münster stellten das 
neue Papier vor. Foto:kna-bild

Fest steht, dass sich die Struktur der Kirche dramatisch ändern wird: "Wir können auf Dauer nicht mehr von einer Kirche der Hauptamtlichen ausgehen", sagte Bode. Die derzeit noch relativ gute finanzielle und personelle Lage müsse genutzt werden, um die Basis für eine stärker von Laien getragene Kirche zu legen. 

Wie das aussehen könnte, zeigt die lange von Schließung bedrohte Gemeinde Sankt Barbara in Duisburg. In einem auf drei Jahre befristeten Pilotprojekt finanzieren die knapp 3.000 Mitglieder ihre Aktivitäten allein und konnten damit auch ihre vom Abriss bedrohte Kirche retten. Ehrenamtliche übernehmen die Kinder-, Frauen- und Seniorenarbeit, Laien gestalten Wortgottesdienste und Andachten selbst. Der Förderverein "Rettet St. Barbara" ist wirtschaftlicher Träger der Gemeinschaft. 

Für den zuständigen Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ist allerdings klar, dass die Gemeinschaft Teil der Großpfarrei Sankt Johann ist und dass das Projekt nur mit enger Anbindung an den Pfarrer und das Pastoralteam durchgeführt wird. "Kirchenseparatismus" werde nicht gefördert. 

kna