24.08.2017

750 Jahre Kloster Meyendorf

Barocke Kostbarkeit

Vor 750 Jahren wurde in Meyendorf ein Kloster gegründet. Es überstand – wie andere Klöster der Region – die Reformation. 1810 wurde es aufgehoben. Heute gibt es im Ort nur noch wenige Katholiken. Einer ist Herbert Kabath. Er lebt hier als Pfarrer im Ruhestand und hat diesen Beitrag geschrieben.


Zusammen mit der Pfarrei Wanzleben, zu der Meyendorf heute gehört, Priestern aus der Umgebung und Bischof Gerhard Feige feierten die Meyendorfer ihr Patronatsfest. Foto: Matthias Holluba

 

Wer von der Autobahn 2 auf der Bundesstraße 246a südwärts fährt, ahnt kaum, dass sich bald nach Seehausen Richtung Wanzleben im Hügelgelände eine barocke Kostbarkeit verbirgt: die 1267 gegründete und 1810 aufgelöste Zisterzienserinnen-Abtei Meyendorf.
Der Ort war im frühen Mittelalter ein blühendes Bauerndorf, in dem die Erben der Herren von Meyendorf, Heinrich von Kronenberg, Propst und Kantor des Erzstiftes Magdeburg, und sein Bruder Ritter Gebhard ein Kloster stifteten. 1267 wurde durch eine Urkunde die Gründung des Klosters bestätigt: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit! Wir, Volrad, durch Gottes Gnade Bischof von Halberstadt, bezeugen, dass der Kantor der Domkirche zu Magdeburg, Heinrich von Gronenberg, und sein Bruder, Ritter Gebhard, die in unserer Diözese liegende Kirche St. Andreas von Meyendorf, deren Patronat ihnen zusteht, mit allem Eigentum in Gegenwart vieler verschenkt haben, damit dort ein Nonnenkloster errichtet werde. Dieses ist geschehen, damit ihnen und ihren Vorfahren Nachlass der Sünden zuteil werde, und sie erhoffen, wenn sie selber sterben, daher von Gott Erbarmen und Heil …“

Widerstand gegen die Reformation
Zwischen Halberstadt und Magdeburg war Meyendorf das jüngste der im Mittelalter gegründeten Klöster. Die Stifter schenkten unter anderem dem zu gründenden Kloster die Kirche, deren Seelsorge dem Propst zufallen soll, lösen es von der Gerichtsbarkeit des Archidiakons von Seehausen und übergeben es dem Bischof Volrad. Die päpstliche Bestätigung folgt 1268. Sogleich macht sich eine hastige Kauf- und Erwerbslust geltend, als gälte es, den Vorsprung der benachbarten älteren Klöster einzuholen. 
Der Reformation setzten die Nonnen (43 Jungfrauen und 48 Laienschwestern) einen angriffslustigen Widerstand entgegen. Vor der Visitation klagte Heinrich v. d. Asseburg 1563 als Gerichtsherr, dass „die Nonnen im selbigen Kloster nicht alleine vor ihre Personen in ihrer verdambten papisterey u. treulichen abgotterey mutwillig u. trotziglich verharren, sondern auch seine Leute u. vndertanen heimlich an sich zihen u. zu solcher ihrer abgotterey bereden.“ Aber alle Reformversuche hatten doch nur den Erfolg, dass 1624 der Propst und die Hälfte des Konventes evangelisch waren. Nach dem 30-jährigen Krieg erstarkte das alte Kirchentum wie in Egeln, Hadmersleben, Ammensleben und Althaldensleben so sehr, dass auf dieser versprengten Konfessionsinsel sich eine Klosterkultur mit stolzen Allüren nach bayrisch-österreichischen oder rheinischen Mustern brüsten dürfte.

Das ehemalige Kloster Meyendorf: Die Kirche gehört der katholischen Gemeinde. Die Klostergebäude beherbergen ein Alten- und Pflegeheim. | Fotos: Herbert Kabath

Ein Brand vernichtete 1610 das Kloster
Am 1. August 1610 legte ein großer Brand das gotische Kloster in Schutt und Asche. Von den ersten Klosterbauten und der Kirche blieb nicht viel erhalten. Heute befindet sich in der barocken Klosterkirche noch einer schöner Grabstein der Äbtissin Christina (gest. 1508), ein gotischer Marienflügelaltar von 1477, eine Pieta und eine Madonna aus der Zeit vor dem Brand (etwa 1450-90).
Recht und schlecht lebten Äbtissin und Nonnen in den Klosterruinen und die marodierenden kaiserlichen wie schwedischen Truppen des 30-jährigen Krieges fügten dem klösterlichen Leben weiterhin Schaden zu. Der Westfälische Frieden von 1648 sicherte die Existenz des Klosters. Bei einer Visitation 1650 bestand der Konvent schon wieder aus sechs Professschwestern und vier Novizinnen. Sie besaßen zu dieser Zeit einen katholischen Propst, dem von den Visitatoren des evangelischen Administrators in Magdeburg untersagt wurde, Eheleute, auch wenn sie katholisch seien, zu trauen. Die evangelischen Bediensteten des Klosters wurden von dem evangelischen Pfarrer des Nachbarortes betreut.
Im Anschluss an die Visitation versuchten die Stände des Erzbistums den evangelischen Einfluss in den katholischen Klöstern zu stärken. Sie behaupteten, dass die katholischen Klöster des Erzbistums Magdeburg im Jahr 1624 zur Hälfte evangelisch seien und einen evangelischen Propst besessen hätten und darum müsste dieser Zustand wieder hergestellt werden. Dagegen wehrten sich die Klöster. Der Administrator befahl 1654, bei den entsprechenden Bürgermeistern und Räten der Städte nachzufragen, wie die Verhältnisse im Jahre 1624 bei den katholischen Klöstern gewesen seien. Über das Kloster Meyendorf berichtet der Rat der Stadt Seehausen: Die Nonnen seien alle katholisch gewesen und hätten zur Abhaltung des Gottesdienstes katholische Mönche von anderen Orten herholen lassen. Das evangelische Gesinde des Klosters sei von evangelischen Pfarrern aus dem Umgebung versorgt worden. Für dieses Gesinde sei der evangelische Gottesdienst unten in der Klosterkirche gehalten worden. Über die Konfession des Propstes machte der Rat der Stadt keine Angaben.
Von 1684 bis 1710 dauerte der Kampf um die Propststelle. Das Kloster musste sich dem Druck des preußischen Königs beugen und die Stelle mit evangelischen Laien besetzen. Trotzdem ging der innere und äußere Aufbau des Klosters weiter. 1709 wurde Theresia Henkel zur Äbtissin gewählt. Als sie 1733 starb wurde sie die zweite Gründerin des Klosters genannt. 1712 war der Konvent wieder auf 19 Konventualinnen angewachsen. Die Äbtissin begann um 1720 mit dem Neubau des Klosters und der Kirche im Barockstil. Der Nachwuchs kam zu dieser Zeit in der Hauptsache aus dem Eichsfeld und dem Bistum Hildesheim.
1766 wurde die Äbtissin Johanna Vollmer gewählt. Sie führte zusammen mit dem nun katholischen Propst Pater Alanus Hartung den Neubau des Klosters fort. In ihre Regierungszeit fiel eine wichtige Entscheidung des preußischen Königs. 1769 erlaubte der Alte Fritz, König Friedrich II., den Katholiken, die in Meyendorf und auf dem Vorwerk Gehringsdorf wohnten, sich von dem katholischen Klostergeistlichen seelsorglich betreuen zu lassen. Allerdings mussten sie die Gebühren für Taufen und Trauungen an den evangelischen Pfarrer des Ortes abführen. Als Entgelt für die Vergünstigung musste das Kloster sich bereit erklären, 22 Kolonistenfamilien (Hugenotten) auf Klostergrund anzusiedeln.

Nach dem Brand von 1610 wurde die Kirche im Barockstil neu gebaut.

1810 wurde das Kloster aufgehoben
1774 erhielt das Kloster die Erlaubnis, in Zukunft immer einen katholischen Propst wählen zu dürfen. Der Konvent musste aber dafür eine Spende von 2000 Talern zum Bau der St. Hedwigs-Kirche in Berlin entrichten. Seitdem hat der Meyendorfer Klosterpropst wieder die vollen Pfarrrechte. So wurde 1775 Pater Alanus Hartung aus der Zisterzienserabtei Reifenstein im Eichsfeld vom Konvent zum Propst gewählt. Unter seiner Verwaltung wurde der Neubau des Klosters und die Innenaustattung der Kirche vollendet.
Aber lange konnten sich die Schwestern ihres neuen Klosters nicht mehr erfreuen. Am 16. September 1810 wurde der Äbtissin Maria Elisabeth Kellner und den Schwestern durch Dekret des Königs Jerome Bonaparte die Auflösung der Abtei bekannt gegeben. Der Staat erkannte die Pfarrei an. Mit Ausnahme der Kirche und der für die Pfarrei notwendigen Gebäude kaufte der Magdeburger Großindustrielle Johann Gottlieb Nathusius den Klosterbesitz.
Die katholische Gemeinde hatte damals 325 Gläubige. Seit dem zwölften Jahrhundert bis auf den heutigen Tag brennt das ewige Licht zum Zeichen der Gegenwart des Herrn in Meyendorf. Die Pfarrei, die zu den Ur-Pfarreien des heutigen Bistums Magdeburg gehört, wurde 2012 aufgehoben und in die neu gegründete Pfarrei St. Bonifatius Wanzleben eingegliedert.