27.08.2015

Ausstellung über Teresa von Ávila

Nichts für den schnellen Blick

Görlitz. Eine Ausstellung über Teresa von Ávila ist derzeit in der evangelischen Nikolaikirche in Görlitz zu sehen – ein großes Bild dominiert und macht Betrachter neugierig.

Dieses Bild ist in der Ausstellung von Wanda Dück über Teresa von Ávila dominant. Fotos: Raphael Schmidt


Öffnet sich die Schwingtür in der Nikolaikirche in Görlitz, stehen Besucher vor einer Leinwand aus mehreren Segmenten, die von einem scheinbaren Chaos aus Strichen, Aufdrucken und Bildern in Bildern, bedeckt ist. Spruchbänder, wie Grabschleifen, sowie rote Bindfäden führen auf einen vor der Bildkomposition liegenden hellbrauen Teppich, verbinden Bildinhalte mit 16 Feld-Steinen.
Am 15. August wurde die Ausstellung, im Beisein der Künstlern: Wanda Dück aus Gronów/Grunau in Polen, eröffnet. Bis zum 29. November ist sie täglich geöffnet. Zur ungewöhnlich großen Bilderwand in der Nikolaikirche sagt Hans-Wilhelm Pietz, Pfarrer der evangelischen Innenstadtgemeinde in Görlitz, in seiner Laudatio: „Sie verstellt den Weg. Sie lässt den schnellen Blick nicht durch. Mancher, der nur mal eben so reinschauen und alles mitnehmen wollte, wird vielleicht sogar enttäuscht sein: Dem einfachen Mitnehmen des äußeren Eindrucks ist etwas entgegengestellt. Wer hier tiefer und weiter kommen will, muss sich Zeit nehmen und vor der Bilderwand verweilen. Der Teppich lädt geradezu dazu ein“.
Auf diesen Teppich kann man sich setzen, beispielsweise um die Informationen über Teresas Leben und Wirken zu lesen. Steine auf dem Teppich, die mit goldenen Farbflecken versehen sind, symbolisieren die von Teresa von Ávila gegründeten Ordensniederlassungen. Aus dieser Perspektive – von unten – wirkt das Werk noch mächtiger, zumal in dem sich darüber wölbenden hohen Kirchenraum. Pietz in seiner Laudatio: „Viele Bilder, Andeutungen, Zitate, Fundstücke, Schriftzüge, zerlaufende Formen und sich immer neu zeigende Farbspiele bieten sich uns auf der Bilderwand dar. Jedes ein Anlaufpunkt für die Betrachtung. Jedes ein Anker-Ort für uns. Folge doch einfach deiner Stimmung…“ Pfarrer Pietz beschreibt Teresa von Ávila, die vor 500 Jahren, am 28. März 1515, im spanischen Ávila geborene Ordensfrau, Klostergründerin und Mystikerin als „Erfolgsautorin, Freundin und Lehrerin eines sanftmütigen Lebens“. Sie hat „eine Anleitung zu dem begonnen, was sie das innere Gebet, das Aufnehmen, Betrachten und Entdecken der Wirklichkeit Gottes genannt hat. Man bedenke: Das äußere Gebet mit vorformulierten Sätzen und Abschnitten, das Wiederholen des Vorgegebenen, das Aufsagen des Richtigen – das war rundum vertraut“, so Pietz.

 

Auf dem Sockel: Kapelle in Legnica/Liegnitz, darunter ein Bild von Teresa.

Künstlerin hat Annäherung an die Heilige versucht
Wiederholen, das ist in der Ausstellung optisch erkennbar. Wanda Dück, deren künstlerischer Schwerpunkt die Gestaltung sakraler Räume und sakraler Bildwerke ist, hat sich anlässlich des Jubiläums von Teresa von Ávila besonders mit dem Thema Mystik auseinandergesetzt. Dück stellt der Heiligen Menschen und Ereignisse  von Wichtigkeit gegenüber, die nach dem Tod der Heiligen kamen: Papst Johannes Paul II. zählt dazu.
Die Künstlerin kam, auf der Suche nach ihren kulturellen Wurzeln, zur russischen Ikonenmalerei. Ihre Wandmalerei basiert auf der byzantinischen Kunst, die sie mit Mitteln klassischer Moderne umsetzt. Ihre Kunstwerke transportieren so die byzantinische Mystik in die heutige Welt.
Bischof Wolfgang Ipolt war bei der Ausstellungseröffnung anwesend. Er sagt: „Wanda Dück hat mit ihrem Kunstwerk eine Annäherung an die Person der heiligen Teresa von Ávila aus Anlass ihres 500. Geburtstages versucht. Sie hat eine Ikonostase aufgebaut – eine Bilderwand, wie sie in den östlichen Kirchen üblich ist. Es fehlen allerdings die Türen. Die Königstür in der Mitte ist zumindest angedeutet. Diese Form weist nicht nur auf eine Heilige hin, sondern auch auf den heiligen Gott, der unsichtbar ,hinter‘ allem ist.

Teresa von Ávilas Leben reicht bis in die Gegenwart
Für Teresa war das klar: Es ging ihr vor allem um Gott und die persönliche Versenkung in seine Gegenwart. Die Bilderwand zeigt verschiedene kurze Texte der Heiligen, aber auch Situationen aus dem heutigen Leben. Das Leben der Teresa ist nicht nur Vergangenheit – es reicht bis in die Gegenwart. Die roten Fäden, die aus dem Bild herauskommen, zeigen das an. Die goldfarben bemalten Steine stehen für die Klostergründungen der Heiligen.
Wanda Dück selbst hat eine tiefe Verbindung zum Karmel und hat sie hier künstlerisch ausgedrückt. Für den Betrachter braucht es auf jeden Fall eine Einführung in das Kunstwerk. Aus meiner Sicht könnten einige Originaltexte der heiligen Teresa auch tiefer in die Welt der Heiligen einführen“, so Bischof Ipolt.

Öffnungszeiten Nikolaikirche, Große Wallstraße/Bogstraße: täglich von 11 bis 17 Uhr (November bis 16 Uhr) Die Laudatio von Dr. Pietz und weitere Fotos auf: www.bistum-goerlitz.de

Von Raphael Schmidt