17.07.2014

Anstoß 29/2014

Aus tiefstem Herzen

Sonntagsgottesdienst. Der Lektor beendet die erste Lesung mit dem obligatorischen „Wort des lebendigen Gottes“ und die Gemeinde antwortet in gewohnter Weise: „Dank sei Gott“. Und dann ertönt ein nachgeschobenes „Vielen Dank!“  Laut und gut vernehmbar.

Es war eins mit vielen "ie‘s", also ein aus tiefstem Herzen kommendes „Vieieielen Dank!“ Ich war davon berührt. Nicht nur, weil ein Kind  dem gemeindlichen „Dank sei Gott“ noch eins draufsetzte, sondern es mit seiner  ganz eigenen Sicht auf die Dinge  Gewohntes und Selbstverständliches aufbrach. Wie oft sagen wir im Gottesdienst „Dank sei Gott“? Wenigstens zweimal. Im Alltag kommt es einem sogar noch häufiger über die Lippen, das „Gott sei Dank“, mehrheitlich ganz unbedacht, quasi als Redewendung, zum Beispiel wenn man glücklicherweise einen Stau umfahren konnte oder noch rechtzeitig vor dem großen Regenguss im Trockenen war. Und dann gibt es die wirklich inbrünstig hervorgebrachten Dankesgrüße an Gott, wenn etwa eine befürchtete Diagnose sich nicht bewahrheitet hat oder das herannahende Auto noch rechtzeitig zum Stehen kam, als das Kind seinem wegrollenden Ball auf die Straße folgte.
Kann man sagen, dass den Gottesdienst Feiernden das „Dank sei Gott“, also die Dankbarkeit Gott gegenüber schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass man gar nicht mehr nachdenken muss, an welcher Stelle man es sagt? Manchmal haben es die Lesungstexte ja in sich – und trotzdem heißt es hinterher gemeinschaftlich „Danke“.  Wir dürfen Gott dankbar sein, für sein Wort, das uns begleitet, für sein Wort, das Mensch wurde – für uns, und ausschließlich für uns alles gegeben hat. Manchmal, eigentlich mehrheitlich, merkt man uns nur schwer an, welchen Reichtum wir geschenkt bekommen haben. Besonders Christen aus Afrika oder Lateinamerika werden bewundert für ihre leibhaftig gefeierten Gottesdienste. Wenn Gott gelobt oder gedankt wird, stehen deren Füße nicht still, schwingt der Körper mit, sprechen die Hände. Unsere Mentalität ist eine andere, auch wenn wir uns bei entsprechenden Gelegenheiten gern mitreißen lassen.
Wie tief und ehrlich der Dank des Einzelnen Gott gegenüber ist,  weiß nur Gott am besten. Er kennt uns besser, sogar als wir uns selbst. Er ist größer als unser Herz. Gott sei Dank!

Von Andrea Wilke, Erfurt